Mit ‘Textqualität’ getaggte Artikel

Plagiatsfall in der Schweiz weitet sich aus: Noch viel mehr abgeschrieben

Dienstag, 30. April 2013

Nun hat also auch die Schweiz ihren ersten “richtigen” Politiker-Plagiatsfall. Interessant ist, dass die Vorwürfe diesmal zunächst nicht in einem Blog, einem Wiki oder von den Massenmedien schwarz auf weiß publiziert wurden. Da muss man erst einmal vorsichtig sein. Umso größer war mein Erstaunen, als ich nach nur zwei Minuten Beschäftigung mit der inkriminierten Arbeit die nächste schwere Plagiatsstelle fand. Frau Fiala hat ganz offensichtlich von einem Buchrücken eines Sammelbandes abgeschrieben, der ein Jahr vor Abgabe ihres Textes veröffentlicht wurde. Das ist schon mehr als dreist. Die Arbeit wurde für einige Tage vom Netz genommen und ist nun wieder hier erreichbar.

Die Masterarbeit läuft bei mir gegenwärtig durch die Software. Das riecht nach (viel?) mehr. Von harmlosen Stellen oder gar einer Vorverurteilung kann hier jedenfalls schon jetzt keine Rede mehr sein. Und wieder mal stellen sich die Fragen: Wenn schon Gutachter nicht genau gelesen haben und Arbeiten auch an der ETH Zürich (!) im Jahr 2010 (!!) immer noch nicht flächendeckend auf Plagiat überprüft wurden, warum nimmt man dann auch noch erstmal die Plagiatorin in Schutz und sucht nicht systemimmanent nach den Gründen für das Debakel? Wann wird die Wissenschaft endlich aufwachen?

Mutmaßliches Original: http://www.nomos-shop.de/Breitenmoser-Gle%C3%9F-Lagodny-Schengen-Praxis/productview.aspx?product=11869

Offensichtliches Plagiat, Fließtext Fiala, S. 143. Nur das Wort “allerdings” wurde eingefügt, damit deutlicher Hinweis auf intentionales Plagiieren.

Universität Duisburg-Essen bestätigt Plagiat von Nina Haferkamp

Dienstag, 12. März 2013

Ich zitiere aus der Entscheidung des Rektors:

“1. Das Rektorat schließt sich der Feststellung der Untersuchungskommission an, dass im ersten Drittel der Arbeit ein wissenschaftliches Fehlverhalten (Plagiat) durch Frau Dr. Haferkamp vorliegt.

2. Das Rektorat fordert den zuständigen Promotionsausschuss der Fakultät für Ingenieurwissenschaften auf, den zweiten und dritten Teil der Promotionsschrift inhaltlich auf Originalität zu prüfen. Das Rektorat schließt sich dabei der Empfehlung der Untersuchungskommission an, einen externen Fachgutachter hinzuzuziehen. Abhängig von der Einschätzung des zweiten und dritten Teils der Arbeit ist sodann zu prüfen, ob der originäre Teil der Promotionsschrift ausreicht, um weiterhin als Promotionsschrift anerkannt zu werden.”

Mit anderen Worten: Das wird noch lange dauern, da ist noch nichts entschieden. Der Plagiatsvorwurf ist damit aber offiziell bestätigt.

“Rekonstruierende” Verfahren und Qualitätssicherung eigener Schriften: MitarbeiterInnen gesucht

Donnerstag, 07. März 2013

Ihr werter Plagiatsgutachter weitet sein Geschäftsfeld und seinen Kundenkreis aus bzw. genauer: das hat sich eigentlich ‘von selbst’ so ergeben. Nachdem seit einigen Monaten nun auch die englischsprachige Webseite plagiarismreports.com online ist und Anfragen bis zur Überprüfung von Staatspräsidenten und Ministern ferner Länder hereinkommen, möchte ich meinen Mitarbeiterstab vergrößern. Zudem kristallisieren sich schon seit einiger Zeit zwei ganz unterschiedliche Kundenbedürfnisse heraus:

* “Rekonstruierende” Gutachten über vorwiegend bundesdeutsche und österreichische Qualifikationsschriften, vorwiegend Dissertationen, vorwiegend älteren Datums (angenommen ca. zwischen 1970 und 2000). Meine Kunden interessiert die wissenschaftliche Redlichkeit älterer Doktorarbeiten von Personen, die heute (hoch-)qualifizierte bzw. (hoch-)spezialisierte Tätigkeiten ausüben bzw. in irgendeiner Form ‘distinkte’ Positionen bekleiden (von Sachverständigen bis zu Richtern, von Politikern jeder Hierarchie bis zu Managern in Wirtschaftsunternehmen, von Medizinern bis zu Gerichtspsychologen, freilich auch von nur in der akademischen Wissenschaft tätigen Personen usw.).

