Wissenschaftliche Dokumentation zur Dissertation von Dr. Katrin Döveling, IfK der TU Dresden (Teil 1, to be continued)

Frau Vertretungsprofessor Dr. Katrin Döveling hat 2011 ihre Habilitationsschrift fertiggestellt und ist Promotionsbeauftragte des Instituts für Kommunikationswissenschaft. Rezensenten lobten ihre Dissertation Emotionen – Medien – Gemeinschaft durchweg, eine Fachzeitschrift urteilte im Jahr 2007 gar: “Die Arbeit von Döveling besticht in formaler Hinsicht durch akribisches Referieren und Diskutieren der relevanten Forschungsansätze.” Keine Frage – eine Erfolgsstory.

Oder? Ich habe vergangene Woche begonnen, mir die Dissertation nach Zitiertechnik und Quellenkritik genauer anzusehen. Leider musste ich feststellen, dass Frau Döveling an mehreren Stellen ihren Pflichten zur Kennzeichnung und zur Quellenangabe bei wörtlich oder fast wörtlich übernommenen Texten nicht nachgekommen ist. Die 340 Buchseiten starke Dissertation beherbergt 1.664 Fußnoten. Damit sieht auf den ersten Blick alles sehr wissenschaftlich aus. Auf den zweiten Blick verändert sich das Bild, siehe die Liste der bislang gefundenen Übereinstimmungen (mein Dank an Martin Klicken/VroniPlag für zwei weitere Funde; letzter Stand: 6. 11., 11:15). Und es ist erfahrungsgemäß nicht auszuschließen, dass sich das Bild weiter verändern wird.

Mein bisheriger Lieblingssatz aus der Arbeit findet sich auf S. 191: “Hermann J. Pottmeyer […] unterstützt mit seinen Recherchen das hier aufgestellte Argument der Funktion des Papstes als Oberhaupt der Kirche.” (Als ob wir das nicht schon vorher gewusst hätten, dass der Papst kein Messdiener ist.)

Und in einer Präsentation von Frau Döveling fand ich dieses schöne Ratespiel: Wie viele Zitierfehler befinden sich in diesem Zitat?

Quelle: http://www.hwwi.org/fileadmin/hwwi/Veranstaltungen/Workshops/2007/Doeveling_Praesentation.pdf

Ach (Kommunikations-)Wissenschaft, was ist nur aus Dir geworden…

PS: Von Frau Dövelings Anwälten und ihren sechsstelligen Drohsummen lasse ich mich von nun an nicht mehr einschüchtern. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Dissertation von Frau Döveling könnte wohl nur in einer Diktatur verhindert werden, aber nicht in einer offenen Wissenschaft, zu der seit einiger Zeit auch Kritik in Blogs gehört.

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7 Antworten zu “Wissenschaftliche Dokumentation zur Dissertation von Dr. Katrin Döveling, IfK der TU Dresden (Teil 1, to be continued)”

  1. Frank sagt:

    Was werfen Frau Dövelings Anwälte Ihnen denn vor? Verleumdung?

    PS: Zum Ratespiel: 3?

  2. Genauigkeit sagt:

    Herr Weber,

    Sie nehmen es wohl auch nicht so genau? Weder ist Frau Döveling Professorin, noch wurde sie habilitiert. Das entnehme ich zumindest Ihrem Link weiter oben.

    Wen wollen Sie mit dieser Polemik eigentlich noch hinter’m Ofenrohr hervorlocken?

