„Fake Science“: Auch Österreichs Wissenschaft vom „WASET-Städtetourismus“ betroffen

Bezahlte Kurzurlaube in weltweiten Metropolen unter dem Deckmantel einer wissenschaftlichen Konferenz? Das klingt verlockend.

Das sechsteilige NDR-Podcast zum Thema „Fake Science“ gibt es hier zum Nachhören. Von den unglaublichen Fake Science-Praktiken der Weltakademie der Wissenschaften – WASET ist auch Österreich betroffen: So sollen am 27. und 28. Dezember 2018 zahlreiche „wissenschaftliche“ Fachkonferenzen in Wien gleichzeitig stattfinden, von der „ICD 2018: International Conference on Dance“ bis zur „ICFSC 2018: International Conference on Future Smart Cities“. Da alle Konferenzen zur selben Zeit angesetzt sind, ist davon auszugehen, dass es sich in Wahrheit um eine einzige „Konferenz“ in einem Wiener Hotel handeln wird, bei der Vortragende aus der ganzen Welt zu komplett beliebigen Themen referieren. Und das alles ohne Qualitätskontrolle.

Schon im Oktober soll in New York die „ICVCLE 2018“ stattfinden, die „20th International Conference on Vienna Circle, Language and Empiricism“. Wer sich hier tatsächlich Vorträge über die Philosophie des Wiener Kreises erwartet, der wird vielleicht enttäuscht werden. Zu Themen wie „The Experiences of Hong Kong Chinese Divorced Wives in Facing the Cancer Death of Their Ex-Husbands“ oder „Happiness, Media and Sustainability of Communities in Donkeaw, Mearim District, Chiang Mai, Thailand“ wurden bereits Vorträge akzeptiert.

Selbstverständlich hat das alles mit Wissenschaft rein gar nichts zu tun. Umso erstaunlicher ist es, dass das Geschäftsmodell von WASET, einer aus der Türkei operierenden Organisation, seit Jahren zu funktionieren scheint. Doch welchen Charakter haben WissenschaftlerInnen, die bei offensichtlichen Pseudo-Konferenzen mitmachen, einfach nur schnell ihren Vortrag vom Blatt lesen und sich für die Vorträge der anderen keinen Deut interessieren? Und warum bedarf es wieder einer journalistischen Aufdeckung, damit das Übel intern wahrgenommen wird?

Alleine drei österreichische Vortragende waren auf der WASET-Konferenz 2013 in Zürich. Dort trug etwa eine Klagenfurter Professorin zu „Human Decision-Making Biases in Interaction: Effects of Recency Bias and Information Framing Bias on Organizational Performance“ vor, parallel wurde aber auch über die Schrödinger-Gleichung, Bustourismus in Japan und die nationale Frage in Aserbaidschan gesprochen. Werden solche Konferenzbesuche aus universitären Mitteln, d.h. aus Steuergelden bezahlt?

Eine Big Data-Analyse ist notwendig: Wie oft haben in den vergangenen zehn Jahren WissenschaftlerInnen von Österreichs Universitäten und Fachhochschulen WASET-Konferenzen besucht, und wer hat diese „Städtetrips“ bezahlt?

Man kann sich dann in einer zweiten Frage auch gleich den sogenannten „Raubverlagen“ widmen. In Zeiten von Big Data und Text Mining dürfte es kein Problem sein, auch hier die schwarzen Schafe herauszufiltern. Die Namen der Journals und Verlage sind bekannt. Jetzt geht es darum, herauszufinden, wie viel Geld von wem in sie geflossen ist.

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