* Qualitätssicherung eigener Schriften: Diese Kunden haben ein ganz anderes Interesse, sie befinden sich meist in der Abschlussphase ihrer eigenen Dissertation und möchten eine Qualitätssicherung ihres Textes in Auftrag geben. Es handelt sich hierbei um Kunden aus dem gesamten Fächerspektrum der Wissenschaft, teilweise geht es auch um englischsprachige Arbeiten. Die Kunden möchten wissen, ob sie richtig zitiert und alles korrekt belegt haben. Unsicherheiten gibt es insbesondere beim Einsatz des indirekten “Vgl.-Zitats” in den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie bei der Darlegung von Allgemeinwissen in allen Disziplinen.

Grundsätzlich ist zu sagen: Die Befriedigung beider Kundenbedürfnisse dient der Qualitätssicherung der Wissenschaft. Ich suche nun für beide Geschäftsbereiche versierte MitarbeiterInnen, die mich vor allem durch Präzision/Akribie und absolute Vertraulichkeit bei der Arbeit überzeugen können (Studienabschluss idealerweise: Doktorgrad in Germanistik, Linguistik, Philosophie/Wissenssoziologie/Wissenschaftstheorie, Informatik oder Medienwissenschaften). Um die absolute Anonymität meiner KundInnen zu sichern, wickle ich freilich die Kommunikation mit diesen weiter selbst ab. MitarbeiterInnen werden gesucht für die Aushebung und digitale Erfassung von Literatur, für die Interpretation von Ergebnissen der Plagiatssoftware, für ein “Durchgoogeln” von Texten mit der Google Buchsuche sowie letztlich für ein Erfassen und richtiges Einordnen von Plagiatsfragmenten. Bitte nehmen Sie bei Interesse mit mir Kontakt auf.

Konsequenzen aus dem Fall Schavan

Mittwoch, 06. Februar 2013

Annette Schavan wird offenbar nicht nur von weiten Teilen der Opposition geliebt, sondern auch von den bundesdeutschen Massenmedien. Jüngere und ältere Journalisten der führenden Blätter kommentieren heute einhellig, dass der Titelentzug “falsch” bzw. “nicht richtig” sei oder Schavan “bloß nicht zurücktreten” solle. Noch heute Nacht war zu lesen, es gelte nach wie vor “bis zur endgültigen Klärung die Unschuldsvermutung“.

Mag sein, dass einige Journalisten tatsächlich ein Naheverhältnis zur Politikerin haben. Mag sein, dass andere bereits selbst der jüngeren Copy & Paste-Generation angehören und einige ältere ihre Qualifikationsschriften selbst im Modus Schavan verfasst haben. Mag aber vor allem sein, dass Journalismus halt so funktioniert, dass die Massenmedien eben jetzt einen neuen ‘Dreh’ brauchen. Guttenberg war in der Bevölkerung sehr beliebt, aber Qualitätsmedien waren ihm gegenüber immer kritisch eingestellt. Bei Schavan scheint es eher umgekehrt zu sein: Sie wird vor allem von der Qualitätspresse geliebt, von der Süddeutschen bis zur FAZ. Nun erscheint sie als Opfer universitärer Willkür.

Viel entscheidender erscheint mir jedoch das Kommunikationsversagen der Wissenschaft: Es ist ihr, so auch gestern abend bei der ‘Urteilsverkündigung’, überhaupt nicht gelungen, zu vermitteln, was ein Plagiat ist und warum das simulatorische Vorgehen von Frau Schavan, wenn es geduldet werden würde, den Wissenschaftsbetrieb früher oder später kaputt machen würde (genauer: in den vergangenen Jahren zu Teilen bereits ruiniert hat!). Zudem erlangen so laufend Menschen den Doktorgrad, die grundlegende Kompetenzen wie genaues Lesen, Zitieren, Kommentieren und Bewerten nicht beherrschen. Hat Schavan ähnliche “Flüchtigkeitsfehler” bei der Entscheidung über und Vergabe von Forschungsmillionen begangen? Letztlich züchten wir uns eine intellektuelle Kultur des Als-Ob heran, in der der Schein dominiert und die Substanz sukzessive verschwindet. Die Universität Düsseldorf hat sich gestern für einen wissenschaftsgeschichtlich bedeutenden Befreiungsschlag in die richtige Richtung entschieden.

