Mit ‘Ombudsman’ getaggte Artikel

Was haben die deutschen Universitäten eigentlich aus den Plagiatsfällen gelernt? Offenbar nichts!

Mittwoch, 24. Juli 2013

Ihrem werten Plagiatsgutachter erscheint seine Sache immer wieder wie ein Kampf gegen die Windmühlen. So auch heute, nach einer meines Erachtens verstörenden Mail des für die Selbstkontrolle der Wissenschaft zuständigen Professors der Universität München. Es ist nicht das erste Mal, dass ich auf eine hoffentlich einigermaßen präzise Recherche und den Versuch einer Interpretation einfach keine klare Antwort bekomme, dass Dinge irgendwie entschieden (das heißt in neun von zehn Fällen: abgeschmettert) werden, ohne diese Entscheidungen zu begründen. Vor allem das Fehlen von Begründungen scheint ein beliebtes Stilmittel zu sein, und es führt Wissenschaft einmal mehr ad absurdum.

Und genau aus diesem Grund publiziere ich den folgenden Mailverkehr – und werde das auch weiterhin tun, solange Ombudspersonen nicht einmal klare Mails schreiben können oder wollen.

Meine Mail von heute:

Von: Stefan Weber [mailto:weber@plagiatsgutachten.de]
Gesendet: Mittwoch, 24. Juli 2013 07:48
An: ‘matthias.krueger@jura.uni-muenchen.de’
Betreff: Bitte um Klärung eines Sachverhalts

Sehr geehrter Prof. Krüger,

ich bitte Sie in Ihrer Funktion als für die Selbstkontrolle der Wissenschaft an der Universität München Zuständiger um Klärung des folgenden Sachverhalts:

Herr Dr. Klaus Metzl hat 2000/2001 seinen Doktorgrad an der Katholisch-Theologischen Fakultät erworben, aber seine Promotionsschrift erst 2007 veröffentlicht, siehe den Datensatz https://portal.dnb.de/opac.htm?method=showFullRecord&currentResultId=Klaus+Metzl%26any&currentPosition=0. Das Buch mit den entsprechenden Jahreszahlen liegt mir vor.

Wenn ich § 24 der Promotionsordnung (http://www.kaththeol.uni-muenchen.de/studium/nichtmodul/promotion/fassungen/deutsche.pdf) richtig interpretiere, hätte er den Doktorgrad seit spätestens 2005 nicht mehr führen dürfen, da er seine Doktorarbeit nicht binnen der von der Promotionsordnung maximal vorgeschriebenen Frist von vier Jahren veröffentlicht hat:

“§ 24 Veröffentlichung

(1) Nach Bestehen der Doktorprüfung ist binnen zwei Jahren, gerechnet von dem Tag der Aushändigung des Prüfungszeugnisses an, die veröffentlichte Doktorarbeit der Katholisch-Theologischen Fakultät vorzulegen. Die Veröffentlichung erfolgt in dem Umfang und mit den Änderungen, die vom Promotionsausschuß festgesetzt worden sind. Ausnahmen bedürfen der Zustimmung des Promotionsausschusses.

(2) Der Vorsitzende des Promotionsausschusses kann die Frist zur Ablieferung der veröffentlichten Doktorarbeit auf Antrag des Bewerbers um höchstens zwei Jahre verlängern.

(3) Versäumt der Bewerber die Frist, so erlöschen alle durch die Doktorprüfung erworbenen Rechte.”

Der Satz aus § 24 Abs. 1 „Ausnahmen bedürfen der Zustimmung des Promotionsausschusses“ kann sich m. E. nur auf den diesem Satz vorhergehenden Satz beziehen, weil sonst Abs. 2 sinnlos wäre (wenn eine Fristverlängerung auch um 5 oder 6 Jahre möglich wäre und diese auch unter die „Ausnahme“ fallen würde, bräuchte es § 24 Abs. 2 nicht).

Soweit meine Interpretation mit der Bitte um Ihre Rückmeldung.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

PD Dr. Stefan Weber Sachverständiger für wissenschaftliche Texte

http://plagiatsgutachten.de http://plagiarismreports.com

Institut für Autorschafts- und Zitatsforschung http://iazf.de

Ich habe hier niemandem etwas unterstellt – ich habe nur darum gebeten, meine Interpretation zu kommentieren. Und hier die Antwort (übrigens signaturfrei):

Sehr geehrter Herr PD Dr. Weber,

ich kann in Ihrem Vorwurf kein wissenschaftliches Fehlverhalten im Sinne der einschlägigen LMU-Richtlinien ausmachen.

