Mit ‘Textqualität’ getaggte Artikel

Die Medizin und das Plagiat: VroniPlag wird auch an der Universität Wien fündig

Sonntag, 22. Juni 2014

Münster, Berlin, Wien: Erneut steht eine medizinische Dissertation unter dringendem Plagiatsverdacht. VroniPlag Wiki hat die Arbeit zwar noch nicht auf der Hauptseite veröffentlicht, aber Art und Umfang der Plagiate rechtfertigen meines Erachtens die Bekanntmachung.

Dazu passend mache ich im Moment sehr kafkaeske Erfahrungen mit dem medizinischen System, die ich an anderer Stelle veröffentlichen werde. Es offenbart sich mir ein nicht-lernendes bzw. nicht-lernwilliges System, das von “personalisierter Medizin“, “Big Data” oder zumindest nur dem empirischen Dokumentieren individueller Krankheitsverläufe – zum Wohle späterer Generationen – ganz weit weg ist.

Auch das korrekte Erstellen von Diagnosen oder die Dokumentation von Langzeitverläufen (der Blick auf das Ganze) scheinen nicht die Kernkompetenzen von vielen Ärzten zu sein.

Vorherrschend sind Tunnelblick, Regelreproduktion und Starrsinn. Das (fast immer gedankenlose, immer aber unkritische) Plagiieren als Arbeitstechnik passt vorbereitend gut zu einer späteren medizinischen Praxis, bei der es offenbar häufig weder um Heilung noch um Innovation geht.

Nächste Revolution nach Plagiatswikis: Deep-Web-Plagiatssuchmaschine kommt

Samstag, 31. Mai 2014

“‘Wir wenden zurzeit ein Verfahren an, das alle Dissertationen einer Hochschule miteinander vergleicht’, sagt Plagiatsexpertin Debora Weber-Wulff, Professorin für Informatik an der Hochschule für Technik und Wissenschaft Berlin. 4000 Charité-Promotionen hat das Netzwerk laut Weber-Wulff auf seinen Rechnern gespeichert, die nun erst digital, dann händisch abgeglichen werden sollen. Eine weitere Dissertation, ebenfalls an der Charité mit dem Dr. gekrönt, enthalte auf mehr als der Hälfte der Seiten nicht kenntlich gemachtes fremdes Gedankengut. ‘Wir haben einige Arbeiten an der Charité als verdächtig eingestuft, nun werden sie von unserem Team in ehrenamtlicher Tätigkeit manuell überprüft’, sagt Weber-Wulff.”

Quelle: Spiegel Online

Es kündigt sich eine technologische Revolution an, die für eine neue Dimension der Transparenz sorgen und Plagiarismus zukünftig erschweren wird: Der erste Schritt war die Erfindung des Plagiatswikis und des Barcodes zur Visualisierung von Plagiatsintensität. Nur noch Ewiggestrige nennen das “Pranger”. Immer deutlicher zeigt sich der immense Wert dieser Rekonstruktionen und Veröffentlichungen für die Wissenschaft.

Nun kündigt sich der zweite Schritt an: Längst liegen tausende Volltexte von Dissertationen auf Hochschulservern brach und werden nicht intrinsisch miteinander verglichen – ein unhaltbarer Zustand. Keine Web-Suchmaschine und auch derzeit keine Plagiatssoftware kommen verlässlich an alle PDF-Files ran. Nun zeigen Debora Weber-Wulff & Co., dass es einer intrinsischen Textkorpus-Suchmaschine bedarf, um Plagiarismus in Hochschulschriften untereinander aufzudecken, aber auch, um intrinsische Plagiatsfragmente zu identifizieren, die auf extrinsische Quellen hinweisen. Die Fragestellung und Arbeitslogik dieser Suchmaschine ist eine andere als die bei der Google Websuche – mit Glück könnte hier also etwas ganz Neues geboren werden.

Bleibt das Problem zu lösen, wie man die Google Buchsuche systematisch auf Plagiatsquellen durchforsten kann. Ihr werter Plagiatsgutachter hat wiederholt hier im Blog darauf hingewiesen. Ein Suchexperte sagte mir: Hier muss man Google hacken. Na dann mal los! Google selbst ist offenbar an dem möglichen Geschäftsmodell Plagiatssuchmaschine nicht interessiert. Warum öffnet die Bayerische Staatsbibliothek nicht ihren digitalen Fundus für die Plagiatsdetektion?