In den Massenmedien werden wir vielleicht eher über Schavans Mutter lesen oder womöglich krude Thesen hören wie jene, dass die Universität Düsseldorf den Wissenschafts- und Forschungsstandort Deutschland mit dieser Entscheidung weltweit beschädigt und Deutschland schweren ökonomischen Schaden zugefügt habe.

Eigentlich sollten wir uns jetzt um ganz andere Dinge kümmern: Wir brauchen einheitliche Verfahren im Umgang mit Plagiatsvorwürfen, zuerst deutschlandweit, dann EU-weit. Die USA ist hier in fast allen Belangen viel weiter. Es kann nicht sein, dass eine Universität ein Plagiat nach 33 Jahren (korrekt) ahndet, andere Universitäten aber (inkorrekt) akademische Grade bei quantitativ noch umfassenderen und noch deutlicheren Plagiaten nicht entziehen und sogar paradoxe Auflagen erteilen wie etwa jene, eine plagiierte “Dissertation unverändert, aber mit korrekter Zitierweise vorzulegen”. Das macht den Wissenschaftsstandort Deutschland lächerlich und ist im Übrigen – im Gegensatz zur Schavan-Entscheidung – tatsächlich juristisch unhaltbar.

Wir brauchen weiter dringend ein deutschlandweites Institut zur Qualitätssicherung wissenschaftlicher Qualifikationsschriften. Dieses sollte nicht nur als “Kontrollbehörde” oder “Letztinstanz” fungieren, sondern selbst Forschung betreiben. Internationale Beispiele dafür gibt es einige, wie etwa das International Center for Academic Integrity. Es geht nicht an, dass irgendwelche ergrauten Emeriti unwissenschaftliche Thesen über einen angeblich korrekten Umgang mit laxen Zitaten und Plagiaten verbreiten können, während die Lehrbuchliteratur aus dem fraglichen Zeitraum etwas ganz anderes sagt (siehe mittlerweile auch das “berühmte” Beweisstück). Auch das macht die Wissenschaft lächerlich.

Und wir brauchen an jeder Universität einen “Plagiatsbeauftragten“. Erfolgreiche Pilotversuche wie die “Freiwillige Plagiatskontrolle” an der PH Freiburg können als Referenzprojekte dienen. Es ist auch ein unhaltbarer Zustand, dass ein aus Lehrenden bestehender Promotionsausschuss die mühsame Plagiatsdetektion und Quellenrekonstruktion neben der eigentlichen Arbeit, oft als eine Art abendliches Hobby mit Suchtpotenzial, erledigen muss. Wenn es Stellen für Gender-Mainstreaming gibt, sollten sich Universitäten auch Plagiatsbeauftragte leisten können.

Auf VroniPlag taucht eine plagiierte Doktorarbeit nach der anderen auf: von Anwälten, Ärzten, Wissenschaftlern, Politikern. Das wird nicht aufhören. Irgendwann werden wir bei der Zahl 100 angekommen sein. Der neue Bildungsminister wird handeln müssen. In oben skizziertem Sinne.

Das Flottieren der Sätze oder: Wer hat’s von wem?

Samstag, 02. Februar 2013

Irgendwie ist das komisch…

Quelle: Universität für Angewandte Kunst Wien, Medientheorie, mutmaßlich nach 2005

Quelle: Christian Pohl, Grundlagen einer systemtheoretischen Medienbetrachtung, Januar 2005

Beweis erbracht: TU-Dresden-Professorin hat tatsächlich eine Erstsemestrigen-Hausarbeit plagiiert

Mittwoch, 16. Januar 2013

Nachdem ich mich selbst in die Materie sehr gut eingelesen habe und bereits in meinen PDF-Dokumenten zehn “rätselhafte” Übereinstimmungen zwischen einer Hausarbeit auf hausarbeiten.de und der Dissertation von Katrin Döveling dokumentiert habe, ist nunmehr der empirische Beweis mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit erbracht worden: Döveling hat tatsächlich unter anderem auch von einer Erstsemestrigen-Hausarbeit plagiiert und im Zuge dieses Plagiats eine nicht stattgefundene Literaturarbeit vorgetäuscht. Es ist eine Schande erster Ordnung für das Fach.

