Mit ‘VroniPlag’ getaggte Artikel

Zensur im VroniPlag Wiki: Verletzt eine Plagiatsdokumentation das Copyright?

Freitag, 04. Juli 2014

Plagiat Copyright VroniPlag Wiki

Quelle: http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Home (zum Vergrößern bitte Anklicken)

Erstmals in der Geschichte des VroniPlag Wiki hat ein des Plagiats in seiner Dissertation beschuldigter Mediziner anwaltlich erwirkt, dass die Dokumentation der Text-Konkordanzen zwischen seiner Dissertation und unzitierten Originalen vom Netz genommen werden musste. Der Münsteraner Dissertationsskandal ist damit um eine Facette reicher, und die Plagiatsenthüllung wohl um eine neue juristische Dimension.

Juristischer Klärungsbedarf ist dringend gegeben, und es wird sehr spannend werden, wie die Sache ausgehen wird. Sollten Plagiatsdokumentationen in Wikis in die Urheberrechte eines Autors = Plagiators eingreifen (eine schöne Paradoxie), könnte das Beispiel Schule machen und dutzende weitere im VroniPlag Wiki dokumentierte Fälle könnten folgen.

Der Schuss könnte aber auch nach hinten losgehen: Dr. Sandro Lorenz hat womöglich schon bald mehr massenmediale Aufmerksamkeit, als er ohne juristische Intervention bekommen hätte.

Auf jeden Fall erscheint die Vorgangsweise aus der Sicht des findigen Anwalts nachvollziehbar: Im VroniPlag Wiki-Impressum steht folgendes: “Beitreiber [sic!] der Plattform ist Wikia.” Auf der Wikia-Webseite ist zu lesen:

Wikia Urheberrecht Verletzung

Quelle: http://de.wikia.com/%C3%9Cber_Wikia

Und hier beruft sich der Anwalt auf den (umstrittenen) “Digital Millennium Copyright Act” der USA. Auf diesen juristischen Schachzug ist offenbar bislang noch niemand gekommen. Allerdings stehen diesem Act Fair-Use-Bestimmungen gegenüber. Im deutschsprachigen Recht wären die VroniPlag-Dokumentationen jedenfalls als so genannte Großzitate urheberrechtlich gedeckt und nicht zu beanstanden.

Übrigens: Je mehr jemand plagiiert hat, desto mehr wird dessen Urheberrecht durch eine Plagiatsdokumentation verletzt? Da kann etwas nicht stimmen.

Nächste Revolution nach Plagiatswikis: Deep-Web-Plagiatssuchmaschine kommt

Samstag, 31. Mai 2014

“‘Wir wenden zurzeit ein Verfahren an, das alle Dissertationen einer Hochschule miteinander vergleicht’, sagt Plagiatsexpertin Debora Weber-Wulff, Professorin für Informatik an der Hochschule für Technik und Wissenschaft Berlin. 4000 Charité-Promotionen hat das Netzwerk laut Weber-Wulff auf seinen Rechnern gespeichert, die nun erst digital, dann händisch abgeglichen werden sollen. Eine weitere Dissertation, ebenfalls an der Charité mit dem Dr. gekrönt, enthalte auf mehr als der Hälfte der Seiten nicht kenntlich gemachtes fremdes Gedankengut. ‘Wir haben einige Arbeiten an der Charité als verdächtig eingestuft, nun werden sie von unserem Team in ehrenamtlicher Tätigkeit manuell überprüft’, sagt Weber-Wulff.”

Quelle: Spiegel Online

Es kündigt sich eine technologische Revolution an, die für eine neue Dimension der Transparenz sorgen und Plagiarismus zukünftig erschweren wird: Der erste Schritt war die Erfindung des Plagiatswikis und des Barcodes zur Visualisierung von Plagiatsintensität. Nur noch Ewiggestrige nennen das “Pranger”. Immer deutlicher zeigt sich der immense Wert dieser Rekonstruktionen und Veröffentlichungen für die Wissenschaft.

