Mit ‘Printplagiarismus’ getaggte Artikel

Krasse Fehlentscheidung im Fall Steinmeier: Gehäufte Bauernopfer-Referenzen sind für die Uni Gießen kein Plagiat

Dienstag, 05. November 2013

Meine Notiz von heute morgen: Schon heute um 13:00 will die Universität Gießen die Prüfungsergebnisse im Fall Steinmeier bekannt geben, wird hier berichtet. Meines Erachtens verheißt die doch sehr rasche Verkündigung nichts Gutes (aber nicht für Steinmeier, sondern für die Plagiatssucher). Vielleicht irre ich mich. Alle Presseanfragen bitte heute mobil unter 0043 664 13 13 444.

Update um 14:00: Die Universität Gießen will keine Täuschungsabsicht im Vorgehen Steinmeiers erkennen und belässt ihm damit den Doktortitel:

“Angesichts dieser inhaltlichen Originalität führen allein Formulierungsübereinstimmungen mit anderen Veröffentlichungen in einem bestimmten quantitativen Umfang, verschiedene Verstöße gegen Zitierregeln sowie einzelne Stellen ohne Quellenangabe, bei denen ein Versehen nicht ausgeschlossen werden kann, nicht zu einem wissenschaftlichen Fehlverhalten.”

“Die zweite Gruppe von Vorwürfen betrifft Stellen, bei denen fremde Texte übernommen wurden. Zwar würden die zitierten Quellen in den Fußnoten praktisch durchgängig offen gelegt, allerdings sei die Setzung der Fußnoten bisweilen – zumindest nach heutigen Usancen – fehlerhaft. Zu einem wissenschaftlichen Fehlverhalten werde ein solcher handwerklicher Fehler allerdings nur dann, wenn durch eine verschleiernde oder mehrdeutige Zitierweise die Urheberschaft für fremde Ideen, Argumentationen oder Erkenntnisse vorgetäuscht werden soll. Dies sei bei dem Betroffenen nicht der Fall, hieß es im Bericht des Kommissionsvorsitzenden.”

Es handelt sich hierbei um kontingente Entscheidungen, was schon die Formulierungen klar erkennen lassen. Bauernopfer-Referenzen werden von Gießen wohlwollend als “fehlerhaft” gesetzte Fußnoten interpretiert. Steinmeier hat also möglicher Weise die Zitierregeln falsch gelernt oder ist einem damals weit verbreiteten Abschreibmuster gefolgt.

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Die Überschrift von VroniPlag Wiki lautet: “Kollaborative Plagiatsdokumentation“. VroniPlag Wiki dokumentiert also (im Übrigen immer noch) bei Steinmeier keine bloßen zu interpretierenden Textkonkordanzen, sondern Plagiate – und damit, wenn diese gehäuft nachweisbar sind, wissenschaftliches Fehlverhalten. Hat sich VroniPlag Wiki damit geirrt? Hat sich Ihr werter Plagiatsgutachter schon vorher geirrt? Natürlich nicht. Der Fall zeigt nur, dass die Entscheidung, ob ein Plagiat vorliegt oder nicht, dehnbar ist, dass sie von den Universitäten einfach nicht einheitlich gehandhabt wird.

Die Uni Gießen könnte den Standpunkt vertreten: Wenn nur Bauernopfer-Referenzen gefunden werden*, also die Quellen des Abschreibens immer irgendwo (anders) angegeben wurden, dann handelt es sich um kein Plagiat. So wurde auch bei Hahn und Schwintowski (ebenfalls fragwürdigerweise!) entschieden. Eine rechtliche Grundlage oder eine Grundlage in Lehrbüchern gibt es dafür aber nicht. Nirgendwo steht geschrieben: “Sie dürfen noch ein Stück weiter ohne Anführungszeichen und Quellenangabe von jener Quelle abschreiben, aus der sie weiter oben mit Anführungszeichen und Quellenangabe zitiert haben.” Oder: “Sie dürfen bei der wörtlichen Wiedergabe ohne Anführungszeichen eine einstellige Anzahl an Wörtern pro Absatz durch Synonyme ersetzen, wenn sie irgendwo im Umfeld auf die Quelle hingewiesen haben oder einen kleinen Teil unter Anführungszeichen gesetzt haben.

