Mit ‘VDM’ getaggte Artikel

Der Wikinepp in Uni-Bibliotheken geht munter weiter

Dienstag, 19. Juli 2011

Die taz widmet sich einem neuen/alten Thema, auf das unter anderem auch in diesem Blog erstmals hingewiesen wurde: den dubiosen Verlagspraxen von VDM. Geschäftsidee des Verlegers ist es, möglichst viele Books-on-Demand anzubieten, wobei in einigen VDM-Subverlagen ausnahmslos Wikipedia-Artikel auf mitunter beliebig anmutende und unredigierte Weise kompiliert werden – und das für teures Geld. Als Herausgeber fungieren fiktive Autoren. Mir steht es nicht zu, die Sache rechtlich zu beurteilen, wiewohl mich wundert, dass Wikipedia und Amazon das so dulden.
Was mich allerdings erstaunt, sind zwei Dinge:
1) VDM publiziert auch Dissertationen. Man darf hoffen/erwarten, dass einige von ihnen plagiatsfrei sind ;-). Warum dulden es die redlichen VDM-Autoren, dass “ihr” Verlag mit zahllosen dubiosen bis sinnlosen Buchtiteln Geld machen will? Wo bleibt da der Protest der ehrlichen Promovierten gegen eine solche Verwässerung?
2) Wie ist es möglich, dass immer noch Bibliothekare auf Titeln von Alphascript, Betascript und Fastbook (so die Subverlage) hereinfallen? Im November 2010, als ich die Geschichte hier im Blog aufbrachte, zählte ich im Karlsruher Virtuellen Katalog ca. 360 Titel der genannten VDM-Subverlage. Heute zähle ich 530. Wie sollen Studierende aus diesen Werken “zitieren”? Auch das macht die Wissenskultur kaputt: Man stelle sich ein Wikipedia-Buch in einer Literaturliste vor, wobei unreflektiert der fiktive Autorenname übernommen wurde.
Und das alles, obwohl jeder, der wirklich unbedingt ein Buch aus Wikipedia-Artikeln haben möchte (sowieso eine bescheuerte Idee), dies auch mit dem Buchgenerator auf Wikipedia erledigen kann… Die Welt möchte betrogen werden, offenbar nicht nur zahlreiche Dissertationsbetreuer, sondern auch gar nicht wenige Bibliothekare.