Mit ‘Wikipedia’ getaggte Artikel

Uni Münster: Ehemaliger Informatik-Professor soll Wikipedia plagiiert haben

Sonntag, 18. Mai 2014

Dies berichtet heute exklusiv die FAZ. Es geht um den Professor in Ruhe Wolfram-M. Lippe. Sein inkriminiertes Sachbuch handelt von der Geschichte der Rechenautomaten und ist 2013 bei Springer Vieweg erschienen – hier ist das Manuskript in einer Erstfassung einzusehen.

Ich begrüße es auf alle Fälle sehr, dass nun – nach jedem neuen Politiker-Plagiatsfall – über jedes neue Sachbuch mit Plagiatsfragmenten in den Massenmedien berichtet wird. In dem gut recherchierten Bericht mit dem launigen Titel “Auch das ist Datenverarbeitung” ist nachzulesen:

“Die Online-Enzyklopädie ‘Wikipedia’ erweist sich als die vorwiegend verwendete, nicht ausgewiesene Quelle. Einfache biographische Schilderungen aus Artikeln zu Konstrukteuren mechanischer Rechenmaschinen, Pioniere der heutigen Informatik wie Jost Bürgi, Wilhelm Schickard oder Giovanni Poleni, finden sich als Versatzstücke wortwörtlich in Lippes Buch wieder.”

Aber auch weitere Webseiten wurden geplündert, wie die FAZ berichtet. Nun stellt sich wieder mal die Frage: War das der liebe Professor i. R. höchstselbst, oder hat er die jüngere Generation für sich “schreiben” lassen? Der FAZ-Artikel fußt auf einer Rezension des Buchs, die mir noch nicht vorliegt.

Experten für Weiterentwicklung einer wirklich tauglichen Plagiatssoftware gesucht

Samstag, 10. Mai 2014

Wie in diesem Blog schon mehrfach erwähnt, beschäftigt sich Ihr werter Plagiatsgutachter nicht nur mit der Plagiatssuche und -gutachtenerstellung im Rahmen von Fremdaufträgen, sondern auch mit der Weiterentwicklung seiner eigenen Plagiatssoftware PlagCheck. Diese Idee wurde ja aus einer Not heraus geboren, weil bisherige Systeme allesamt ihre zum Teil groben Lücken aufweisen und seit ca. einem Jahr das Management von immer komplexer werdenden Textmengen notwendig wurde.

Ich suche ab sofort Programmierer bzw. Experten für Text Mining, Information Retrieval und Computerlinguistik, die an der Weiterentwicklung (m)einer neuartigen Plagiatssoftware mit erweitertem Suchradius und neuen Funktionalitäten mitarbeiten möchten. Bitte um Bewerbungen!

Wie diese Weiterentwicklung genau aussehen soll, kann freilich nur im persönlichen Gespräch verraten werden, weshalb ich mich über Kontaktaufnahmen im Umkreis von Salzburg oder Dresden besonders freuen würde.

Nächster Wikipedia-Textklau, nächste Dissertationsdoublette – alles wie vor Jahren. Oder?

Dienstag, 29. April 2014

Der “Plagiatsjäger” gehört ja zu den paradoxen Berufen: Sein Ziel ist es, dass es ihn nicht mehr geben muss. Aber irgendwie scheint es sich mit dem akademischen Plagiarismus wie mit kriminellen Delikten zu verhalten: Sie sind systemimmanent. Da plagiiert ein Ko-Autor seiten- und kapitelweise aus Wikipedia und zumindest einer weiteren Quelle, und der betroffene C. H. Beck-Verlag schreibt in seiner konstant zweischneidig verfassten Pressemitteilung folgendes:

“Diskutiert werden sollte aber auch der Stellenwert von Wikipedia in der Wissenschaft. Jeder benutzt sie, keiner zitiert sie – das scheint bisher die Devise zu sein.”

Quelle: http://www.spiegel.de/media/media-33664.pdf

Im Klartext: Nicht der Verlag ist schuld, der nach all den öffentlichen Plagiatsdebatten auch bei einem Buch, das Mitte 2013 erschienen ist, immer noch nicht auf die Idee gekommen war, einen routinemäßigen Plagiat-Check durchzuführen (was ist daran eigentlich so schwer?). Sondern wir, die Wissenschaftler sind schuld – die wir doch alle irgendwie aus der Wikipedia abschreiben. C. H. Beck rät, man solle in Wissenschaft und Verlagswesen den “Umgang mit der Online-Enzyklopädie klären”. Das ist eine Frechheit sondergleichen! Die Diskussion, die in der ‘Wikipedistik’ schon vor Jahren, ca. zwischen 2005 und 2008 intensiv geführt wurde, hat zu folgendem Common Sense geführt:

“Da die Wikipedia ein Nachschlagewerk ist, sollte übrigens in einer wissenschaftlichen Arbeit nicht aus ihr zitiert werden.”