Hier das Original von hausarbeiten.de:

Und hier das Plagiat auf S. 59 bei Döveling:

Ich werde die gesamten Funde somit heute dem Ombudsmann der Universität Erfurt melden. An mehreren Stellen das Wording einer Hausarbeit zu übernehmen, das geht einfach zu weit. Mit im Boot sitzt nun auch das Institut für Kommunikationswissenschaft der TU Dresden, das nach meinen ersten Funden von Anfang November viel Zeit für eigene Recherchen gehabt hätte. Stattdessen hatte Wolfgang Donsbach bzw. genauer: sein empirischer Mitarbeiter nichts Besseres zu tun, als meine eigene Dissertation auf Plagiat zu überprüfen; und Katrin Döveling “wehrte” sich mit seitenlangen Drohschreiben ihrer Anwälte. Aber die mittels Textvergleich dokumentierbare Wahrheit wird sich durchsetzen.

Eine Dissertation als Textbrocken-Collage: Ist das Wissenschaft?

Mittwoch, 16. Januar 2013

Ein Bild vervollständigt sich: Nach dem Abgleich mit drei weiteren Büchern von Hermann Korte, Heinz-Günter Vester und Max Weber höchstselbst ergeben sich immer mehr Indizien für ein werkprägendes Muster. TU-Dresden-Professorin und Kommunikationswissenschaftlerin Katrin Döveling hat ihre Dissertation nicht “vollständig selbstständig” geschrieben, wie es die deutschen Verwaltungsgerichte fordern*, sondern hat methodisch die Werke anderer ab- und umgeschrieben, ohne das Ausmaß der jeweiligen Übernahmen kenntlich zu machen. Für den Leser oder Begutachter der Dissertation ist es damit nicht möglich, zwischen eigenem Text Dövelings und Texten anderer, zwischen eigenen und fremden Ideen deutlich zu unterscheiden. Man muss genau hinsehen, siehe die Liste der bislang gefundenen Übereinstimmungen.

Hier nur ein Beispiel von vielen: Bei Heinz-Günter Vester (“Emotion, Gesellschaft und Kultur”, Opladen: Westdeutscher Verlag, 1991) steht im Original auf S. 188:

Daraus wird bei Katrin Döveling auf S. 161:

Vester wird im markierten Segment in Fußnote 945 mit “Vgl.” einmal erwähnt, es werden aber auch Tarde und Durkheim analog referenziert. Wird dem Leser dadurch klar, dass das “Wording” in Wahrheit von Vester stammt, wie auch die Hinweise auf Tarde und Durkheim? Und das Wort “tautologisch” im Original dürfte Döveling nicht gefallen haben, sie machte aus „tautologisch und psychologistisch“ bei Vester ein „zu psychologisch”. Für mich ist diese Umschreiberitis keine Wissenschaft.

* Siehe die hochinteressante Zusammenfassung von Urteilen der vergangenen Jahrzehnte in: Daniela Schroeder, “Die Entziehung des Doktorgrades wegen Täuschung in der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung”, in: NWVBl., Heft 5/2010, hier S. 179.

Neue Auswüchse einer “Textkultur ohne Hirn” in Wirtschaft und Politik

Dienstag, 15. Januar 2013

Wozu noch selbst texten? Die “McDonaldisierung” der Gesellschaft hat längst auch unsere Textkultur erfasst. Kritiker wie ich und einige andere Blogger sehen einen Trend zur zunehmenden Verlogenheit der Gesellschaft, zur zunehmenden Austauschbarkeit, wenn nicht gar Überflüssigkeit des Gesagten. Sprachphilosophisch gesprochen: Es werden eben nicht nur die Satzinhalte (“Kommunikationsbotschaften”), sondern die Aussagesätze selbst recycelt. Welcher Rede können wir noch trauen?

Zwei Enthüllungen aus der Blogosphäre aus den vergangenen Tagen:

1. Eine bundesdeutsche Grün-Politikerin hält eine Rede, die sich zumindest stark paraphrasierend (bei wohlwollender Auslegung), wenn nicht plagiierend an eine andere Rede anlehnt. Das hatten wir übrigens schon vor einiger Zeit bei einem österreichischen Bischof. Mich interessiert die Frage, warum so etwas geschieht. Folgende Gründe wären möglich:

* Die Plagiatoren sind intellektuell nicht imstande, einen eigenen Text zu verfassen.

* Die Plagiatoren haben nicht den Mumm, einen eigenen Text zu verfassen. Sie wollen auf Nummer sicher gehen und sich an Bestehendem orientieren, aus Angst, das Neue könne abgelehnt werden bzw. nicht funktionieren.