Die Charité zeigt sich an der VroniPlag-Software indes bereits interessiert, berichtete der Spiegel gestern. Nun müssen auch die großen Bibliotheken und vor allem die DNB für diese Innovation gewonnen werden. Zu verdanken haben wir das softwaretechnisch übrigens alles dem Holländer Dick Grune und seinem SIM_Text Similarity Tester. Er hat im Jahr 1989 wohl kaum abschätzen können, dass er mit seinem Paper “Het detecteren van kopieën bij informatica-practica” einmal zum Vater der Plagiatssuchmaschinen wird. – Nebenbemerkung: Auch die Software Ihres werten Plagiatsgutachters basiert auf SIM_Text.

Von Münster nach Berlin: Das Mediziner-Doubletten-Syndrom erfasst nun auch die Charité

Dienstag, 27. Mai 2014

Es war ja fast zu erwarten: Der “Flächenbrand” zu Münster kann auch anderswo entfacht werden. Nun widmet sich VroniPlag Wiki also der Charité. VroniPlag startete die Aufarbeitung mit einer komplett aus einer zwei Jahre älteren Doktorarbeit plagiierten Dissertation. Die absurde Übereinstimmung zeigt sich schon bei den Titeln in der DNB-Datenbank:

“Onkologische Langzeitergebnisse, Inkontinenz und Spätkomplikationen nach transperitonealer laparoskopischer radikaler Prostatektomie ohne Nerverhalt: Follow up von 700 Patienten, operiert in den Jahren 1999-2005 an der Klinik für Urologie der Charité Mitte” von Anita Lisowski (2010)

&

“Onkologische Langzeitergebnisse, Inkontinenz und Spätkomplikationen nach transperitonealer laparoskopischer radikaler Prostatektomie: Follow up von 1000 Patienten, operiert in den Jahren 1999 – 2004 an der Klinik für Urologie der Charité Mitte” von Ramin Mansour (2008)

Das ist natürlich erneut große Wissenschaftssatire – und gleichzeitig ist es ungemein verstörend, dass solche Dinge auch (gerade?) im sensiblen Bereich der medizinischen Forschung und des Umgangs mit Patientenakten erfolgen. Vergleiche zum Innsbrucker Urologie-Skandal drängen sich auf.

Und wieder sieht man anhand der aktuellen Aktivitäten im VroniPlag Wiki, dass dieses schamlose Plagiat auch an der Charité kein Einzelfall sein dürfte.

Wir bräuchten nun eine Software, die zunächst mal nach medizinischen Dissertationstitel-Doubletten, -Tripletten etc. in der Datenbank der DNB sucht. Ich finde etwa 56.503 medizinische Dissertationen zwischen 2000 und 2014, die als Online-Ressourcen verfügbar sind (das Ergebnis scheint mir zu hoch zu sein, aber die DNB-Suche spuckt das aus). Ich denke, wir würden alleine nach einer Analyse von Titel-Konkordanzen staunen – von einem intrinsischen Vergleich aller Volltexte ganz zu schweigen. Auf jeden Fall wäre dies im Moment ein höchst sinnvolles Forschungsprojekt. Wer traut sich, dafür öffentliche Fördermittel zu verlangen?

Update: Die Arbeitsweise in der Medizin gibt Rätsel auf. Dank eines Hinweises von “Matthias_H” links die Zusammenfassung einer Dissertation an der Charité aus dem Jahr 2008, rechts die Zusammenfassung einer Dissertation an der Charité aus dem Jahr 2007. Die jüngere Dissertation zitiert die ältere kein einziges Mal. Dennoch sind die Entlehnungen in der Zusammenfassung offensichtlich. Was soll das?

Textvergleich mit http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Quelle:Textvergleich. Bitte anklicken:

Zusammenfassungsdoublette_2_1

Zusammenfassungsdoublette_2_2

 

Uni Münster: Ehemaliger Informatik-Professor soll Wikipedia plagiiert haben

Sonntag, 18. Mai 2014

Dies berichtet heute exklusiv die FAZ. Es geht um den Professor in Ruhe Wolfram-M. Lippe. Sein inkriminiertes Sachbuch handelt von der Geschichte der Rechenautomaten und ist 2013 bei Springer Vieweg erschienen – hier ist das Manuskript in einer Erstfassung einzusehen.

