Die „marktschreierische Wichtigtuerei selbsternannter Plagiatsjäger“?

Im Zuge meiner Recherchen zur Ignoranz der Themen gute wissenschaftliche Praxis und Plagiarismus bei führenden österreichischen Wissenschaftsorganisationen stieß ich erst gestern auf einen schon etwas älteren Kommentar des FWF-Präsidenten Christoph Kratky. Das ist schon ein starkes Stück! Schuld sind offenbar die in der Sache nicht kompetenten Politiker, vor allem aber die „selbsternannten Plagiatsjäger“. Da es zum Zeitpunkt des Kommentars erst einen dieser Spezies gab, werde damit wohl ich gemeint sein.

Wen bedient dieser Kommentar von Kratky, wen spricht er an? Man lese die Untertöne. Auf einen Schlag wurde mir klar, dass es Kratky und dem FWF gerade nicht darum geht, Plagiate zu verhindern oder zu ahnden, sondern jenen nach dem Maul zu reden, die selbst plagiiert haben und weiter ihre Ruhe haben wollen: von Ex-Wissenschaftsminister Hahn über eine plagiierende UMIT-Rektorin bis zum plagiierenden Vizerektor der Montanuniversität Leoben. Sie alle saßen und sitzen in jenen Gremien, deren einziges Interesse Stillstand und Zudecken ist. Und diversen Politikern Unkenntnis in der Sache vorzuwerfen, lenkt wohl auch nur davon ab, dass einige Universitäten in Sachen Qualitätssicherung auch nicht bis drei zählen können, siehe meine gestrigen Entdeckungen an der Universität Klagenfurt.

Ein Trauerspiel, wie man es in Österreich gewöhnt ist. Obwohl es in Deutschland nicht viel besser ist, findet sich dort zumindest das Thema „gute wissenschaftliche Praxis“ auf der Startseite der DFG. Beim österreichischen Pendant FWF ist nur Gender Chefsache. Grauslich. Die Frage ist und bleibt offen, wie man das System am besten verändern kann. Als Mitläufer von innen sicher nicht.

Ein Gedanke zu „Die „marktschreierische Wichtigtuerei selbsternannter Plagiatsjäger“?

  1. Mick

    Hallo,
    ich habe mich auch schon mal mit der Frage der „guten wissenschaftlichen Praxis“ und österreichischen Referenzen dazu befasst – zumindest auf der Seite der ÖAWI findet man etwas bei den „Richtlinien zur Untersuchung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens“, allerdings mit Verweis auf die Universität Wien, in anderen Quellen wird auf die Denkschrift der DFG verwiesen. Es scheint aber tatsächlich so zu sein, dass es keine eigenständigen Quellen der entspr. Institutionen gibt. By the way, die Gender-Seitenhiebe nerven im Beitrag, das hat doch damit nichts zu tun.

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