  3. John Doe sagt:

    Hatte mich kurz gewundert, warum der Text zwischenzeitlich vom Blog verschwunden war.
    Zum Ratespiel:
    Ich vermute, dass sich Schenk auf McCombs bezieht, der sinngemäß festhielt, dass Fernsehnachrichten nicht nur Nachrichten mit zusätzlichem Bildmaterial seien. Also ist
    1. Das Zitat falsch wiedergegeben – ich gehe davon aus, dass Schenk das richtig darstellt :-)
    2. Falsch zitiert, weil es heißen müsste: McCombs zitiert nach Schenk – was aber wiederum falsch wäre, wenn Schenk richtig zitiert hat. Außerdem sollte man bei einer Standardquelle wohl auch eher die Primärquelle zitieren :-D
    3. Das kurze Zitat, wenn es denn ein wörtliches wäre, reicht nie und nimmer von S. 444 bis ff. – also mindstens bis S. 446
    4. Wenn das Zitat so als direktes Zitat von Schenk übernommen ist, dann ist das “vgl.” falsch.
    Ich würde daher sagen, dass hier vier Zitierfehler vorliegen, wie dann auch auf S. 60, FN 291 des hier besprochenen Buches ;-)

  4. admin sagt:

    Hallo John Doe,

    bei Schenk (1987, 221 – das wird im Buch vor der Ausgabe von Schenk 2002 mit referenziert) steht:

    “Ein weiteres interessantes Ergebnis, das in dieser Studie zutage kam, ist, daß Nachrichten nicht gleich Nachrichten sind.”

    Zumindest bezogen auf 1987 ist also schon mal das Zitat in Anführungszeichen falsch. Mehr noch: Schenk bezieht sich in seinen Ausführungen hier ausnahmslos auf die Studie BEHR/IYENGAR (1985) über Fernsehnachrichten. Davon, dass dies Schenk selbst hervorhebt, kann also sowieso keine Rede sein, denn er selbst interpretiert ja hier in seinen eigenen Worten die Studie BEHR/IYENGAR. Die Folgesätze bei Schenk 1987 sind, wie ich im Zuge dieser Überprüfung jetzt gesehen habe, dann in der Dissertation auf S. 60 ebenfalls abgeschrieben worden. Allerdings wird der Kontext, die Fernsehnachrichten-Studie, in der Dissertation an keiner Stelle erwähnt.

    Zum Abschreiben gesellt sich also auch noch ganz große Oberflächlichkeit bei der Quellenarbeit.

    PS: Die 2002-er Ausgabe von Schenk habe ich im Moment nur selektiv mit der Google Buchsuche; vielleicht hat sie ja jemand rasch zur Hand.

    LG
    sw

  5. Studentin sagt:

    Die Aussage : “Mein bisheriger Lieblingssatz…” weist leider stark dadrauf hin, dass Sie sehr große Schadenfreude bei Ihrer Arbeit empfinden.
    Ich weiß nicht, wer dieses Bitternis in Ihnen verursacht hat, wünsche Ihnen aber, dass niemand Sie so behandelt, wie sie diese Menschen, gar Ihre Kollegen behandeln.

  6. Briegel sagt:

    Etwas sachlicher könnte Herr Weber schon des öfteren sein. Aber der Umgang von einigen Wissenschaftlern wie z.B. Prof. Donsbach und Prof. Klein mit “sicher nicht unerheblichen Regelverletzungen” (Zitat der IfK-Website, siehe Flurfunk-Blog) sorgt nunmal für Unverständnis bei anderen Wissenschaftlern, so auch bei Herrn Weber. Und dieses Unverständnis sollte eigentlich auch bei den Dresdner Studenten aufkommen. Davon war aber zumindest bei der Dresdner Podiumsdiskussion nichts zu spüren., was schon verwunderlich ist, angesichts der angespannten Situation beim Lehrbetrieb des Instituts. Aber zumindest bei den Formulierungen Herrn Webers in einem Blog sollten Sie da nicht alles auf die Goldwaage legen, wenn schon Professoren die normalen Erwartungen nicht erfüllen.

  7. [...] bei diversen Zitaten auf (wer sich selbst einen Eindruck verschaffen will, lese hier: 1, 2, 3). Seine Funde garniert er mit Sätzen wie: “Und es ist erfahrungsgemäß nicht [...]

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