* Die Plagiatoren glauben, dass es heutzutage Usus ist, so zu verfahren.

* Die Plagiatoren scheren sich weniger um das Was (den Inhalt) und mehr um das Wie (die Präsentation).

* Die Plagiatoren wussten gar nichts vom Plagiat, weil sie Ghostwriter beschäftigen.

Angst macht mir immer die Möglichkeit, These 1 könne zutreffen.

2. Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang auch diese Entdeckung: Man google den Satz “Neue Wege zu beschreiten, hat bei uns Tradition”. Dieser wird, im Verein mit ganzen identischen Absätzen, wenn nicht sogar kompletten Darlegungen von Unternehmensphilosophien bzw. -leitbildern, auf deutschsprachigen Webseiten von hunderten Unternehmen, vorwiegend aus der Unternehmensberatungsbranche verwendet. Allerdings tun alle so, als wäre damit ihr Alleinstellungsmerkmal beschrieben worden. Warum haben sich all diese Unternehmensberater für eine derartige Textkultur ohne Hirn entschieden? Teilweise haben Start-Up-Unternehmen, die es erst seit einigen Monaten gibt, die also alles andere als eine Tradition aufweisen können, den Satz im Verein mit einem weiteren Standard-Wording übernommen. Wie beraten diese Unternehmen andere? Inwiefern sind all diese Unternehmensberater kompetent, wenn es etwa um Fragen des Textens für das Web geht? Ist irgend jemandem der Widerspruch zwischen Satzinhalt und kopierender Praxis aufgefallen?

***

Man kann die Sache auch anders sehen: Nur einige verschrobene Blogger wie Ihr werter Plagiatsgutachter bemerken solche Dinge. Plagiate in akademischen Qualifikationsschriften würden dann perfekt auf eine Wirtschafts- und Arbeitswelt vorbereiten, in der Textbrocken zunehmend homogenisiert werden und Abkupfern Norm geworden ist. Nun ja: Dann sollten wir dringend alles überdenken, beginnend mit dem Deutschunterricht an Schulen. Und Lehrveranstaltungen wie “Einführung in die Heuchelei” oder “Seminar: Wie man perfekt Kompetenz vortäuscht” müssten Altbackenes wie “Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten” ersetzen. Ich erwarte die erste Stellenausschreibung in Betriebswirtschaft: “W3-Professur für professionelle Simulation von Expertise”. Wenn es zutrifft, dass Wirtschaft und Politik (und womöglich auch Religion, Kunst und andere Sozialsysteme) zunehmend so funktionieren, wozu dann noch das ganze Bemühen um Redlichkeit, Zitiergenauigkeit, Quellenkritik, kreatives Schreiben? Vielleicht hat Ihr werter Plagiatsgutachter die Grundregeln der Wirtschaft bislang nicht verstanden.

Können Unternehmen noch selber texten? Problemfeld “Selbstdarstellungs-Plagiarismus”

Dienstag, 25. Dezember 2012

Eine Salzburger Forschungsgesellschaft schreibt auf ihrer Webseite:

“Die Freiheit der Wissenschaft ist ein hohes Gut. Für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erwächst daraus eine große Verantwortung. Die Research Studios Austria Forschungsgesellschaft nimmt diese Verantwortung wahr, auch und gerade im Dialog mit der Öffentlichkeit.”

Quelle: http://www.researchstudio.at/innovationspipeline

Das steht so auch bei der Max-Planck-Gesellschaft, allerdings im bundesdeutschen Kontext um einen Halbsatz angereichert:

“Die Freiheit der Wissenschaft ist ein hohes Gut – in der Bundesrepublik Deutschland ist die Forschungsfreiheit daher im Grundgesetz verankert. Für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erwächst daraus eine große Verantwortung. Die Max-Planck-Gesellschaft nimmt diese Verantwortung wahr, auch und gerade im Dialog mit der Öffentlichkeit.”

Quelle: http://www.mpg.de/4898/standpunkte

Da stellt sich doch die Frage: Wer hat es warum von wem? Hätte man das nicht auch selbst schreiben können? Warum bedarf es offenbar selbst bei so einfachen Sachverhalten schon der “Inspiration”?