Nun kündigt sich der zweite Schritt an: Längst liegen tausende Volltexte von Dissertationen auf Hochschulservern brach und werden nicht intrinsisch miteinander verglichen – ein unhaltbarer Zustand. Keine Web-Suchmaschine und auch derzeit keine Plagiatssoftware kommen verlässlich an alle PDF-Files ran. Nun zeigen Debora Weber-Wulff & Co., dass es einer intrinsischen Textkorpus-Suchmaschine bedarf, um Plagiarismus in Hochschulschriften untereinander aufzudecken, aber auch, um intrinsische Plagiatsfragmente zu identifizieren, die auf extrinsische Quellen hinweisen. Die Fragestellung und Arbeitslogik dieser Suchmaschine ist eine andere als die bei der Google Websuche – mit Glück könnte hier also etwas ganz Neues geboren werden.

Bleibt das Problem zu lösen, wie man die Google Buchsuche systematisch auf Plagiatsquellen durchforsten kann. Ihr werter Plagiatsgutachter hat wiederholt hier im Blog darauf hingewiesen. Ein Suchexperte sagte mir: Hier muss man Google hacken. Na dann mal los! Google selbst ist offenbar an dem möglichen Geschäftsmodell Plagiatssuchmaschine nicht interessiert. Warum öffnet die Bayerische Staatsbibliothek nicht ihren digitalen Fundus für die Plagiatsdetektion?

Die Charité zeigt sich an der VroniPlag-Software indes bereits interessiert, berichtete der Spiegel gestern. Nun müssen auch die großen Bibliotheken und vor allem die DNB für diese Innovation gewonnen werden. Zu verdanken haben wir das softwaretechnisch übrigens alles dem Holländer Dick Grune und seinem SIM_Text Similarity Tester. Er hat im Jahr 1989 wohl kaum abschätzen können, dass er mit seinem Paper “Het detecteren van kopieën bij informatica-practica” einmal zum Vater der Plagiatssuchmaschinen wird. – Nebenbemerkung: Auch die Software Ihres werten Plagiatsgutachters basiert auf SIM_Text.

Bald 100 wissenschaftliche Werke mit Plagiatsfragmenten im VroniPlag Wiki?

Freitag, 04. April 2014

Die neuesten Fälle auf VroniPlag zeigen einmal mehr: Das Plagiat im “Theorie”teil medizinischer Dissertationen erfreut sich bester Gesundheit. So wie die Juristen häufig Gesetzestexte ab- und leicht umschreiben (was die Zunft bekanntermaßen nicht als Plagiat wertet), werden die Mediziner bald darauf pochen, dass der Stand der Forschung in ihrer Disziplin gar nicht anders darzustellen sei als durch Plagiat. Besonders befremdlich sind hier plagiatsinfizierte Dissertationen, die nach der Guttenberg-Affäre angenommen wurden, wie etwa diese. Und immer wieder fragt man sich: Haben die doppelten Anführungszeichen, diese glorreiche Erfindung der Menschheit aus spätestens dem 15. Jahrhundert, diese Ignoranz wirklich verdient?

Was gibt es sonst noch Neues?

* Die Weimarer Plagiatserkennungs- und Stilometrie-Forschungsgruppe bietet ein kostenloses Tool (“Picapedia”) an, mit dem Texte mit der Wikipedia abgeglichen werden können. (In eigener Sache: Als zusätzlichen Service bietet Ihr werter Plagiatsgutachter an, diesen Abgleich auch mit älteren Wikipedia-Versionen durchzuführen.)

* Kollegin Debora Weber-Wulff hat ein wichtiges Buch geschrieben, in dem erstmals das Vorgehen von VroniPlag und gegenwärtige Methoden der Plagiatserkennung, aber auch etwa historische Plagiatsfälle aus der Wissenschaft kompakt dargestellt werden. Besonders beim Fall Elisabeth Ströker stockt einem der Atem, wie sich gewisse Reflexe in der Wissenschaft wiederholen. Anstelle einer Rezension zwei Sätze aus dem Buch (von vielen wichtigen) als Zitate:

“Rescinding a doctorate is, of course, an entirely different question than just deciding if a dissertation is a plagiarism or not.” (S. 53)

“There is no method for proving the absence of plagiarism.” (S. 113)