Ich begrüße es auf alle Fälle sehr, dass nun – nach jedem neuen Politiker-Plagiatsfall – über jedes neue Sachbuch mit Plagiatsfragmenten in den Massenmedien berichtet wird. In dem gut recherchierten Bericht mit dem launigen Titel “Auch das ist Datenverarbeitung” ist nachzulesen:

“Die Online-Enzyklopädie ‘Wikipedia’ erweist sich als die vorwiegend verwendete, nicht ausgewiesene Quelle. Einfache biographische Schilderungen aus Artikeln zu Konstrukteuren mechanischer Rechenmaschinen, Pioniere der heutigen Informatik wie Jost Bürgi, Wilhelm Schickard oder Giovanni Poleni, finden sich als Versatzstücke wortwörtlich in Lippes Buch wieder.”

Aber auch weitere Webseiten wurden geplündert, wie die FAZ berichtet. Nun stellt sich wieder mal die Frage: War das der liebe Professor i. R. höchstselbst, oder hat er die jüngere Generation für sich “schreiben” lassen? Der FAZ-Artikel fußt auf einer Rezension des Buchs, die mir noch nicht vorliegt.

Nächster Wikipedia-Textklau, nächste Dissertationsdoublette – alles wie vor Jahren. Oder?

Dienstag, 29. April 2014

Der “Plagiatsjäger” gehört ja zu den paradoxen Berufen: Sein Ziel ist es, dass es ihn nicht mehr geben muss. Aber irgendwie scheint es sich mit dem akademischen Plagiarismus wie mit kriminellen Delikten zu verhalten: Sie sind systemimmanent. Da plagiiert ein Ko-Autor seiten- und kapitelweise aus Wikipedia und zumindest einer weiteren Quelle, und der betroffene C. H. Beck-Verlag schreibt in seiner konstant zweischneidig verfassten Pressemitteilung folgendes:

“Diskutiert werden sollte aber auch der Stellenwert von Wikipedia in der Wissenschaft. Jeder benutzt sie, keiner zitiert sie – das scheint bisher die Devise zu sein.”

Quelle: http://www.spiegel.de/media/media-33664.pdf

Im Klartext: Nicht der Verlag ist schuld, der nach all den öffentlichen Plagiatsdebatten auch bei einem Buch, das Mitte 2013 erschienen ist, immer noch nicht auf die Idee gekommen war, einen routinemäßigen Plagiat-Check durchzuführen (was ist daran eigentlich so schwer?). Sondern wir, die Wissenschaftler sind schuld – die wir doch alle irgendwie aus der Wikipedia abschreiben. C. H. Beck rät, man solle in Wissenschaft und Verlagswesen den “Umgang mit der Online-Enzyklopädie klären”. Das ist eine Frechheit sondergleichen! Die Diskussion, die in der ‘Wikipedistik’ schon vor Jahren, ca. zwischen 2005 und 2008 intensiv geführt wurde, hat zu folgendem Common Sense geführt:

“Da die Wikipedia ein Nachschlagewerk ist, sollte übrigens in einer wissenschaftlichen Arbeit nicht aus ihr zitiert werden.”

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Hilfe:Allgemeine_FAQ#Wie_zitiere_ich_aus_der_Wikipedia.3F

Dass ein großer deutscher Verlag so etwas nicht weiß, zeigt, wie weit man hier schon weg von der (Netz-)Realität ist. – Haben wir eigentlich jemals eine Diskussion darüber geführt, ob man in wissenschaftlichen Qualifikationsschriften oder Sachbüchern aus “Meyers Taschenlexikon” unzitiert abschreiben darf? Oder aus ihm zitieren darf? Konversationslexika dienen nur der Informationsrezeption, aus ihnen ‘darf’ man selbstredend nicht abschreiben, und zitieren kann man aus ihnen sinnvoller Weise auch nur dann, wenn das Zitat selbst (dessen Wortlaut oder Inhalt) textanalytisch zum Gegenstand der Erörterung wird, also auf zweiter Ebene quasi. 1990 war das jedem zwanzigjährigen Studenten klar. Nun, im Jahr 2014, empfiehlt C. H. Beck ernstlich eine Diskussion darüber! Der Verlag sollte sich schämen.

