Mit ‘Peter Weibel’ getaggte Artikel

“Nicht im Bereich von ‘wissenschaftlichem Fehlverhalten’”

Montag, 15. November 2010

Immer wieder ganz amüsant lesen sich die Orakelsprüche der Österreichischen Agentur für wissenschaftliche Integrität. Parallel zu meinen eigenen Recherchen habe ich die ÖAWI mit der Klärung von meines Erachtens spannenden Fragen ‘beauftragt’: Ist es rechtens, wenn ein Wissenschaftler – wie Peter Weibel – seine unvollendete und nie approbierte akademische Qualifikationsschrift – wie etwa eine Dissertation – regelmäßig in Lebensläufen anführt? Und hat PW jemals in Publikationen oder in Vorlesungsverzeichnissen seinen Doktorgrad angeführt? Doch die ÖAWI ging mal wieder nicht hinein in die empirische Realität, sondern stellte “im Rahmen eines Vorverfahrens” folgendes fest: “Die vorgebrachten Vorwürfe sind nach Meinung der Kommission nicht im Bereich von ‘wissenschaftlichem Fehlverhalten’ anzusiedeln, da es nicht um die wissenschaftliche Arbeit an sich geht.” Alles gut also!

Im Zuge meiner Entdeckungen der Weibelschen Paradoxien wurde ich von mehreren Seiten auf einen anderen bösen Verdacht hingewiesen: Ein österreichischer Spitzen- und Exzellenzforscher soll sich auch schon mal einen Doktortitel, angeblich erworben in Kanada, angemaßt haben, den er dort gar nie erhalten hat. Nachdem er darauf hingewiesen wurde, verschwand der Doktorgrad schnell aus Publikationen und Webseiten… Betrifft aber nicht die wissenschaftliche Arbeit an sich, also auch alles gut.

Das Weibelsche Promotions-Doktorats-Paradoxon – Ein Weiterdreh

Sonntag, 17. Oktober 2010

Ich habe in diesem Blog aufgedeckt, dass Peter Weibel jahrelang seine angebliche Dissertation über Modallogik in seinen Lebensläufen angeführt hatte, ohne dass diese jemals eingereicht oder approbiert wurde.  Ich habe geschrieben, dass dem Peter Weibel  in der Folge von vielen ein Doktortitel angedichtet wurde. Doch ich habe mich geirrt – er hat es offenbar auch selbst getan. Ich habe mir mittlerweile einige Bücher von Peter Weibel genauer angesehen. Und wieder einmal bestätigte sich: Eine anfänglich entdeckte “Ungereimtheit” weist häufig auf mehr hin. Je genauer man sucht, desto mehr findet man.

Peter Weibel hat im DuMont-Verlag 1987 den Sammelband “Clip, Klapp, Bum” mit herausgegeben. Bereits auf Seite 1 steht in seiner Bionote: “Promotion über mathematische Logik.” Ein Fehler des Verlags, ein unautorisierter Text von Weibel? Kann vielleicht einmal passieren, aber sicher nicht zweimal hintereinander. Denn drei Jahre später erschien wieder bei DuMont ein Sammelband von Weibel, “Vom Verschwinden der Ferne”. Und in der Buchinnenklappe steht erneut: “Promotion über mathematische Logik.” Weibel ist, wie erwähnt, nicht promoviert – hätte das nicht schon beim ersten DuMont-Band auffallen müssen?

1992 erschienen zwei Bücher im Böhlau-Verlag, wieder mit herausgegeben von Peter Weibel, und wieder mit jeweils längeren Texten von ihm selbst. Ich zitiere aus dem Buch “Identität : Differenz”, Personenverzeichnis, Eintrag Weibel, S. 56: “Promotion über Modallogik.” Ich zitiere aus dem Buch “Kontinuität und Identität”, S. 404: “Promotion über mathematische Logik.” Hier findet sich Weibels nicht existierende Promotion übrigens im Verein mit besonders vielen anderen Wissenschaftlern, die eine (hoffentlich real existierende) Promotion angegeben haben.

Ich zitiere weiter ein Interview in “Texte zur Kunst”, Dezember 1998, S. 61: Vom Interviewenden wird Weibel als “promovierte[r] Mathematiker” bezeichnet.  Auf die Frage, warum er, Weibel, für die Leitung des ZKM besonders qualifiziert sei, verweist Weibel als erstes auf sich als “gelernter Mathematiker”.

Weibel hat mir geschrieben, er habe nie aktiv auf seinen Doktorgrad verwiesen. Und er hatte offenbar Recht! Das neue, noch schönere Paradoxon lautet nämlich: Er hat ja nur wiederholt auf seine Promotion verwiesen. Doch auch das ist strafrechtlich relevant.

