Mit ‘Veronica Saß’ getaggte Artikel

Ein denkwürdiger Tag

Mittwoch, 11. Mai 2011

Sollten wir am 11. Mai fortan den “Tag der wissenschaftlichen Redlichkeit” feiern? Heute morgen kam die Nachricht, dass die Universität Konstanz Veronica Saß den Doktortitel aberkannt hat. Am Vormittag folgte der Endbericht zu Guttenberg: Er findet klare Worte zu Guttenbergs unermesslichem Fake, aber leider keine klaren Worte zu Häberle und Streinz und deren Netzkompetenz anno 2006. Derweilen lese ich leicht amüsiert bis verwundert das im Anhang publizierte Gutachten von Häberle… Stammen denn einige der Wortkreationen, die er so sehr bewundert, auch aus Plagiatsstellen? Immerhin lobt Häberle, der “Unterzeichnete” (liest man immer wieder, aber müsste es nicht der “Unterzeichnende” heißen?), ja sogar die überaus korrekte Zitierweise seines Schülers.
Dann die Nachricht, dass Matthias Pröfrock seinen Doktortitel vorübergehend nicht mehr führen wird. Wie wir wissen, werden aus solchen Vorläufigkeiten sehr schnell Endgültigkeiten. Und am Abend dann auch noch die Meldung, dass Silvana Koch-Mehrin, die bislang kein Wort zum Plagiatsvorwurf verloren hat, von allen politischen Ämtern zurücktreten wird.
Während es für die Polit-Plagiatoren immer enger wird bzw. sich einige schon verabschiedet haben, darf sich das GuttenPlag Wiki über eine Nominierung in der Kategorie “Spezial” des Grimme Online Awards freuen (Preisverleihung ist am 22. Juni). (Im Wiki macht sich derzeit übrigens ein Aktivist lesenswerte Gedanken über die Zukunft des Projekts, eventuell unter dem Markennamen “PlagiPedia”.) Und zu guter Letzt hatte auch die “Initiative Transparente Wissenschaft” in Österreich heute einen Erfolg zu verbuchen: Ohne Einwilligung des ehemaligen österreichischen Finanzministers Karl-Heinz Grasser hat die Universität Klagenfurt ein Gutachten und eine Stellungnahme zu dessen Diplomarbeit online gestellt – die Initiative hatte genau das vor vier Wochen gefordert. Wow, was für ein Tag!

In Deutschland purzeln die Doktorgrade

Mittwoch, 11. Mai 2011

Willkommen beim neuen Spiel (dank Massenmedien und vor allem Internet): “Ex-Doktor, ärgere Dich nicht”. Nach Guttenberg, zu dem der Prüfbericht der Kommission “Selbstkontrolle in der Wissenschaft” seit heute im Internet nachzulesen ist, nun also auch Veronica Saß. Zumindest drei oder vier weitere heiße Kandidaten für das Spiel, das zuletzt von VroniPlag maßgeblich gesteuert wurde, könnten folgen. Und erst vor zwei Wochen wurde auch einer Fachhochschulprofessorin der Doktortitel wegen einer plagiierten Dissertation aberkannt. Das ist erfreulich, aber womöglich sind das immer noch bloß ein paar Tropfen auf dem heißen Stein…
Auf jeden Fall gibt es jetzt eine Art “Durchgreifen”, zum Wohle der Wissenschaft. Der Befreiungsschlag gegen Blendwerke, also gegen die, die nur so tun, als ob, muss weitergehen.

In bester Gesellschaft

Samstag, 02. April 2011


Quelle: Telepolis

Das Buch “Das Google-Copy-Paste-Syndrom” Ihres werten Plagiatsgutachters findet sich im Amazon-Partnerprogramm von “Telepolis” in bester Gesellschaft – gleich neben postmodernen Gesamtkunstwerken wie “Verfassung und Verfassungsvertrag” oder “Regulierung im Mobilfunk”. Das freut mich!
Nur: Was bitte hat denn die Dissertation des CDU-Abgeordneten Günter Krings hier zu suchen? Ääääh… hab ich was versäumt? Oder sind es nach Menschen wie mir und Netzkollektiven wie GuttenPlag oder VroniPlag nun schon die Algorithmen selbst, die…? Kann nicht sein.