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Eine neue Wiener Medienproduktionsfirma beschreibt sich auf ihrer Webseite:

“POPUP MEDIA greift mit seinen Mitarbeitern auf ein Netzwerk von Profis aus den Bereichen Video, Audio, Print und Internet. Mit dieser Stärke wollen wir unsere Kunden ganzheitlich und für alle Medien betreuen. Damit schätzen Partner und Kunden unsere Flexibiltät. Dieser integrative Zugang und die Freude an der Umsetzung machen uns zu einem zuverlässigen Partner. Eine langfristige und loyale Zusammenarbeit ist unser Ziel.”

Quelle: http://www.popupmedia.at/unternehmen

Und auch das findet sich so auch bei einer anderen Firma:

“Mediahaus Salzburg ist ein Netzwerk von Profis aus den Bereichen Video, Audio, Print und Internet. Somit ist es uns wie kaum einem anderen möglich, Kunden ganzheitlich und in allen Medien zu betreuen. Vor allem internationale TV- und Eventpartner schätzen unsere Flexibiltät. [...] Unsere unkonventionelle Herangehensweise und die permanente Freude an der Arbeit machen uns zu einem zuverlässigen Partner. [...] Eine langfristige und loyale Zusammenarbeit ist unser Ziel.”

Man beachte hier insbesondere die Falschschreibung “Flexibiltät” bei beiden Unternehmen, die schon sehr deutlich auf Copy & Paste hinweist.

Quelle: http://www.mediahaus.tv/index.php/das-unternehmen

Ich habe nur zwei Erklärungsmodelle:

1) Texte werden zunehmend egal, man kopiert und übernimmt sie einfach aus “Wurschtigkeit”. Dann sollten wir darüber diskutieren, was das für unsere intellektuelle Kultur bedeutet und wie ehrlich und glaubwürdig dann Informationen aus dem Web überhaupt noch sind.

2) Diese Texte wurden von Leuten bewusst gecopypastet, die keinen anderen Zugang zum Texten mehr haben als Text zu klauen. Dann sollten wir über das (Aus-)Bildungsniveau diskutieren.

Wissenschaftliche Dokumentation zur Dissertation von Dr. Katrin Döveling, IfK der TU Dresden (Teil 3, to be continued)

Mittwoch, 21. November 2012

Anbei die Liste mit den neuen Funden (Stand: 21. 11., 17:00). – Wie kam es etwa zu folgender Textübereinstimmung? Frau Döveling schreibt auf S. 57 der Buchfassung ihrer Dissertation:

“Die Frage ist also, in welchem Ausmaß Medien tatsächlich Themen setzen, um welche Themen es sich hierbei handelt und welche Medien in diesem Prozess stärkeren Einfluss haben. Zudem muss geklärt werden, wie lange der Einfluss anhält, welchen Verlauf er nimmt (z.B. über Dritte) und welche gegensteuernden Gewichte es gibt. Durch diese Fragen kommen viele Variablen in Erwägung, die bei der Beurteilung eines Agenda-Setting-Effektes berücksichtigt werden müssen. Diese Faktoren werden nachfolgend dargelegt […].”

Da ist weit und breit keine Fußnote, keine Quellenangabe, keine Hervorhebung und kein Anführungszeichen, im Gegenteil: Der entsprechende Abschnitt widmet sich dem Thema “Kritik und Erweiterungen des Ansatzes”, und entwickelt wird Dövelings eigenes Konzept einer “Emotionalen Agenda“.

Man betrachte zum Vergleich folgenden Text, der sich auf hausarbeiten.de befindet und aus einer Hausarbeit für ein Einführungsproseminar in Publizistikwissenschaft stammt:

“Die Frage ist also, in welchem Maß Medien Themen setzen, welche Themen und welche Medien stärkeren Einfluß haben, wie lange der Einfluß vorhält, welchen Weg der Einfluß gegangen ist (über Dritte über das Thema informiert werden) und welche gegensteuernden Faktoren es gibt […]. Allein durch diese kleine Vorüberlegung kommen zahlreiche Variablen ins Spiel, die alle bei der Beurteilung eines Agenda-Setting-Effektes mitbedacht sein wollen. […] ein Vorgang, der im folgenden nachgezeichnet werden soll.”

Frau Döveling wird ja wohl nicht aus einer Proseminar-Arbeit abgeschrieben haben. Gab es eine gemeinsame dritte Quelle? Es handelt sich bei Weitem nicht mehr nur um ein paar Übereinstimmungen. Interessant auch, dass beide, Döveling und der Hausarbeitenautor, von der “berühmt gewordene[n] These zum Agenda-Setting” sprechen, “die sich auf Cohen bezieht”…

Quelle: http://www.google.de