(Debora Weber-Wulff: False Feathers. A Perspective on Academic Plagiarism. Berlin/Heidelberg: Springer, 2014)

Konsequenzen aus dem Fall Schavan

Mittwoch, 06. Februar 2013

Annette Schavan wird offenbar nicht nur von weiten Teilen der Opposition geliebt, sondern auch von den bundesdeutschen Massenmedien. Jüngere und ältere Journalisten der führenden Blätter kommentieren heute einhellig, dass der Titelentzug “falsch” bzw. “nicht richtig” sei oder Schavan “bloß nicht zurücktreten” solle. Noch heute Nacht war zu lesen, es gelte nach wie vor “bis zur endgültigen Klärung die Unschuldsvermutung“.

Mag sein, dass einige Journalisten tatsächlich ein Naheverhältnis zur Politikerin haben. Mag sein, dass andere bereits selbst der jüngeren Copy & Paste-Generation angehören und einige ältere ihre Qualifikationsschriften selbst im Modus Schavan verfasst haben. Mag aber vor allem sein, dass Journalismus halt so funktioniert, dass die Massenmedien eben jetzt einen neuen ‘Dreh’ brauchen. Guttenberg war in der Bevölkerung sehr beliebt, aber Qualitätsmedien waren ihm gegenüber immer kritisch eingestellt. Bei Schavan scheint es eher umgekehrt zu sein: Sie wird vor allem von der Qualitätspresse geliebt, von der Süddeutschen bis zur FAZ. Nun erscheint sie als Opfer universitärer Willkür.

Viel entscheidender erscheint mir jedoch das Kommunikationsversagen der Wissenschaft: Es ist ihr, so auch gestern abend bei der ‘Urteilsverkündigung’, überhaupt nicht gelungen, zu vermitteln, was ein Plagiat ist und warum das simulatorische Vorgehen von Frau Schavan, wenn es geduldet werden würde, den Wissenschaftsbetrieb früher oder später kaputt machen würde (genauer: in den vergangenen Jahren zu Teilen bereits ruiniert hat!). Zudem erlangen so laufend Menschen den Doktorgrad, die grundlegende Kompetenzen wie genaues Lesen, Zitieren, Kommentieren und Bewerten nicht beherrschen. Hat Schavan ähnliche “Flüchtigkeitsfehler” bei der Entscheidung über und Vergabe von Forschungsmillionen begangen? Letztlich züchten wir uns eine intellektuelle Kultur des Als-Ob heran, in der der Schein dominiert und die Substanz sukzessive verschwindet. Die Universität Düsseldorf hat sich gestern für einen wissenschaftsgeschichtlich bedeutenden Befreiungsschlag in die richtige Richtung entschieden.

In den Massenmedien werden wir vielleicht eher über Schavans Mutter lesen oder womöglich krude Thesen hören wie jene, dass die Universität Düsseldorf den Wissenschafts- und Forschungsstandort Deutschland mit dieser Entscheidung weltweit beschädigt und Deutschland schweren ökonomischen Schaden zugefügt habe.

Eigentlich sollten wir uns jetzt um ganz andere Dinge kümmern: Wir brauchen einheitliche Verfahren im Umgang mit Plagiatsvorwürfen, zuerst deutschlandweit, dann EU-weit. Die USA ist hier in fast allen Belangen viel weiter. Es kann nicht sein, dass eine Universität ein Plagiat nach 33 Jahren (korrekt) ahndet, andere Universitäten aber (inkorrekt) akademische Grade bei quantitativ noch umfassenderen und noch deutlicheren Plagiaten nicht entziehen und sogar paradoxe Auflagen erteilen wie etwa jene, eine plagiierte “Dissertation unverändert, aber mit korrekter Zitierweise vorzulegen”. Das macht den Wissenschaftsstandort Deutschland lächerlich und ist im Übrigen – im Gegensatz zur Schavan-Entscheidung – tatsächlich juristisch unhaltbar.