Peter Weibel hat Begriff “promoviert” für sich selbst autorisiert

Dienstag, 28. September 2010

Eine weit verbreitete Unsitte in Blogs ist es, aus privaten Mails zu zitieren. Ich werde versuchen, das zur Beweisführung nicht zu tun, wenn es um den Nachweis der Korrektheit von Anschuldigungen wissenschaftlichen Fehlverhaltens geht. Deshalb an dieser Stelle nur so viel: Es gab in den vergangenen Tagen zahlreiche Medienberichte zur nie eingereichten Dissertation von Peter Weibel, nachdem dieser Sachverhalt in diesem Blog aufgedeckt wurde (siehe etwa hier oder hier oder hier). Bislang war die Frage offen geblieben, ob Peter Weibel nachgewiesen werden kann, dass er auch absichtlich eine Promotion angegeben hat (und nicht ‘bloß’ eine Dissertation). Dass er promoviert ist, hat er unter anderem in einem Interview mit Spiegel Online behauptet. Nun könnte sich der Redakteur hier geirrt haben, er könnte “dissertiert” mit “promoviert” verwechselt haben. Also habe ich mal genau nachgefragt. Die Antwort des Journalisten: Er besitzt eine Mail mit den Änderungswünschen von Peter Weibel – nach einem knapp zweistündigen Interview. Der Begriff “promoviert” wurde dabei von Weibel selbst autorisiert. Peter Weibel hat sich also nicht nur jahrelang mit einer nie fertig gestellten, nie eingereichten und nie approbierten Dissertation geschmückt, sondern auch mit einer Promotion. Darf nun immer noch nicht von Titelbetrug gesprochen werden?

Das Weibelsche Dissertations-Doktorats-Paradoxon (WDD-Paradoxon)

Freitag, 24. September 2010

Die perfekte Lebenslüge ist jene, die ausnahmslos in den Köpfen der anderen entsteht, bei der der Täuscher vordergründig nicht die Unwahrheit sagt und darauf vertrauen kann, dass diese erst durch eine Konnotation oder durch die Verbindung von Informationen beim Leser/Hörer konstruiert wird. Man betrachte dazu den Screenshot aus einem aktuellen Konzeptpapier für den Antrag eines DFG-Sonderforschungsbereichs (S. 174). Peter Weibel hat, wie hier angegeben ist, eine “Dissertation über mathematische Logik (Modallogik)” verfasst und trägt (folglich?) den Doktorgrad: “Prof. Dr.”.
Nur Peter Weibel, ohne Zweifel einem der genialsten Männer der Welt, kann es gelingen, dass die folgenden Fakten nicht im Widerspruch zu den Angaben in der Biographie stehen:
1. Es gibt keine Dissertation von Peter Weibel an der Universität Wien und auch an keiner anderen Universität der Welt.
2. Peter Weibel hat nie einen Doktorgrad erworben, hat diesen auch nie beansprucht bzw. selbst angegeben.
Zur Auflösung dieser vermeintlichen doppelten Paradoxie:
Peter Weibel hat seine Dissertation zwar (Eigenangaben zufolge) geschrieben, aber nie zur Approbation eingereicht. Folglich gab es auch nie ein Rigorosum und nie die Verleihung eines Doktortitels. Formal betrachtet ist er Studienabbrecher. Der Schachzug ist, dass Weibel in seinem Lebenslauf immer nur auf die ‘Existenz’ einer Dissertation verwiesen hat und auf nichts darüber hinaus. Damit führt er ein neues Wording in die akademische Welt ein: Wer behauptet, es gebe von ihm eine Habilitationsschrift zum Thema X, der behauptet damit gerade nicht, dass er auch habilitiert sei. – Die Promotion oder den Doktortitel (oder im Falle einer Habilschrift die Dozentur), das haben die anderen dazukonstruiert.
Den Rest klärt eine einfache Google-Recherche. Weibel wendet den Trick, nur seine (real bei ihm zu Hause offenbar existierende, aber akademisch bislang unbekannte/unverwertete) Dissertation, aber keine Promotion anzugeben, zumindest seit fast 20 Jahren an, siehe einen “ars electronica”-Katalog aus dem Jahr 1992, der von Weibel selbst mit herausgegeben wurde. Er kann sich zurücklehnen und sagen: Ein kleiner Gag von mir, die Promotion und meinen Doktortitel habt ihr mir alle angedichtet auf Grund einer wahren Angabe von mir.
Doch wie wahr ist selbst die Angabe der Dissertation? Ist eigentlich eine nicht-eingereichte Dissertation schon eine Dissertation? Jeder könnte ja auf ein Konvolut seiner Texte “Dissertation” draufschreiben. Weibel betrachtet seine Dissertation (bis heute) als unfertig, wie er selbst sagt. Dann hätte er aber in allen Bionoten schreiben müssen: “Peter Weibel schreibt derzeit seine Dissertation über Modallogik” anstelle von “schrieb”. Peter Weibel, der ewige Dissertant.

PS: Im Diskussionsbereich zu Weibels Wikipedia-Eintrag behauptet gar jemand, dass er Weibels Dissertation geschrieben hat. Dieser Jemand ist, wie eine Google-Recherche unschwer ergibt, der Wiener Mathematiker Werner DePauli-Schimanovich. Nun gehört das aber sicher in die Gerüchteküche und kann weder bewiesen noch widerlegt werden.