Mit ‘VroniPlag’ getaggte Artikel

Konsequenzen aus dem Fall Schavan

Mittwoch, 06. Februar 2013

Annette Schavan wird offenbar nicht nur von weiten Teilen der Opposition geliebt, sondern auch von den bundesdeutschen Massenmedien. Jüngere und ältere Journalisten der führenden Blätter kommentieren heute einhellig, dass der Titelentzug “falsch” bzw. “nicht richtig” sei oder Schavan “bloß nicht zurücktreten” solle. Noch heute Nacht war zu lesen, es gelte nach wie vor “bis zur endgültigen Klärung die Unschuldsvermutung“.

Mag sein, dass einige Journalisten tatsächlich ein Naheverhältnis zur Politikerin haben. Mag sein, dass andere bereits selbst der jüngeren Copy & Paste-Generation angehören und einige ältere ihre Qualifikationsschriften selbst im Modus Schavan verfasst haben. Mag aber vor allem sein, dass Journalismus halt so funktioniert, dass die Massenmedien eben jetzt einen neuen ‘Dreh’ brauchen. Guttenberg war in der Bevölkerung sehr beliebt, aber Qualitätsmedien waren ihm gegenüber immer kritisch eingestellt. Bei Schavan scheint es eher umgekehrt zu sein: Sie wird vor allem von der Qualitätspresse geliebt, von der Süddeutschen bis zur FAZ. Nun erscheint sie als Opfer universitärer Willkür.

Viel entscheidender erscheint mir jedoch das Kommunikationsversagen der Wissenschaft: Es ist ihr, so auch gestern abend bei der ‘Urteilsverkündigung’, überhaupt nicht gelungen, zu vermitteln, was ein Plagiat ist und warum das simulatorische Vorgehen von Frau Schavan, wenn es geduldet werden würde, den Wissenschaftsbetrieb früher oder später kaputt machen würde (genauer: in den vergangenen Jahren zu Teilen bereits ruiniert hat!). Zudem erlangen so laufend Menschen den Doktorgrad, die grundlegende Kompetenzen wie genaues Lesen, Zitieren, Kommentieren und Bewerten nicht beherrschen. Hat Schavan ähnliche “Flüchtigkeitsfehler” bei der Entscheidung über und Vergabe von Forschungsmillionen begangen? Letztlich züchten wir uns eine intellektuelle Kultur des Als-Ob heran, in der der Schein dominiert und die Substanz sukzessive verschwindet. Die Universität Düsseldorf hat sich gestern für einen wissenschaftsgeschichtlich bedeutenden Befreiungsschlag in die richtige Richtung entschieden.

In den Massenmedien werden wir vielleicht eher über Schavans Mutter lesen oder womöglich krude Thesen hören wie jene, dass die Universität Düsseldorf den Wissenschafts- und Forschungsstandort Deutschland mit dieser Entscheidung weltweit beschädigt und Deutschland schweren ökonomischen Schaden zugefügt habe.

Eigentlich sollten wir uns jetzt um ganz andere Dinge kümmern: Wir brauchen einheitliche Verfahren im Umgang mit Plagiatsvorwürfen, zuerst deutschlandweit, dann EU-weit. Die USA ist hier in fast allen Belangen viel weiter. Es kann nicht sein, dass eine Universität ein Plagiat nach 33 Jahren (korrekt) ahndet, andere Universitäten aber (inkorrekt) akademische Grade bei quantitativ noch umfassenderen und noch deutlicheren Plagiaten nicht entziehen und sogar paradoxe Auflagen erteilen wie etwa jene, eine plagiierte “Dissertation unverändert, aber mit korrekter Zitierweise vorzulegen”. Das macht den Wissenschaftsstandort Deutschland lächerlich und ist im Übrigen – im Gegensatz zur Schavan-Entscheidung – tatsächlich juristisch unhaltbar.