Es könnte also sein, dass der Einsatz von Bauernopfer-Referenzen so weit verbreitet war und ist, dass das – zumindest bei prominenten Fällen – nicht als Plagiat gesehen wird. Das gilt es anhand einer Stichprobe älterer Dissertationen, vor allem aber auch älterer wissenschaftlicher Veröffentlichungen, die keine Qualifikationsschriften waren, zu untersuchen. Die Universität Gießen blieb diesen Beleg heute schuldig.

* Und auch das würde nicht ganz stimmen: VroniPlag Wiki hat bislang 102 Bauernopfer sowie 12 Verschleierungen und Komplettplagiate bei Steinmeier identifiziert, siehe hier.

VroniPlag Wiki und Ihr werter Plagiatsgutachter wissen: Frank-Walter Steinmeier hat plagiiert

Freitag, 11. Oktober 2013

Spätestens nach diesem Artikel war es Zeit für öffentliche Wahrheitsfindung. Und die hat – wieder einmal – VroniPlag Wiki übernommen: Seit heute findet sich eine (sicher lange noch nicht abgeschlossene) Analyse von Frank-Walter Steinmeiers Dissertation aus dem Jahr 1991 auf der VroniPlag-Hauptseite. Einmal mehr erledigt also die wichtigste Arbeit im deutschen Wissenschaftssystem eine unbezahlte und weitgehend anonyme Gruppe, während hochbezahlte Professoren wie Claus Leggewie in der FAZ Lügen verbreiten.

Das Magazin “Focus” hat mich am 4. Oktober vertraulich um eine Einschätzung von einigen Fundstellen in Steinmeiers Dissertation gebeten, die ich nun ebenfalls publizieren möchte. Ich mailte damals dem Journalisten:

“Die Diagnose ist, sofern alle skizzierten Wenn-Fälle zutreffen, eindeutig: Intentionales Plagiat. Die Intentionalität ist anhand der Umschreib- und Tilgungsarbeiten bereits am Text nachweisbar.”

Steinmeier hat sich massiv der Methode ‘Bauernopfer-Referenz’ bedient. Er hat dabei eindeutig getäuscht, weil er wiederholt Sätze aus fremder Literatur ungekennzeichnet als eigene ausgegeben hat, wie etwa:

Indessen: So überzeugende Beweise für die Genauigkeit die Demoskopie bei neueren Wahlergebnishochrechnungen auch geliefert haben mag, hier geht es nicht um die Frage ihrer Exaktheit und Praktikabilität, sondern ihrer Tauglichkeit überhaupt.

Oder:

Sowohl “Wohnunfähigkeit” als auch “Bindungslosigkeit” gehören ja schon lange zu den Kriterien entsprechender psychologischer Forschung.

Wer solche Sätze aus der Literatur einfach abschreibt oder maximal zwei Wörter umschreibt, der hat plagiiert. Wer den narrativen Duktus von anderen (“Indessen: …”, “… hier geht es nicht …”, “… gehören ja schon lange …”) mit übernimmt, der hat dies sogar recht plump gemacht. Eine schmerzliche Wahrheit, immer wieder. Schmerzlich für das gesamte universitäre System und entlarvend für jene Mechanismen, mit denen tausende Dissertationen entstanden sind. Und immer wieder irren auch viele “Experten” und Kommentatoren – oder lügen bewusst, mitunter aus parteipolitischen oder förderungstechnischen Gründen. Der Kampf um die Wahrheit geht also weiter.

Lammertplag: Nachweis der Täuschung in wesentlichem Umfang bereits erbracht

Mittwoch, 31. Juli 2013

Die Mühen des “Robert Schmidt” sind es wert, sich die Nacht um die Ohren zu schlagen. Hier also meine Einschätzung: Der Nachweis der Täuschung in wesentlichem Umfang ist mit den 42 beanstandeten Fließtext-Seiten (von insgesamt 116) bereits erbracht worden. Es ergibt sich ein eindeutiges Muster der suggerierten eigenständigen Auseinandersetzung mit Literaturquellen, Studien und Forschungsergebnissen – wobei aber durchweg andere, nicht genannte Literatur dieser Auseinandersetzung zugrunde lag. Zudem fand “Robert Schmidt” sogar isolierte, “rein” plagiierte Sätze wie etwa den folgenden:

Quelle: http://lammertplag.wordpress.com/2013/06/30/seite-100/

Was wird nun geschehen? Wird man die Verjährung von Dissertationsplagiaten nun doch einführen (bevor weitere Spitzenpolitiker fallen werden) und polizeiliche Verfolgungen von anonymen Online-Plagiats”jägern” ermöglichen? – Oder wird man endlich bekennen, dass in der Wissenschaft seit Jahren, seit Jahrzehnten, wenn nicht gar seit Jahrhunderten etwas systematisch schief läuft? Das Problem ist: Wissenschaftler und Politiker sitzen in einem Boot des Textbetrugs.

Politiker warnten gestern einhellig vor “Vorverurteilungen”. Nun, nach der Lektüre von Lammertplag sind wir längst bei der Nachverurteilung angekommen. Erschreckend, dass selbst gewisse Emeriti der Politologie die Plagiatsstellen nicht gesehen haben, sehen konnten oder wollten, bevor sie gegenüber den Massenmedien Kommentare abgegeben haben. Genau das ist Teil des Problems!

Von Guttenberg zurück zu Lammert: Das Wissenschaftsplagiat hat also eine (lange!) Tradition

Dienstag, 30. Juli 2013

“Reichen Beanstandungen in Hinweisen zu weiterführender Literatur überhaupt aus, um einen Plagiatsvorwurf zu konstruieren und diesen öffentlich zu machen?”, fragt “Der Tagesspiegel” heute. Journalisten darf man kaum vorwerfen, dass sie in der tagesaktuellen Hektik die eine oder andere Reduktion von Komplexität begehen und eben schnell mal uns, die Plagiatsexperten fragen (Ihr werter Plagiatsgutachter, ansonsten immer brav online, war heute wegen seines Urlaubs tagsüber nicht erreichbar). Bedauerlich sind dann aber vorschnelle Wortspenden, wie etwa jene meiner ansonsten wertgeschätzten Kollegin Debora Weber-Wulff: “Für die Plagiatsexpertin Debora Weber-Wulff (HTW Berlin) ist fraglich, ob man bei den beanstandeten Stellen wirklich von Plagiat sprechen kann”, ist heute ebenfalls im “Tagesspiegel” online nachzulesen. Nun ja, wenn hier korrekt zitiert wurde, muss ich ganz klar sagen: Hier handelt es sich um ein glattes Fehlurteil. Ebenfalls irrt in der Causa Lammert der ansonsten gestrenge Volker Rieble.

Wahr ist vielmehr: Herr Bundestagspräsident Norbert Lammert hat ebenfalls plagiiert. (Ob er in wesentlichem Umfang plagiiert, also getäuscht hat, dazu maße ich mir heute noch kein Urteil an. “Robert Schmidt” möge schleunigst ein Gesamt-PDF der Fundstellen online stellen.) – An der Beweisführung gibt es schon jetzt kaum etwas zu rütteln: Auf S. 2 der Buchfassung seiner Dissertation belegt Lammert ein kurzes direktes Literaturzitat (ca. einen Halbsatz) mit Fußnote 12 und einem Aufsatz von Hans-Otto Mühleisen. Auf S. 3 der Buchfassung der Dissertation taucht Mühleisen nicht mehr auf. Es beginnt auch, für den Leser klar erkennbar, eine neue Sinneinheit, nämlich ein historischer Exkurs zur Parteienforschung, für den sich Lammert zunächst auf Austin Ranney beruft. Lammert hat aber auch diese Ausführungen - sprachlich zum Teil stark paraphrasiert, aber doch ebenso deutlich als Ideenplagiat erkennbar – von dem nicht weiter referenzierten Mühleisen abgeschrieben. Ranney wird ‘gleichrangig’ wie Mühleisen zitiert – obwohl Lammert nur Mühleisen rezipiert hat, aber höchstwahrscheinlich nie Ranney. Das ist ein No-Go. Das war es auch schon 1974. Dazu ein passendes Literaturzitat:

„Wer aus zweiter Hand zitiert, setzt sich der Gefahr aus, Fehler zu übernehmen […]. [Uns] ist ein Plagiatprozeß bekannt, in dem die Übernahme eines Zitats aus zweiter Hand mit einem Zitatfehler den Nachweis für den Tatbestand des Plagiats darstellte. […] Das Zitieren aus zweiter Hand gilt vielfach als unwissenschaftlich […]. In Dissertationen, Diplomarbeiten, Staatsexamensarbeiten und Habilitationen ist diese Zitierweise strikt zu vermeiden.“ (Böttcher, Winfried/Zielinski, Johannes, 1973: Wissenschaftliches Arbeiten. Theoretische Grundlagen und praktische Einübung. Düsseldorf: Droste, S. 81.)

Ein weiterer Blick in die Lammertplag-Dokumentation zeigt: Es geht bei Lammert nicht bloß um das Vortäuschen von “weiterführender” Literaturrezeption in Fußnoten, sondern sehr wohl auch fast immer um das Umschreiben ungenannter Quellen im Fließtextbereich.

Der Entdecker des Schavan- und nunmehr des Lammert-Plagiats hat erneut mit wohl einzigartiger Akribie, Zähigkeit und Ausdauer beim Quellenvergleich gearbeitet. Der Mann (oder die Frau? oder das Team?) scheint über ein erstaunliches Zeitvolumen zu verfügen und ändert damit (leider) die Besetzungsliste der bundesdeutschen Spitzenpolitik im Moment mehr als die bundesdeutschen Universitäten.

Er hat nunmehr endgültig darauf hingewiesen, dass das Plagiat im Wissenschaftsbetrieb eine irritierende und bislang nicht freigelegte Historie hat (das ist die wahre ‘Wissenschaftsarchäologie’!). Von Guttenberg zurück zu Lammert ist es ein erstaunlicher Weg, und man könnte wohl auch ins 19. Jahrhundert oder klarerweise noch weiter zurückgehen. Das “Systemische” des Problems, gegen das ich hier seit 2010 anschreibe, wird uns einmal mehr radikal vor Augen geführt – und gleichzeitig auch das system(at)ische Schweigen der Universitäten.

Ich habe in den vergangenen Monaten zahlreiche Begutachtungen von Dissertationen durchgeführt – die älteste aus dem Jahr 1983, die jüngste aus dem Jahr 2009. Ich war Gutachter für ganz unterschiedliche Fachdisziplinen. Wenn man ganz genau hinsieht, macht man bei vielen Arbeiten eine wahrlich verstörende Entdeckung: Es wurde viel mehr ab- und umgeschrieben, als wir denken. Das in den Lehrbüchern, Promotionsordnungen und Hochschulgesetzen Untersagte ist möglicherweise nicht der Ausnahmefall der Wissenschaft, sondern die Regel.

Konsequenzen aus dem Fall Schavan

Mittwoch, 06. Februar 2013

Annette Schavan wird offenbar nicht nur von weiten Teilen der Opposition geliebt, sondern auch von den bundesdeutschen Massenmedien. Jüngere und ältere Journalisten der führenden Blätter kommentieren heute einhellig, dass der Titelentzug “falsch” bzw. “nicht richtig” sei oder Schavan “bloß nicht zurücktreten” solle. Noch heute Nacht war zu lesen, es gelte nach wie vor “bis zur endgültigen Klärung die Unschuldsvermutung“.

Mag sein, dass einige Journalisten tatsächlich ein Naheverhältnis zur Politikerin haben. Mag sein, dass andere bereits selbst der jüngeren Copy & Paste-Generation angehören und einige ältere ihre Qualifikationsschriften selbst im Modus Schavan verfasst haben. Mag aber vor allem sein, dass Journalismus halt so funktioniert, dass die Massenmedien eben jetzt einen neuen ‘Dreh’ brauchen. Guttenberg war in der Bevölkerung sehr beliebt, aber Qualitätsmedien waren ihm gegenüber immer kritisch eingestellt. Bei Schavan scheint es eher umgekehrt zu sein: Sie wird vor allem von der Qualitätspresse geliebt, von der Süddeutschen bis zur FAZ. Nun erscheint sie als Opfer universitärer Willkür.

