Mit drei Seiten Ko-Autorschaft zum Doktorat: Kürzeste Dissertation der Welt an der Uni Münster aufgetaucht

Sie wollen einen Text, etwa eine Doktorarbeit, auf Plagiat überprüfen lassen? Mail an weber@plagiatsgutachten.de


Wie Kollegin Debora Weber-Wulff in einem Leser-Kommentar im „Causa-Schavan“-Blog berichtet, wurden an der Universität Münster offenbar nicht nur medizinische Doktorarbeiten in Serie (teil-)plagiiert. Es ist nun auch die wahrscheinlich kürzeste Doktorarbeit der Welt aufgetaucht. Sie umfasst gerade mal drei Seiten und ist identisch mit einem kurzen Aufsatz, der zwei Jahre zuvor unter Autorschaft des Doktorvaters und der (späteren) Dissertantin publiziert wurde. Nun gibt es meines Wissens keine festgeschriebene Mindestlänge von Dissertationen. Auch ist es in den Naturwissenschaften und in der Medizin häufig Usus, dass bereits publizierte oder in Druck befindliche akzeptierte Arbeiten als Teile einer Dissertation eingereicht werden. Allerdings ist der hier „federführende“ Professor auch eine Hauptfigur im aktuellen Münsteraner Dissertationsplagiatsskandal: Gleich fünf (teil-)plagiierte Doktorarbeiten gehen auf das Konto seiner Erst- oder Zweitbegutachtung.

Worum geht es eigentlich in dem kurzen Paper = in der ultrakurzen Doktorarbeit? Um Naturmedizin gegen Impotenz im mittelalterlichen Persien. Seit einiger Zeit forscht der Physiologie-Professor zu Depression und Epilepsie. Viele seiner Dissertanten wurden Zahnmediziner und promovierten mit den entlegensten Themen (wie etwa zu Spezialfragen der Synapsenaktivität im Rattenhirn). Und ich dachte immer, die postmoderne Beliebigkeit gibt es nur in den Geisteswissenschaften.

Update: Dank an Erbloggtes. Die Idee mit der Twitter-Doktorarbeit finde ich großartig. Ab sofort muss jeder Absolvent seine neuen Erkenntnisse in einen Tweet bringen können. Ich würde gerne an der philosophischen Fakultät der Universität Münster für folgenden Tweet promoviert werden: „Erst nach der Sprachentstehung war die Welt schon vor der Sprachentstehung da.“ Der Satz hat weniger als 140 Zeichen, ist hochoriginell und hat mehr Gehalt als viele Doktorarbeiten zusammen.

7 Gedanken zu „Mit drei Seiten Ko-Autorschaft zum Doktorat: Kürzeste Dissertation der Welt an der Uni Münster aufgetaucht

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  5. Ben

    Die Muensteraner Veroeffentlichung umfasst 12.769 Zeichen und ist damit – wordy! Und keinesfalls die ‚kuerzeste Dissertation der Welt‘. Mathematiker kommen mitunter mit weniger Tinte zum PhD: David Rector in den 60ern am MIT beispielsweise mit diesem paper (unter 6000 Zeichen): http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/0040938366900255 . Siehe auch: http://mathoverflow.net/questions/54775/what-is-the-shortest-ph-d-thesis

    Will sagen: ‚Laenge‘ ist ein Quatschkriterium zum beurteilen wissenschaftlicher Arbeit. Die entscheidende Frage – die hier nicht mal angesprochen wurde – ist ob die drei(einhalb) Seiten einen substantiellen Forschungsbeitrag zu ihrem Thema leisten. Das die Arbeit kurz und ihr Thema speziell ist, sagt fuer sich genommen nichts dazu.

  6. Alexander-Martin Sardina

    Lieber Ben vom Juni 2015,

    die Länge ist nicht zwingend ein Qualitätskriterium, aber Du unterschlägst andere Aspekte bei der Bewertung dieses Einzelfalls, denn eingereicht als Diss wurde ein Aufsatz, der bereits vom „Doktorvater“ publiziert wurde, der in Plagiatsfälle verstrickt ist.

    Zudem behaupte ich, dass drei Seiten keine Doktorarbeit sein können und es schon so etwas wie eine „konsensuale Mindestlänge“ gibt, zumal Du offenkundig die hier in Rede stehende „Dissertation“ nicht gelesen hast – ich schon, drei Seiten kriege ich in der Kaffeepause gerade noch so hin: Die „Dissertation“ enthält eine Tabelle, eine Grafik und ein Literaturverzeichnis. Fließtext hat die „Dissertation“ zusammen genommen ungefähr eine A4-Seite. Und das, lieber Ben, ist objektiv gesehen Bullshit und keine Doktorarbeit.

    Das Grundproblem ist, dass Nichtakademiker einen „Dr. med.“ für den „wahren Doktor“ halten, nicht aber beispielsweise einen „Dr. phil“. Dabei ist die Realität genau anders herum; der „Dr. med.“ ist ein faktisches Berufsdoktorat, belanglose Türschildforschung. In keinem anderen Fach darf man VOR dem Abschluss des Studiums mit der Diss beginnen, sondern – ganz im Gegenteil – benötigt einen mindestens guten Abschluss, um überhaupt zum Promotionsstudium zugelassen zu werden! Ich bin ganz klar dafür, dass Ärzte einen Master-Abschluss erhalten und nur wer eine korrekte Forschungsarbeit vorlegt, erhält einen „Dr. med.“ – leider ist die Ärztelobby übermächtig.

    Beste Grüße
    Dr. phil. Alexander-Martin Sardina

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