Wir brauchen weiter dringend ein deutschlandweites Institut zur Qualitätssicherung wissenschaftlicher Qualifikationsschriften. Dieses sollte nicht nur als “Kontrollbehörde” oder “Letztinstanz” fungieren, sondern selbst Forschung betreiben. Internationale Beispiele dafür gibt es einige, wie etwa das International Center for Academic Integrity. Es geht nicht an, dass irgendwelche ergrauten Emeriti unwissenschaftliche Thesen über einen angeblich korrekten Umgang mit laxen Zitaten und Plagiaten verbreiten können, während die Lehrbuchliteratur aus dem fraglichen Zeitraum etwas ganz anderes sagt (siehe mittlerweile auch das “berühmte” Beweisstück). Auch das macht die Wissenschaft lächerlich.

Und wir brauchen an jeder Universität einen “Plagiatsbeauftragten“. Erfolgreiche Pilotversuche wie die “Freiwillige Plagiatskontrolle” an der PH Freiburg können als Referenzprojekte dienen. Es ist auch ein unhaltbarer Zustand, dass ein aus Lehrenden bestehender Promotionsausschuss die mühsame Plagiatsdetektion und Quellenrekonstruktion neben der eigentlichen Arbeit, oft als eine Art abendliches Hobby mit Suchtpotenzial, erledigen muss. Wenn es Stellen für Gender-Mainstreaming gibt, sollten sich Universitäten auch Plagiatsbeauftragte leisten können.

Auf VroniPlag taucht eine plagiierte Doktorarbeit nach der anderen auf: von Anwälten, Ärzten, Wissenschaftlern, Politikern. Das wird nicht aufhören. Irgendwann werden wir bei der Zahl 100 angekommen sein. Der neue Bildungsminister wird handeln müssen. In oben skizziertem Sinne.

Exzellenz an der TU Dresden: Juniorprofessorin schrieb in ihrer Dissertation auch üppig aus der Wikipedia ab

Samstag, 07. Juli 2012

Der von VroniPlag aufgedeckte jüngste Skandal an der Universität Münster und vor allem die unglaubliche professorale Verlogenheit haben mich ermutigt, mal wieder im eigenen Umfeld nachzugucken. Und siehe da: PlagScan-Analyse und -Auswertung dauerten diesmal nur wenige Stunden. Dass die Dame auf jener Stelle sitzt, zu deren Erstausschreibung ich das Konzept entworfen habe und deren Zustandekommen ich erst eingefädelt habe, tut hier nichts zur Sache. Der Plagiatsvorwurf ist objektivierbar. Wie ich in einem Kommentar auf VroniPlag vorgestern schrieb: “Die Blender können von jenen, die an der Sache wirklich interessiert wird, vom System selbst nicht (mehr) unterschieden werden.” Man mag mir bei der neuen Aufdeckung wieder mal Aktivismus in eigener Sache vorwerfen. Doch – neben meinen bezahlten Gutachten – tue ich nichts anderes, als das unmittelbare Umfeld ‘meiner’ scientific community auf wissenschaftliche Redlichkeit zu untersuchen – und das zuletzt nur noch sehr sporadisch, da die Bezahlaufträge alle Zeit und Kraft kosten. Und ich entdecke seit Jahren immer wieder Abgründe der Textkultur, gegen die nichts unternommen wird. Im Gegenteil: Abschreiber machen “Karriere”, werden berufen und erhalten durch die öffentliche und/oder private Hand mitunter hohe Gehälter. Wann kommt endlich der große Aufschrei der ehrlichen Wissenschaftler?

Hier ein PDF der bisher gefundenen Übereinstimmungen im neuen Fall an der TU Dresden. Die digitale Analyse basiert zunächst auf den ersten hundert Seiten der Arbeit. Die Ergebnisse sprechen schon für sich.