Viel entscheidender erscheint mir jedoch das Kommunikationsversagen der Wissenschaft: Es ist ihr, so auch gestern abend bei der ‘Urteilsverkündigung’, überhaupt nicht gelungen, zu vermitteln, was ein Plagiat ist und warum das simulatorische Vorgehen von Frau Schavan, wenn es geduldet werden würde, den Wissenschaftsbetrieb früher oder später kaputt machen würde (genauer: in den vergangenen Jahren zu Teilen bereits ruiniert hat!). Zudem erlangen so laufend Menschen den Doktorgrad, die grundlegende Kompetenzen wie genaues Lesen, Zitieren, Kommentieren und Bewerten nicht beherrschen. Hat Schavan ähnliche “Flüchtigkeitsfehler” bei der Entscheidung über und Vergabe von Forschungsmillionen begangen? Letztlich züchten wir uns eine intellektuelle Kultur des Als-Ob heran, in der der Schein dominiert und die Substanz sukzessive verschwindet. Die Universität Düsseldorf hat sich gestern für einen wissenschaftsgeschichtlich bedeutenden Befreiungsschlag in die richtige Richtung entschieden.

In den Massenmedien werden wir vielleicht eher über Schavans Mutter lesen oder womöglich krude Thesen hören wie jene, dass die Universität Düsseldorf den Wissenschafts- und Forschungsstandort Deutschland mit dieser Entscheidung weltweit beschädigt und Deutschland schweren ökonomischen Schaden zugefügt habe.

Eigentlich sollten wir uns jetzt um ganz andere Dinge kümmern: Wir brauchen einheitliche Verfahren im Umgang mit Plagiatsvorwürfen, zuerst deutschlandweit, dann EU-weit. Die USA ist hier in fast allen Belangen viel weiter. Es kann nicht sein, dass eine Universität ein Plagiat nach 33 Jahren (korrekt) ahndet, andere Universitäten aber (inkorrekt) akademische Grade bei quantitativ noch umfassenderen und noch deutlicheren Plagiaten nicht entziehen und sogar paradoxe Auflagen erteilen wie etwa jene, eine plagiierte “Dissertation unverändert, aber mit korrekter Zitierweise vorzulegen”. Das macht den Wissenschaftsstandort Deutschland lächerlich und ist im Übrigen – im Gegensatz zur Schavan-Entscheidung – tatsächlich juristisch unhaltbar.

Wir brauchen weiter dringend ein deutschlandweites Institut zur Qualitätssicherung wissenschaftlicher Qualifikationsschriften. Dieses sollte nicht nur als “Kontrollbehörde” oder “Letztinstanz” fungieren, sondern selbst Forschung betreiben. Internationale Beispiele dafür gibt es einige, wie etwa das International Center for Academic Integrity. Es geht nicht an, dass irgendwelche ergrauten Emeriti unwissenschaftliche Thesen über einen angeblich korrekten Umgang mit laxen Zitaten und Plagiaten verbreiten können, während die Lehrbuchliteratur aus dem fraglichen Zeitraum etwas ganz anderes sagt (siehe mittlerweile auch das “berühmte” Beweisstück). Auch das macht die Wissenschaft lächerlich.

Und wir brauchen an jeder Universität einen “Plagiatsbeauftragten“. Erfolgreiche Pilotversuche wie die “Freiwillige Plagiatskontrolle” an der PH Freiburg können als Referenzprojekte dienen. Es ist auch ein unhaltbarer Zustand, dass ein aus Lehrenden bestehender Promotionsausschuss die mühsame Plagiatsdetektion und Quellenrekonstruktion neben der eigentlichen Arbeit, oft als eine Art abendliches Hobby mit Suchtpotenzial, erledigen muss. Wenn es Stellen für Gender-Mainstreaming gibt, sollten sich Universitäten auch Plagiatsbeauftragte leisten können.

Auf VroniPlag taucht eine plagiierte Doktorarbeit nach der anderen auf: von Anwälten, Ärzten, Wissenschaftlern, Politikern. Das wird nicht aufhören. Irgendwann werden wir bei der Zahl 100 angekommen sein. Der neue Bildungsminister wird handeln müssen. In oben skizziertem Sinne.