Mit ‘Habilitation’ getaggte Artikel

Plagiatsforschung und -begutachtung: Kleines Update vor der Sommerpause 2013

Montag, 22. Juli 2013

* Das nächste Buch Ihres werten Plagiatsgutachters wird den Titel “Plagiatsforschung. Eine Herausforderung für die Wissenschaft” tragen. Es wird 2014 bei einem renommierten deutschen Verlagshaus erscheinen, nähere Informationen folgen im Herbst. Zielgruppe sind primär Lehrende an Schulen und Hochschulen. Ein Buch zum Thema “Richtig Zitieren – Nicht Plagiieren” mit der Zielgruppe der Schüler und Studenten wird als nächstes in Angriff genommen werden.

* Nach einem Aufruf hier im Blog habe ich zwei neue Mitarbeiter gewonnen – einen versierten Kulturwissenschaftler und einen versierten Naturwissenschaftler. Ich freue mich weiter über Bewerbungen, denn es gibt auch weiterhin jede Menge zu tun – sowohl im Bereich der ‘Automatisierung’ von Arbeitsschritten wie Scannen und Durchgoogeln als auch im Bereich der intelligenten Textsuche und Fundstelleninterpretation, zwei Felder, die immer noch nur Menschen bearbeiten können.

* Für die Plagiatsdetektion Ihres werten Plagiatsgutachters hat ein Informatiker eine eigene Plagiatsfindungssoftware entwickelt, die ab sofort neben den üblichen Softwaresystemen wie PlagScan, SIM_TEXT oder WCopyfind standardmäßig zum Einsatz kommt. Eine wesentlich ‘höhere Ausbeute’ ist damit garantiert, wie ein Musterfall gerade eindrucksvoll bewiesen hat.

* Dr. (?) Rudolf Haberleitner hat mich bis dato nicht geklagt. Stattdessen erhielt ich Post von der letzten noch ausstehenden Instanz der Harvard University: “We regret to inform you that we do not have record of Rudolf Haberleitner receiving a Harvard Business School Doctor of Business Administration degree.”

* Auch Dr. Katrin Döveling hat mich bislang nicht geklagt und auch keine von ihr wiederholt angekündigte Gegendarstellung zu meinen Plagiatsvorwürfen publiziert. Stattdessen gewährt ihr die Exzellenz-TU Dresden offenbar ein Habilitationsstipendium (und dies, obwohl die Habilitationsschrift laut IfK schon vor mehr als einem Jahr fertig gewesen sein muss): “I equally sincerely and wholeheartedly thank the TU Dresden for my ‘Habilitiation research grant’ following my substitute professorship.” Ganz offensichtlich war hier eine Überarbeitung der Zitierweise notwendig geworden ;-).

Uni Innsbruck: Außerordentliche Professur trotz Eigenplagiats und unethischer Autorschaften

Sonntag, 13. Mai 2012

Der Fall Obwexer/Hummer an der Universität Innsbruck ist nicht nur in diesem Blog immer wieder erwähnt worden. Nun ist er um eine Facette reicher: Zum Vorwurf des Eigenplagiats in der Habilitationsschrift (rund ein Drittel ebendieser stimmten in der Erstfassung wörtlich und ohne jeden Hinweis mit der Dissertation des Habilitanden Obwexer überein) kommt nun auch noch mehrfache unethische Autorschaft dazu, und zwar wieder mit dem Diplomarbeits-, Doktor- und Habil-’Vater’ Hummer. Im Publikationsverzeichnis des umstrittenen Europarechtlers Obwexer macht unter anderem folgendes stutzig:

Quelle: http://www.uibk.ac.at/europarecht/mitarbeiter/downloads/publikationsliste-09_2011.pdf, S. 5

Nun heißt es aber in den “Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis” der Universität Innsbruck unter III. Regeln, Punkt 5, “Autorenschaft”:

“Die Nennung als Autorin/Autor oder Co-Autor/in hat die tatsächliche Beteiligung am Zustandekommen einer Veröffentlichung widerzuspiegeln. Eine Autorenschaft wird dann begründet, wenn jemand wesentlich zum Forschungsplan, zur Durchführung der Forschungsarbeiten, zur Auswertung und/oder Interpretation der Ergebnisse oder zur Ausarbeitung des Manuskriptes beigetragen hat. Die Leitung der Einrichtung, in der das Forschungsvorhaben durchgeführt wurde, ein Vorgesetztenverhältnis, die Finanzierung der Untersuchungen oder das Lesen des Manuskriptes können eine Autorenschaft nicht begründen. Die Universität Innsbruck lehnt zudem jede Art der Ehren-Autorenschaft (honorary authorship) strikt ab.”

Diese Regel hinderte die Universität Innsbruck offenbar nicht daran, genau das in ihren eigenen Reihen, noch dazu unter Habilitierten, zu tolerieren. Oder bedeuten die mehrfachen Hinweise in der Publikationsliste, dass man dem Duo Obwexer/Hummer auch bezüglich dieser Praxis auf die Schliche gekommen ist? Dann mag man sich langsam fragen, was hier noch alles faul ist. So oder so: Nirgendwo spielen Ethik und Redlichkeit in der Wissenschaft eine geringere Rolle als an der Universität Innsbruck.

Neubewertung von Selbstplagiaten?

Montag, 11. April 2011

Auf eine hochinteressante Nachricht hat mich gerade der Wissenschaftsjournalist Hermann Horstkotte hingewiesen: Die Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität, die erst heute eine Stellungnahme zum Umgang mit Plagiaten publiziert hat und Österreichs Universitäten vor einer “falsch verstandenen Solidarität” mit Plagiatoren warnt, hat offenbar nun doch eine Verletzung der guten wissenschaftlichen Praxis in einem Fall erkannt, der schon vor einigen Jahren in den Medien aufgegriffen wurde. Der Europarechtler Walter Obwexer hat dutzende Seiten seiner Habilitationsschrift wörtlich aus seiner eigenen Dissertation entnommen, ohne darauf hinzuweisen. Horstkotte schreibt auf “Zeit online”:

“Eine geistige Etage höher, macht gegenwärtig die Uni Innsbruck eine ähnlich riskante Affäre durch. Ein Jurist stützte seine Habilitationsschrift für den Hochschullehrerberuf ohne jeglichen Hinweis zu fast einem Drittel auf seine frühere Doktorarbeit. Im laufenden Prüfverfahren wurde die vorliegende Qualifikationsschrift durch eine Neufassung mit den nötigen Nachweisen ersetzt. Die offizielle ‘Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität’ sieht mit Bescheid vergangener Woche darin ‘die Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis verletzt’.”

Das ist eine durchaus erstaunliche Einschätzung. Bislang hat man bei solchen Formen des Selbst- oder ‘Autoplagiats’ immer ein Auge zugedrückt, hier waren offenbar der Umfang der Übernahme und das akademische Level einer Habilitationsschrift entscheidend. Die Universität Innsbruck ließ aus Anlass des Falls Obwexer ein Gutachten im eigenen Haus erstellen (erschienen als Paper 2009), das sich mit der Unhaltbarkeit des Begriffs des Selbstplagiats beschäftigt. Die Rüge der ÖAWI scheint dem zu widersprechen, und streng genommen hätte die Universität Innsbruck, auf der übrigens auch ein emeritierter Geologe gerne mal sehr ordentlich plagiiert (aber nicht von sich selbst, sondern schön von anderen), dann schon ihren nächsten Fall: Auch ORF-Starmoderator Armin Wolf hat in seiner in Innsbruck approbierten Dissertation mindestens 25 Seiten unzitiert und unbelegt aus seiner eigenen Diplomarbeit übernommen (das habe ich selber schon vor Jahren überprüft). Wo und wie ziehen wir die Grenze?