Entscheidender Fehler von VroniPlag

Donnerstag, 03. Mai 2012

Viele Universitäten haben wohl darauf gewartet, dass die VroniPlag-Aktivisten genau in diese Falle tappen: Sie bezeichnen eine noch nicht fertig recherchierte Arbeit als “Grenzfall“, machen damit einen bedeutenden ontologischen Fehler und wischen einen völlig zu Recht erhobenen Plagiatsvorwurf vom Tisch. Die Dissertation von Schavan ist aber, wenn man sich nur die Unterlagen auf schavanplag genau ansieht, längst kein “Grenzfall” mehr. Vielleicht war sie einmal auf VroniPlag als “Grenzfall” präsent, zu einem gewissen Stand der Recherche, aber das spielt doch keine Rolle mehr. Es wurde genau so abgeschrieben und es wurden genau so die Spuren verwischt wie bei Mathiopoulos. Wer das nicht sieht, ist betriebsblind und versperrt sich vor der Wahrheit.

Bislang wurden die VroniPlag-Aktivisten, allen voran Debora Weber-Wulff, zu Recht nicht müde, uns zu erklären, dass es irrelevant ist, wer die Anschuldigungen erhoben hat, solange diese anhand der Literatur objektiv überprüfbar sind. Nun stimmen sie aber, allen voran Debora Weber-Wulff, ein in den Kanon rund um die ominöse Urheberschaft von schavanplag. Ist es nicht auch völllig irrelevant, wer dieses Blog ins Leben gerufen und die ungemein mühsame Recherchearbeit erledigt hat?

Es wird nun leider mit zweierlei Maß gemessen. Und die bundesdeutschen Journalisten machen mit: Fest steht die Vorverurteilung, die Stellen seien keine ‘echten’ Plagiate. Fest zu stehen scheint auch, dass es sich um irgend eine Anschwärz-Aktion handelt. In einem Blog wird sogar ein Plagiatsvorwurf gegen schavanplag erhoben, weil dort Rechercherergebnisse von VroniPlag verwendet wurden. Es sind dies Absurditäten und historische Irrtümer.

Und es kann nicht sein, dass in Deutschland Plagiatsfälle nur dann noch als solche wahrgenommen werden, wenn sie auf VroniPlag erscheinen, so ungemein verdienstvoll und wichtig diese Plattform auch ist und hoffentlich weiter sein wird. Im Fall Schavan aber hat sie bzw. hat ihr Mehrheitsprinzip komplett versagt. Das sollten sich die Aktivisten nun eindeutig eingestehen und nicht selbst beginnen, glasklare Plagiate zu verharmlosen.

Integritätsagentur erkennt Plagiat – Universität erkennt nichts (ab)

Donnerstag, 05. April 2012

Ihr werter Plagiatsgutachter hat eine Zeitlang geschwiegen, ist er doch derzeit in der Privatindustrie tätig und müssen im Moment auch noch so spannende Fälle liegen bleiben. Von Hinweisen, dass ein parfümierter Autor doch abgeschrieben haben soll, über seltsam paraphrasierende hohe kirchliche Würdenträger bis zu (wieder mal) österreichischen Spitzenpolitikerinnen und -politikern reicht im Moment die Überprüfungspipeline. Vor Sommer ist allerdings mit keinen konkreten Ergebnissen zu rechnen, da mich eine andere Tätigkeit voll bindet.

Ich beobachte aber ungebrochen die Aktivitäten von VroniPlag, VroniPlagNeu, Frau Weber-Wulff und vielen Bloggern, die immer wieder Spannendes beitragen. Ganz im Gegensatz zu den Universitäten, wo das Watzlawicksche “More of the same” zu gelten scheint. Und so komme ich, den journalistischen Handwerksregeln widersprechend, endlich zur Überschrift dieses Blogbeitrags. Eine Agentur für wissenschaftliche Integrität erkennt ein Plagiat, die Uni indes im Plagiat keine Täuschung (gibt es das denn?) und sie lässt dem Plagiator den Doktorgrad.  Wo so etwas passiert? Nein, nicht in Deutschland. Nicht einmal in Ungarn. Halt wieder einmal in Österreich, und alle Wege führen dort einmal mehr ins schöne Tirolerland. Dort hat man ganz eigene Auffassungen, und die müssen sich auch nicht mit den Erkenntnissen des österreichischen Verwaltungsgerichtshofs decken. Aber alles kurz der Reihe nach erzählt:

Die Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität (ÖAWI) hat vor wenigen Tagen ihren kurzen Jahresbericht für 2011 vorgelegt. Auf Seite 6 schildert sie folgenden Fall:

“Fall 2011/01: Bei dieser Anfrage ging es um eine Dissertation, die vom Hinweisgeber als Plagiat bezeichnet wurde. Die Kommission überprüfte alle zur Verfügung stehenden Unterlagen und beauftragte zusätzlich einen unabhängigen Fachgutachter. Die Untersuchungen führten zu folgendem Ergebnis: Der Fachgutachter bestätigte, dass es sich um ein Plagiat handelt. In der Dissertation wurden fremde Texte in einem solchen Umfang ohne Angabe von Zitaten übernommen, dass die Grundsätze der guten wissenschaftlichen Praxis eindeutig verletzt wurden. Dies wurde dem Beschuldigten und der Universität, an der die Arbeit approbiert wurde, in einer abschließenden Stellungnahme mitgeteilt. Die Universität leitete kein Aberkennungsverfahren ein, da sie keine Täuschungsabsicht erkennen konnte.”

Quelle: Jahresbericht der ÖAWI 2011

Auch andere Fälle wie Hahn sind anonymisiert dargestellt. Was sich die Agentur beim Herrn von “Fall 2011/01″ noch getraut hat, wagte sie offenbar kein zweites Mal. Und so wird einem beim Lesen der weiteren Fälle schnell klar, ÖAWI steht auch für “Österreichische Anti-Wahrheits-Initiative”.

Man muss sich “Fall 2011/01″ auf der Zunge zergehen lassen: “in einem solchen Umfang”…”eindeutig verletzt”. Aber das ist in Innsbruck alles egal, und so wird es wohl auch bei Dominic Stoiber ausgehen. Gut, dass der “Fall 2011/01″ zumindest im Netz dokumentiert ist. Mehr kann man, wenn Universitäten durch und durch verlogen sind, eigentlich nicht erreichen.

Mainzer Herzchirurgin unter Plagiatsverdacht

Samstag, 23. Juli 2011

Nach einer Führungskraft im öffentlichen Dienst (siehe Leipziger Amtsleiter) nun also auch noch die Medizin: Eine Mainzer Herzchirurgin steht massiv unter Plagiatsverdacht, siehe hier und hier. Unter anderem soll sie aus der Habilitationsschrift ihres eigenen Doktorvaters großflächig unzitiert abgeschrieben haben, der das “durchgehen” ließ (oder wieder mal: nie gelesen hat). Die heutige Oberärztin hat auch eine Funktion im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie. Ihr Doktorvater (und Klinikdirektor) lobte sie erst jüngst in einer Presseaussendung für ihre Verdienste um die “grundlagenwissenschaftliche Forschung”. Es ist ein Wahnsinn. Der Fall wurde diesmal auf PlagiPedi ins Rollen gebracht und wird derzeit auf VroniPlag diskutiert, wo man auch erschreckend eindeutige Vergleichsscreenshots ansehen kann. Dass Leute, die offensichtlich keine Skrupel hatten, zu plagiieren, tagtäglich Menschen operieren und somit über Leben und Tod entscheiden, gibt dem ganzen Skandal noch einmal eine neue Dimension.

Leipziger Amtsleiter unter Plagiatsverdacht

Samstag, 23. Juli 2011


Aus der Dissertation. Der Hinweis auf das Plagiat wurde hier in der Fußnote selbst gegeben. Keine optische Hervorhebung der übernommenen Passagen im Fließtext. Der Skandal ist hier auch: Jeder Betreuer müsste sofort sehen, dass es so eine Zitierweise nicht gibt. Die Nicht-Kennzeichnung wörtlich übernommener Stellen ist ein non licet.