Wir brauchen weiter dringend ein deutschlandweites Institut zur Qualitätssicherung wissenschaftlicher Qualifikationsschriften. Dieses sollte nicht nur als “Kontrollbehörde” oder “Letztinstanz” fungieren, sondern selbst Forschung betreiben. Internationale Beispiele dafür gibt es einige, wie etwa das International Center for Academic Integrity. Es geht nicht an, dass irgendwelche ergrauten Emeriti unwissenschaftliche Thesen über einen angeblich korrekten Umgang mit laxen Zitaten und Plagiaten verbreiten können, während die Lehrbuchliteratur aus dem fraglichen Zeitraum etwas ganz anderes sagt (siehe mittlerweile auch das “berühmte” Beweisstück). Auch das macht die Wissenschaft lächerlich.

Und wir brauchen an jeder Universität einen “Plagiatsbeauftragten“. Erfolgreiche Pilotversuche wie die “Freiwillige Plagiatskontrolle” an der PH Freiburg können als Referenzprojekte dienen. Es ist auch ein unhaltbarer Zustand, dass ein aus Lehrenden bestehender Promotionsausschuss die mühsame Plagiatsdetektion und Quellenrekonstruktion neben der eigentlichen Arbeit, oft als eine Art abendliches Hobby mit Suchtpotenzial, erledigen muss. Wenn es Stellen für Gender-Mainstreaming gibt, sollten sich Universitäten auch Plagiatsbeauftragte leisten können.

Auf VroniPlag taucht eine plagiierte Doktorarbeit nach der anderen auf: von Anwälten, Ärzten, Wissenschaftlern, Politikern. Das wird nicht aufhören. Irgendwann werden wir bei der Zahl 100 angekommen sein. Der neue Bildungsminister wird handeln müssen. In oben skizziertem Sinne.

Entscheidender Fehler von VroniPlag

Donnerstag, 03. Mai 2012

Viele Universitäten haben wohl darauf gewartet, dass die VroniPlag-Aktivisten genau in diese Falle tappen: Sie bezeichnen eine noch nicht fertig recherchierte Arbeit als “Grenzfall“, machen damit einen bedeutenden ontologischen Fehler und wischen einen völlig zu Recht erhobenen Plagiatsvorwurf vom Tisch. Die Dissertation von Schavan ist aber, wenn man sich nur die Unterlagen auf schavanplag genau ansieht, längst kein “Grenzfall” mehr. Vielleicht war sie einmal auf VroniPlag als “Grenzfall” präsent, zu einem gewissen Stand der Recherche, aber das spielt doch keine Rolle mehr. Es wurde genau so abgeschrieben und es wurden genau so die Spuren verwischt wie bei Mathiopoulos. Wer das nicht sieht, ist betriebsblind und versperrt sich vor der Wahrheit.

Bislang wurden die VroniPlag-Aktivisten, allen voran Debora Weber-Wulff, zu Recht nicht müde, uns zu erklären, dass es irrelevant ist, wer die Anschuldigungen erhoben hat, solange diese anhand der Literatur objektiv überprüfbar sind. Nun stimmen sie aber, allen voran Debora Weber-Wulff, ein in den Kanon rund um die ominöse Urheberschaft von schavanplag. Ist es nicht auch völllig irrelevant, wer dieses Blog ins Leben gerufen und die ungemein mühsame Recherchearbeit erledigt hat?

Es wird nun leider mit zweierlei Maß gemessen. Und die bundesdeutschen Journalisten machen mit: Fest steht die Vorverurteilung, die Stellen seien keine ‘echten’ Plagiate. Fest zu stehen scheint auch, dass es sich um irgend eine Anschwärz-Aktion handelt. In einem Blog wird sogar ein Plagiatsvorwurf gegen schavanplag erhoben, weil dort Rechercherergebnisse von VroniPlag verwendet wurden. Es sind dies Absurditäten und historische Irrtümer.

Und es kann nicht sein, dass in Deutschland Plagiatsfälle nur dann noch als solche wahrgenommen werden, wenn sie auf VroniPlag erscheinen, so ungemein verdienstvoll und wichtig diese Plattform auch ist und hoffentlich weiter sein wird. Im Fall Schavan aber hat sie bzw. hat ihr Mehrheitsprinzip komplett versagt. Das sollten sich die Aktivisten nun eindeutig eingestehen und nicht selbst beginnen, glasklare Plagiate zu verharmlosen.