Mit freundlichen Grüßen.

Matthias Krüger

—-

Wenn ich jemandem maile “Ich kann kein Plagiat ausmachen”, dann begründe ich das seit Jahren – auch bei unbezahlten Reaktionen auf Anfragen. Das ist sozusagen ein “kommunikatives Minimum”, das verlangt der Anstand. Herr Professor Krüger, sicherlich ein bestbezahlter juristischer Wissenschaftler, macht sich nicht einmal diese Mühe. So kommuniziert man nicht.

Das führt mich zu einer längst überfälligen generellen Kritik am bundesdeutschen Ombudswesen.

- Versuchen Sie einmal, auf den Webseiten führender deutscher Universitäten den Ombudsman bzw. das Ombudsgremium für gute wissenschaftliche Praxis zu finden. Einen Menüpunkt “Gleichstellung” finden Sie fast immer weit oben im Organigramm; das so wichtige, wenn nicht überhaupt zentrale Thema der Qualitätssicherung wissenschaftlichen Arbeitens wird indes gut versteckt. Schon alleine das spricht Bände. Meistens muss man interne Suchmaschinen bemühen und “Gute wissenschaftliche Praxis”, “Selbstkontrolle” oder “Ombud” eintippen – manchmal kommt man nicht einmal dann zum Ziel.

- Die millionenschwere DFG ist bis heute nicht einmal in der Lage, ein benutzerfreundlich durchsuchbares Verzeichnis der Ombudspersonen deutscher Universitäten ins Netz zu stellen, siehe den Link zum Excel-Dokument unten auf der Webseite des Ombudsmans für die Wissenschaft.

Es tut mir leid, wenn ich nach diversen abgeschmetterten oder gänzlich unbeantworteten Anfragen an Ombudspersonen (es gibt zumindest zwei nie weiter verfolgte Plagiatsverdachtsfälle) das Gefühl bekomme, die Wissenschaft will auch weiterhin mit Verdachtsfällen wissenschaftlichen Fehlverhaltens nichts zu tun haben. Dann darf sie sich aber nicht wundern, wenn das andere, etwa im Netz, übernehmen. Ein Armutszeugnis für die Wissenschaft.

Vielleicht unterstelle ich auch zu viel Intentionalität. Womöglich geht es einfach nur darum, die Kritiker zu verarschen, sie auszubremsen, Zynismus walten zu lassen.

Nur sehr wenige Plagiatsfälle beim DFG-Ombudsman

Sonntag, 11. Juli 2010

Der Ombudsman der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat seinen Jahresbericht 2009 hier online veröffentlicht. Darin verwundert die doch sehr geringe Anzahl an gemeldeten und aufgegriffenen Plagiatsfällen. Im Bericht ist auf Seite 5 zu lesen:
“Im Jahr 2009 lagen uns 4 Hinweise auf Plagiate vor, von denen wir bisher 3 als Fälle aufgegriffen haben.”
Da fragt man sich schon: Haben die Universitäten, hat die akademische Szene das Plagiatsproblem schon so gut im Griff, ist es weitgehend eingedämmt? Oder wenden sich nur wenige (und von Jahr zu Jahr immer weniger) Personen an die Vertrauensgremien der Forschungsgemeinschaften und Förderungsfonds? Meine eigenen Zahlen legen jedenfalls letztere Interpretation nahe: Vier Hinweise auf Plagiate erhalte ich im Schnitt alle zwei Monate, und daraus entwickeln sich durchschnittlich alle drei Monate drei neue Fälle.
Nicht nur der Ombudsman der DFG, auch das österreichische Pendant beim FWF, die Agentur für wissenschaftliche Integrität, hat einen neuen Webauftritt. Unter dem Menüpunkt “Downloads” warte ich gespannt auf deren ersten Jahresbericht, denke aber, dass auch hier nicht dem Rat Volker Riebles (Buch “Das Wissenschaftsplagiat”) gefolgt werden wird, Ross und Reiter beim Namen zu nennen.