Warum „verschwindet“ ein bekannter österreichischer Gerichtspsychologe aus der Sachverständigenliste?

Univ. Prof. Ing. Mag. Mag. Dr. Dr. Salvatore Giacomuzzi ist in Österreich kein unbekannter Gutachter. In heiklen Fällen wie bei sexuellem Missbrauch in der Kirche oder in Obsorgestreitigkeiten, die es bis in die Medien schafften, war er als Privat- oder Gerichtsgutachter tätig. Nach der Grazer Amokfahrt im Jahr 2015 ging sein Expertenkommentar durch alle Medien. Im Jahr 2010 zitierte ihn „Die Presse“ im Artikel „Hochstapler: Die Welt will betrogen werden'“ so:

„’Der Mensch ist ein kognitiver Faulpelz‘, sagt Salvatore Giacomuzzi, Psychotherapeut und Dozent für Psychologie an der Uni Innsbruck. Daher neige man dazu, Menschen zu bewundern, die sich ihre Luftschlösser nicht nur erträumten, sondern sie auch tatsächlich lebten.“

Beginn einer langen Spurensuche. Salvatore Giacomuzzi ist ja nicht nur Dozent, er führt den Titel „Univ. Prof.“, überall im Netz und ebenso auf dem Briefkopf seiner Gutachten:

Ist er also Universitätsprofessor an der Universität Innsbruck? Er wurde dort habilitiert, hat sein Büro in Innsbruck, das wäre doch die erste Adresse. Anfrage an das Rektorat.

Also Fehlanzeige an der Universität Innsbruck. – Auf dem Portal „Psychnet“ ist eine Erreichbarkeit samt Mailadresse angegeben: Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Medizinische Universität Innsbruck also!

Erneute Anfrage an das Rektorat. Zur großen Überraschung: Auch dort Fehlanzeige.

Auf der Liste der allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen in Österreich war im Eintrag zu Salvatore Giacomuzzi über einen langen Zeitraum ebenso die Medizinische Universität Innsbruck angegeben:

Der Screenshot stammt vom 21.01.2018. – Doch was passiert, wenn man Salvatore Giacomuzzi heute sucht? Kann jeder überprüfen. Was ist hier passiert?

Mitunter wird hier von Interesse sein, wer eigentlich in der Justiz bzw. genauer: in den Landesgerichten sauber gearbeitet hat oder nicht. Dazu ein anderes Beispiel:

Der Titel „PrimUnivProfDr“, der muss ja auch erst einmal kanonisiert werden. (Wird fortgesetzt)

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