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Hilfe:Allgemeine_FAQ#Wie_zitiere_ich_aus_der_Wikipedia.3F

Dass ein großer deutscher Verlag so etwas nicht weiß, zeigt, wie weit man hier schon weg von der (Netz-)Realität ist. – Haben wir eigentlich jemals eine Diskussion darüber geführt, ob man in wissenschaftlichen Qualifikationsschriften oder Sachbüchern aus “Meyers Taschenlexikon” unzitiert abschreiben darf? Oder aus ihm zitieren darf? Konversationslexika dienen nur der Informationsrezeption, aus ihnen ‘darf’ man selbstredend nicht abschreiben, und zitieren kann man aus ihnen sinnvoller Weise auch nur dann, wenn das Zitat selbst (dessen Wortlaut oder Inhalt) textanalytisch zum Gegenstand der Erörterung wird, also auf zweiter Ebene quasi. 1990 war das jedem zwanzigjährigen Studenten klar. Nun, im Jahr 2014, empfiehlt C. H. Beck ernstlich eine Diskussion darüber! Der Verlag sollte sich schämen.

***

Zum zweiten Schauplatz des heutigen Tages: Der Münsteraner Mediziner-Plagiatsschmiede. Hier geht es um eine einmalige Dissertationsdoublette als Spitze des Eisbergs. Ich möchte nicht daran erinnern, dass ich ähnliche Fälle auch aus Klagenfurt, Innsbruck und Regensburg kenne und dokumentiert habe. Was verwundert, ist die ‘harte Gangart’, die dem offenbar blinden Betreuer (das Thema waren die Augen) nunmehr drohen könnte: Eine “mehrjährige Sperre des Gutachters für die Betreuung von Doktorarbeiten” sei eine mögliche Konsequenz, wird der Pressesprecher der medizinischen Fakultät der Universität Münster heute in einem Lokalmedium indirekt zitiert.

Auf gut Deutsch: Gleiche Bezahlung für weniger Arbeit. Obwohl: Viel ändern wird sich für den Betreuer wohl nicht, wenn er andere Doktorarbeiten auch so aufmerksam gelesen hat wie die inkriminierte.

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Was ist da eigentlich los? Wir haben ein Qualitätsproblem, wir haben ein Rekrutierungsproblem, wir haben eine völlige Absenz von Kontrolle und Qualitätssicherung in der Wissenschaft. Wir haben einen Fall nach dem anderen, der dies aufzeigt. Die Fälle sind dieselben wie 2007 oder 2004. Immer wieder weisen Whistleblower wie Ihr werter Plagiatsgutachter, die VroniPlag-Rechercheure oder mutige Einzelaktivisten darauf hin. Nun droht mal wieder dem Aufdecker rechtliches Ungemach. Wer hier juristisch verfolgt werden müsste, sind jedoch die kontrollierenden Instanzen und die Plagiatoren. Wenn es denn einen Kläger gäbe.

mehrjährige Sperre des Gutachters für die Betreuung von DoktorarbeitenNeue Plagiatsvorwürfe in Münster: Mediziner soll große Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben – Münstersche Zeitung – Lesen Sie mehr auf:

http://www.muensterschezeitung.de/staedte/muenster/Neue-Plagiatsvorwuerfe-in-Muenster-Mediziner-soll-grosse-Teile-seiner-Doktorarbeit-abgeschrieben-hab;art993,2346878#plx1666941858

Der Entzug des Doktortitels sowie eine mehrjährige Sperre des Gutachters für die Betreuung von Doktorarbeiten seien aber mögliche Konsequenzen.Neue Plagiatsvorwürfe in Münster: Mediziner soll große Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben – Münstersche Zeitung – Lesen Sie mehr auf:

http://www.muensterschezeitung.de/staedte/muenster/Neue-Plagiatsvorwuerfe-in-Muenster-Mediziner-soll-grosse-Teile-seiner-Doktorarbeit-abgeschrieben-hab;art993,2346878#plx443260588

Der Entzug des Doktortitels sowie eine mehrjährige Sperre des Gutachters für die Betreuung von Doktorarbeiten seien aber mögliche Konsequenzen.Neue Plagiatsvorwürfe in Münster: Mediziner soll große Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben – Münstersche Zeitung – Lesen Sie mehr auf:

http://www.muensterschezeitung.de/staedte/muenster/Neue-Plagiatsvorwuerfe-in-Muenster-Mediziner-soll-grosse-Teile-seiner-Doktorarbeit-abgeschrieben-hab;art993,2346878#plx443260588

Der Entzug des Doktortitels sowie eine mehrjährige Sperre des Gutachters für die Betreuung von Doktorarbeiten seien aber mögliche Konsequenzen.Neue Plagiatsvorwürfe in Münster: Mediziner soll große Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben – Münstersche Zeitung – Lesen Sie mehr auf:

http://www.muensterschezeitung.de/staedte/muenster/Neue-Plagiatsvorwuerfe-in-Muenster-Mediziner-soll-grosse-Teile-seiner-Doktorarbeit-abgeschrieben-hab;art993,2346878#plx443260588

Der Entzug des Doktortitels sowie eine mehrjährige Sperre des Gutachters für die Betreuung von Doktorarbeiten seien aber mögliche Konsequenzen.Neue Plagiatsvorwürfe in Münster: Mediziner soll große Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben – Münstersche Zeitung – Lesen Sie mehr auf:

http://www.muensterschezeitung.de/staedte/muenster/Neue-Plagiatsvorwuerfe-in-Muenster-Mediziner-soll-grosse-Teile-seiner-Doktorarbeit-abgeschrieben-hab;art993,2346878#plx443260588

Bald 100 wissenschaftliche Werke mit Plagiatsfragmenten im VroniPlag Wiki?