Er gilt als “‘Mehrkämpfer in Sachen Kinder-, Jugend- und Familienhilfe’ in Deutschland”. Nun könnte ihm ein Kampf an einem ganz anderen Schauplatz, nämlich um seinen Doktortitel bevorstehen: VroniPlag befindet sich gerade mitten in der Plagiatsdetektion beim neuen Fall. Auf 29 Seiten wurden bislang (Samstag, 23. Juli 2011, 9:00 Uhr) Plagiatsstellen gefunden, die Rekonstruktionsarbeit hat aber gerade erst begonnen. Auffällig: 23 Seiten enthalten schon jetzt mehr als 75 Prozent Plagiatstext. Die Dissertation zum Download findet sich hier. Was erschwerend hinzukommt: Der Mann ist Sozialpsychologe, hat rund 100 Publikationen verfasst und ist zentral mit bildungspolitischen Fragen beschäftigt. Au Backe!

Forderung nach flächendeckender rückwirkender Überprüfung von Dissertationen

Freitag, 15. Juli 2011

Ich finde, es ist an der Zeit, eine Forderung auszusprechen: Die Universitäten und Fachhochschulen Deutschlands sollten verpflichtet werden bzw. idealerweise sich verpflichten, alle Dissertationen zumindest der vergangenen fünf Jahre (etwa: 2006 bis 2010) auf Plagiat im Stile Guttenbergs & Co., aber auch auf sinnlose bzw. falsche Zitation im Stile Althusmanns (mit der Folge des “Subtilplagiarismus”) zu überprüfen. Und dieser Prozess sollte im Netz transparent dokumentiert werden, mit der Hilfe Freiwilliger und des Know-hows, das sich in den Wikis angesammelt hat (gesperrte Arbeiten ausgenommen). Wenn die Universitäten das nicht tun, werden das in den nächsten Monaten die Netzkollektive autonom erledigen, und irgendwann wird der Schaden für die Universitäten so groß werden, dass die Sache aus den Fugen geraten könnte. Schon jetzt scheint der deutsche Doktorgrad zu einem Karnevalstitel zu verkommen.
Immerhin hat ein GuttenPlag- und VroniPlag-Aktivist der ersten Stunde (und Programmierer) unlängst angekündigt, demnächst tausende Dissertationen digital überprüfen zu wollen. Auch im Gefolge von GuttenPlag könnte 2012 eine groß angelegte Plattform zur automatisierten Dissertationskontrolle entstehen.
In Österreich hatte ich 2006 an der Universität Klagenfurt eine wissenschaftliche Assistentin (Magistergrad) und zwei Doktorinnen entlarvt: Nach drei Plagiatsfällen und Aberkennungen entschied man dort, alle Arbeiten fünf Jahre rückwirkend zu überprüfen. Nun könnten einmal jene deutschen Universitäten mit dieser Maßnahme beginnen, die bislang von Aberkennungen betroffen waren: von Konstanz bis Bonn. Tun sie das nicht, besteht der Verdacht, dass sie noch (viel) mehr zu verbergen haben, und die PlagWikis werden das wohl bald enthüllen. Bei rund 125.000 Dissertationen im besagten Zeitraum rechne ich übrigens mit ca. 1.250 Aberkennungen.
Nachtrag: Vielleicht ist diese Forderung aber auch gar nicht mehr an die Universitäten zu richten, weil sich der Prozess der Dissertationsbegutachtung ohnedies ins Netz verlagern wird, derzeit also Wissenschaftsgeschichte geschrieben wird.

