Fall Guttenberg: Eine Plagiatsfundgrube mit Auszeichnung – und noch mehr?

Mittlerweile ist es durch alle Medien gegangen: Guttenberg hat in seiner Doktorarbeit nicht nur ein paar Mal plagiiert, sondern ein paar dutzend Male, wenn nicht noch öfter. Dass auch schon Guttenbergs Einleitung abgeschrieben wurde, ist – neben vielen anderen Vergleichsstellen – hier dokumentiert. Das erinnert frappierend an die ganz plumpen Copy & Paste-Arbeiten, die ich früher in Österreich aufgedeckt habe. Dass die Autorin, von der Guttenberg abgekupfert hat, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ihrer Originalarbeit auch noch an der Universität der Bundeswehr in Hamburg lehrte, ist eine absurde Pointe.
Wenn man alle Funde addiert, entpuppt sich die Arbeit schon jetzt als Blendwerk, als Simulation von Wissenschaft(lichkeit), die mutmaßlich alleine durch ihren Umfang sowie ihren Fußnoten- und Literaturapparat über jeden Zweifel erhaben sein wollte. Hätte sie Guttenberg nicht selbst geschrieben, es rieche glatt nach Auftragswerk.
Warum schreibt jemand so eine Arbeit, wenn er doch im Vorwort bemerkt, er habe viel zu wenig Zeit für die liebe Wissenschaft? Warum dann 450 Seiten mit 25 oder mehr Plagiatsstellen und nicht 150 Seiten aus der eigenen Feder? Neben den Plagiatsstellen wird wohl auch diese Frage zu klären sein. Will man hier weiter Teil der Inszenierung, Teil des Spiels mit dem schönen Schein der Wissenschaftlichkeit sein, oder will man offenlegen, was wirklich dahinterstecken könnte?

3 Gedanken zu „Fall Guttenberg: Eine Plagiatsfundgrube mit Auszeichnung – und noch mehr?

  1. karpatenhund

    Es schwebt noch was ganz anderes im Raum. Das Stichwort lautet „Ghostwriter“. Wirklich wundern würde es mich nicht bei einer Arbeit, in der sogar in der Einleitung dreist geklaut wurde. Dabei ist die Einleitung etwas, was sich verhältnismäßig leicht schreibt – wenn man den Rest erstmal fertig hat. Soll sie doch darüber aufklären, was man eigentlich mit der Arbeit erreichen will und was man sich dabei gedacht hat.

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