Freitag, 04. April 2014

Die neuesten Fälle auf VroniPlag zeigen einmal mehr: Das Plagiat im “Theorie”teil medizinischer Dissertationen erfreut sich bester Gesundheit. So wie die Juristen häufig Gesetzestexte ab- und leicht umschreiben (was die Zunft bekanntermaßen nicht als Plagiat wertet), werden die Mediziner bald darauf pochen, dass der Stand der Forschung in ihrer Disziplin gar nicht anders darzustellen sei als durch Plagiat. Besonders befremdlich sind hier plagiatsinfizierte Dissertationen, die nach der Guttenberg-Affäre angenommen wurden, wie etwa diese. Und immer wieder fragt man sich: Haben die doppelten Anführungszeichen, diese glorreiche Erfindung der Menschheit aus spätestens dem 15. Jahrhundert, diese Ignoranz wirklich verdient?

Was gibt es sonst noch Neues?

* Die Weimarer Plagiatserkennungs- und Stilometrie-Forschungsgruppe bietet ein kostenloses Tool (“Picapedia”) an, mit dem Texte mit der Wikipedia abgeglichen werden können. (In eigener Sache: Als zusätzlichen Service bietet Ihr werter Plagiatsgutachter an, diesen Abgleich auch mit älteren Wikipedia-Versionen durchzuführen.)

* Kollegin Debora Weber-Wulff hat ein wichtiges Buch geschrieben, in dem erstmals das Vorgehen von VroniPlag und gegenwärtige Methoden der Plagiatserkennung, aber auch etwa historische Plagiatsfälle aus der Wissenschaft kompakt dargestellt werden. Besonders beim Fall Elisabeth Ströker stockt einem der Atem, wie sich gewisse Reflexe in der Wissenschaft wiederholen. Anstelle einer Rezension zwei Sätze aus dem Buch (von vielen wichtigen) als Zitate:

“Rescinding a doctorate is, of course, an entirely different question than just deciding if a dissertation is a plagiarism or not.” (S. 53)

“There is no method for proving the absence of plagiarism.” (S. 113)

(Debora Weber-Wulff: False Feathers. A Perspective on Academic Plagiarism. Berlin/Heidelberg: Springer, 2014)

Der Wikinepp in Uni-Bibliotheken geht munter weiter

Dienstag, 19. Juli 2011

Die taz widmet sich einem neuen/alten Thema, auf das unter anderem auch in diesem Blog erstmals hingewiesen wurde: den dubiosen Verlagspraxen von VDM. Geschäftsidee des Verlegers ist es, möglichst viele Books-on-Demand anzubieten, wobei in einigen VDM-Subverlagen ausnahmslos Wikipedia-Artikel auf mitunter beliebig anmutende und unredigierte Weise kompiliert werden – und das für teures Geld. Als Herausgeber fungieren fiktive Autoren. Mir steht es nicht zu, die Sache rechtlich zu beurteilen, wiewohl mich wundert, dass Wikipedia und Amazon das so dulden.
Was mich allerdings erstaunt, sind zwei Dinge:
1) VDM publiziert auch Dissertationen. Man darf hoffen/erwarten, dass einige von ihnen plagiatsfrei sind ;-). Warum dulden es die redlichen VDM-Autoren, dass “ihr” Verlag mit zahllosen dubiosen bis sinnlosen Buchtiteln Geld machen will? Wo bleibt da der Protest der ehrlichen Promovierten gegen eine solche Verwässerung?
2) Wie ist es möglich, dass immer noch Bibliothekare auf Titeln von Alphascript, Betascript und Fastbook (so die Subverlage) hereinfallen? Im November 2010, als ich die Geschichte hier im Blog aufbrachte, zählte ich im Karlsruher Virtuellen Katalog ca. 360 Titel der genannten VDM-Subverlage. Heute zähle ich 530. Wie sollen Studierende aus diesen Werken “zitieren”? Auch das macht die Wissenskultur kaputt: Man stelle sich ein Wikipedia-Buch in einer Literaturliste vor, wobei unreflektiert der fiktive Autorenname übernommen wurde.
Und das alles, obwohl jeder, der wirklich unbedingt ein Buch aus Wikipedia-Artikeln haben möchte (sowieso eine bescheuerte Idee), dies auch mit dem Buchgenerator auf Wikipedia erledigen kann… Die Welt möchte betrogen werden, offenbar nicht nur zahlreiche Dissertationsbetreuer, sondern auch gar nicht wenige Bibliothekare.