Plagiatsnachweise bei bereits sieben bundesdeutschen Politiker(umfeld)-Dissertationen

Mittwoch, 15. Juni 2011


Quelle: VroniPlag

“‘Mit GuttenPlag haben wir gezeigt, dass Guttenberg ein Betrüger ist’, sagt er. ‘Mit VroniPlag haben wir gezeigt, dass er nicht der einzige ist. Was soll da noch kommen?’ Das Ausmaß des Betrugs, die Zahl, das soll, wenn es nach ihm ginge, noch kommen. Er hat einen Namen, den er nicht öffentlich machen will, im Internet heißt er KayH.”
Quelle: Der Tagesspiegel

VroniPlag und die bundesdeutsche akademische Kultur anno 2011 – das erinnert mich ein bisschen an mich, auf Erbloggtes leider sehr treffend als “One-Man-Show” in Sachen Austroplagiarismus bezeichnet, und die Universitäten in der Alpenrepublik ca. anno 2007: Je mehr ich entdeckte, desto schweigsamer wurden die etablierten Institutionen. Das ist ein durchaus bedenklicher, wenn nicht wirklich gefährlicher Zusammenhang: Immer mehr Akteure erkennen, dass ihre eigenen Kollegen und Freunde, wenn nicht gar sie selbst aufgedeckt werden könnten, und das führt schließlich zur großen ‘Schweigespirale’. Für die Aufdecker gibt es irgendwann nur zwei Optionen: Handtuch hinwerfen oder weitermachen. Ich wünsche den VroniPlaggern, dass sie noch viel Energie und Akribie aufbringen werden.

Die Institutionen wissen freilich, auch wenn sie öfter noch so tollpatschig, behäbig und verlogen erscheinen, um die massenmediale Logik ganz gut Bescheid. Und deshalb setzen sie jetzt auf das große Aussitzen statt auf das große Aufklären. Ich erinnere mich noch gut: Als ich irgendwann mal in Österreich die x-te Medieninformation zum x-ten Plagiatsfall machte, schrieb mir ein Wissenschaftsjournalist zurück: “Alles sehr interessant, aber wir bringen ja auch nicht jeden Verkehrsunfall.” Plagiate sind damit alltäglich geworden, und man berichtet nur noch über Fälle mit deutlichem journalistischen Mehrwert.

Nun gibt es aber in Deutschland viel mehr Qualitätsmedien, eine ganz andere Tradition des Feuilletons und wesentlich mehr Ressourcen und Kapazitäten für investigativen Journalismus als in Österreich. Das wären eigentlich die Kontexte, die sich dem Systemischen an dem Problem widmen könnten. Selbst das derzeitige große Schweigen wäre eine große Story wert. Ab welchem Schwellenwert wird es zu den neuen Fällen (erstmals!) öffentliche Reaktionen oder (wieder) eine flächendeckende Berichterstattung geben? Muss erst die hundertste oder zweihundertste Dissertation enttarnt werden?

VroniPlag enthüllt eine plagiierte Dissertation, die im Jahr 2010 ohne Literaturverzeichnis eingereicht wurde, mit großteils auch noch unvollständigen Literaturangaben in den Fußnoten. VroniPlag enthüllt, dass bei einer anderen Dissertation aus 1986 entweder bewusst oder aus Unvermögen das wahre Ausmaß des Plagiatsanteils nie erhoben wurde (kommt mir auch bekannt vor, wie gut geübt man doch früher im Wegsehen war…). Die Ertappten dürfen sich über ein Schweigen der Medien und der Öffentlichkeit derzeit noch freuen. Das sollte nicht so bleiben.

Schon wieder Nachwuchs bei VroniPlag

Mittwoch, 01. Juni 2011


Quelle: VroniPlag

Die Parteifarben sind immer noch dieselben. Auch sind weiterhin Nicht-Naturwissenschaftler und Nicht-Techniker betroffen. Aber immerhin gibt es eine thematische Abwechslung: Endlich mal kein mehr oder weniger klares EU-Thema. Dafür dürfte die Abschreibunkultur wieder dieselbe sein. Willkommen zu Fall Nummer fünf auf VroniPlag!
Sollte VroniPlag jemals eine Fernuniversität gründen, würde ich auf ihr doch gerne noch Professor werden! Spannende Doktorarbeiten gäbe es wohl genug zu betreuen, und die neuartigen Forschungsrichtungen hätten klingende Namen (ich zitiere mal aus diversen Statements der vergangenen Zeit): Plagiatologie, Searchiology, Dissertationskomparatistik. – Was hätten wir nur alles zu erforschen!