VroniPlag Wiki funktioniert – Eine erste kleine Plag-Wiki-Bilanz

Dienstag, 29. März 2011

Respekt! Über Nacht hat die Netzgemeinde auf 47 Seiten der Dissertation “Regulierung im Mobilfunk” von Veronica Saß Plagiatsstellen gefunden. Dies ist ein geeigneter Zeitpunkt, einmal eine erste vorläufige Plag-Wiki-Bilanz zu ziehen.

* Begonnen hat alles mit dem fulminanten Erfolg von GuttenPlag Wiki, das am 17. Februar 2011 gegründet wurde, maßgeblich am raschen Rücktritt von Verteidigungsminister Guttenberg beteiligt war und mit heutigem Datum 2.277 Seiten umfasst – Aktivität ungebrochen.

* Auf PlagiPedi Wiki wurden in der Folge mehr als 100 Arbeiten von Politikern und sonstigen Personen des öffentlichen Interesses vermerkt und verlinkt, die auf Plagiate überprüft werden sollen, darunter etwa auch meine eigene Doktorarbeit. (Anm.: Das hat mich sehr gefreut, weil aus ihr ja bereits drei Mal abgeschrieben wurde und zwei Plagiatoren in der Folge ihren akademischen Grad rechtskräftig verloren haben. Ich habe mir freilich nie die Mühe gemacht, sie komplett durchzugoogeln, deshalb wäre es toll, wenn vielleicht ein weiteres Plagiat meiner Dissertation entdeckt werden würde.) PlagiPedi Wiki (der Name resultiert aus einem ursprünglichen Tippfehler, es hätte PlagiPedia heißen sollen) hat derzeit 162 Seiten. Das Projekt hat sich wahrscheinlich zu viel vorgenommen – Zukunft ungewiss.

* Kurz darauf wurde vermutlich von englischen Studierenden das Saif Al-Islam Gaddafi Thesis Wiki gegründet. Das Wiki umfasst derzeit zehn Seiten und dokumentiert bislang 18 Plagiatsstellen von unterschiedlichem Schweregrad in der Dissertation des Gaddafi-Sohnes. Das mediale Echo war außerhalb Großbritanniens eher gering.

* Am 6. März 2011 wurde in Österreich – unter anderem von Ihrem werten Plagiatsgutachter – die “Initiative Transparente Wissenschaft” gegründet (auch “AntiPlag Austria”), die sich zum Ziel gesetzt hat, zu einem “Wikileaks für die Wissenschaft” zu werden, eventuell einmal auch über Österreich hinaus. Das Wiki befasst sich auch, aber nicht exklusiv mit der umstrittenen Dissertation des EU-Kommissars Johannes Hahn, in der auf bislang zwölf Seiten plagiatsverdächtige Stellen gefunden wurden. Das Wiki selbst umfasst derzeit 23 Seiten.

* Am 28. März 2011 wurde schließlich VroniPlag Wiki gegründet. Das Wiki umfasst bislang sechs Seiten, aber schon nach einer Nacht wurden auf 47 Seiten der hier diskutierten Dissertation Plagiatsstellen gefunden.

Wie wird es weitergehen? Viele Einzelinitiativen und -Wikis pro fraglicher akademischer Arbeit, oder eine Art ‘kollektive Task Force Plagiate’?

Und noch ein Hinweis: Wer in Zeiten allgegenwärtiger Plag(i)-Wikis immer noch schwindeln möchte, der findet hier einen Anbieter eines Komplettpakets: akademisches Ghostwriting, Formatierung und sogar Plagiatsprüfung (schon ab 25 Euro) aus einer Hand. Na, wer sagt’s denn: Konkurrenz belebt!