***

Zum zweiten Schauplatz des heutigen Tages: Der Münsteraner Mediziner-Plagiatsschmiede. Hier geht es um eine einmalige Dissertationsdoublette als Spitze des Eisbergs. Ich möchte nicht daran erinnern, dass ich ähnliche Fälle auch aus Klagenfurt, Innsbruck und Regensburg kenne und dokumentiert habe. Was verwundert, ist die ‘harte Gangart’, die dem offenbar blinden Betreuer (das Thema waren die Augen) nunmehr drohen könnte: Eine “mehrjährige Sperre des Gutachters für die Betreuung von Doktorarbeiten” sei eine mögliche Konsequenz, wird der Pressesprecher der medizinischen Fakultät der Universität Münster heute in einem Lokalmedium indirekt zitiert.

Auf gut Deutsch: Gleiche Bezahlung für weniger Arbeit. Obwohl: Viel ändern wird sich für den Betreuer wohl nicht, wenn er andere Doktorarbeiten auch so aufmerksam gelesen hat wie die inkriminierte.

***

Was ist da eigentlich los? Wir haben ein Qualitätsproblem, wir haben ein Rekrutierungsproblem, wir haben eine völlige Absenz von Kontrolle und Qualitätssicherung in der Wissenschaft. Wir haben einen Fall nach dem anderen, der dies aufzeigt. Die Fälle sind dieselben wie 2007 oder 2004. Immer wieder weisen Whistleblower wie Ihr werter Plagiatsgutachter, die VroniPlag-Rechercheure oder mutige Einzelaktivisten darauf hin. Nun droht mal wieder dem Aufdecker rechtliches Ungemach. Wer hier juristisch verfolgt werden müsste, sind jedoch die kontrollierenden Instanzen und die Plagiatoren. Wenn es denn einen Kläger gäbe.

mehrjährige Sperre des Gutachters für die Betreuung von DoktorarbeitenNeue Plagiatsvorwürfe in Münster: Mediziner soll große Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben – Münstersche Zeitung – Lesen Sie mehr auf:

http://www.muensterschezeitung.de/staedte/muenster/Neue-Plagiatsvorwuerfe-in-Muenster-Mediziner-soll-grosse-Teile-seiner-Doktorarbeit-abgeschrieben-hab;art993,2346878#plx1666941858

Der Entzug des Doktortitels sowie eine mehrjährige Sperre des Gutachters für die Betreuung von Doktorarbeiten seien aber mögliche Konsequenzen.Neue Plagiatsvorwürfe in Münster: Mediziner soll große Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben – Münstersche Zeitung – Lesen Sie mehr auf:

http://www.muensterschezeitung.de/staedte/muenster/Neue-Plagiatsvorwuerfe-in-Muenster-Mediziner-soll-grosse-Teile-seiner-Doktorarbeit-abgeschrieben-hab;art993,2346878#plx443260588

Der Entzug des Doktortitels sowie eine mehrjährige Sperre des Gutachters für die Betreuung von Doktorarbeiten seien aber mögliche Konsequenzen.Neue Plagiatsvorwürfe in Münster: Mediziner soll große Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben – Münstersche Zeitung – Lesen Sie mehr auf:

http://www.muensterschezeitung.de/staedte/muenster/Neue-Plagiatsvorwuerfe-in-Muenster-Mediziner-soll-grosse-Teile-seiner-Doktorarbeit-abgeschrieben-hab;art993,2346878#plx443260588

Der Entzug des Doktortitels sowie eine mehrjährige Sperre des Gutachters für die Betreuung von Doktorarbeiten seien aber mögliche Konsequenzen.Neue Plagiatsvorwürfe in Münster: Mediziner soll große Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben – Münstersche Zeitung – Lesen Sie mehr auf:

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Der Entzug des Doktortitels sowie eine mehrjährige Sperre des Gutachters für die Betreuung von Doktorarbeiten seien aber mögliche Konsequenzen.Neue Plagiatsvorwürfe in Münster: Mediziner soll große Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben – Münstersche Zeitung – Lesen Sie mehr auf:

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