Mit ‘Ghostwriter’ getaggte Artikel

Neue Geschäftsfelder für die Plagiatsprüfung: Jenseits der Dissertationsautopsie

Dienstag, 11. Februar 2014

Der Klassiker der Plagiatsprüfung ist ja immer noch die Dissertation, die zwischen ca. 1975 und heute verfasst wurde. In den vergangenen Monaten hat sich allerdings das Geschäftsfeld Ihres werten Plagiatsgutachters mehr oder weniger ‘von selbst’ erweitert:

* Zunehmend kamen die Anfragen und Aufträge auch aus der Wirtschaft: Von plagiierten Unternehmenswebsites über Imagefolder bis zu Projektexposés und Patentschriften. Interessant und neu war die Erfahrung, dass mitunter auch dort plagiiert wird, wo es gerade um den Schutz geistiger Eigentumsrechte gehen sollte. Ein Auftrag erforderte das Einbeziehen und Bewerten von Lizenzvereinbarungen – ein spannendes neues Betätigungsfeld jenseits des akademischen Plagiarismus. Ihr Plagiatsgutachter stellt somit klar: Er ist auch hiefür zuständig.

* Zunächst erschienen mir Anfragen zu plagiierten Handtaschen, Sportschuhen u. ä. Produkten kurios und ich war verwundert, dass man mich hier kontaktierte. Bei einer Anfrage wurde ich auf folgendes hingewiesen: Ebay mailt allen, die mutmaßliche Produktplagiate melden, diese Empfehlungen: “1. Bitte wenden Sie sich an einen Händler, Sachverständigen, Gutachter oder eine andere unabhängige Organisation. 2. Lassen Sie sich bitte schriftlich die erhebliche Abweichung von der Produktbeschreibung bestätigen. [...]” Offensichtlich gibt es noch keinen professionellen Gutachter oder Sachverständigen für Produktplagiate, weshalb ich kurzerhand beschlossen habe, auch dieses Geschäftsfeld ab sofort zu übernehmen, insoweit ich Abweichungen mit Bildersuchen verifizieren kann.

* Gutachten über Gutachten (‘Gutachten zweiter Ordnung’): In einem Fall hatte ich ein Gerichtsgutachten gerichtsfest auf Plagiate zu überprüfen. Der Fall zeigte mir: Auch Gerichtsgutachten müssen die grundlegenden Standards der Referenzkultur beachten und vor allem urheberrechtlich unangreifbar sein. Auch hier tut sich womöglich ein neues Geschäftsfeld auf: Gutachten von Sachverständigen (Wirtschaft, Medizin, Psychologie,…), die vom Textsachverständigen geprüft werden. – In Salzburg wurde einmal ein Fall aufgedeckt, bei dem ein Gutachter immer wieder sich selbst plagiiert hat.

* Neu waren und sind für mich weiter Fälle, bei denen stilometrische Beurteilungen bzw. authorship verifications vorzunehmen sind: Ihr Gutachter erhält Texte und Referenztexte und soll nun beurteilen, ob alle Texte aus einer Hand stammen. Hier kann Text-mit-Text-Vergleichssoftware wertvolle Unterstützung leisten. Das Spektrum der Überprüfungen reichte vom Ghostwriter-Verdacht (immer schwierig!) bis zum anonymen Schreiben, das einer Autorschaft zugeordnet werden soll.

* Am nachhaltigsten erscheint mir aber derzeit die Zusammenarbeit mit einem Dresdner Unternehmen, das eine neuartige Texterkennungs- und intelligente Plagiatserkennungssoftware (inkl. Synonymplagiatsdetektion) marktfähig machen will. Einen Prototypen dieser Software setze ich bereits probehalber seit einiger Zeit bei nahezu allen Plagiatsprüfungen ein.

Seine Mission sieht Ihr werter Plagiatsgutachter in Zukunft dann nicht mehr im öffentlichen Aufdecken von Fällen, sondern im professionellen Unterstützen in den Bereichen der Plagiatsprävention und -detektion. Das Problem wurde von mir, VroniPlag (dort übrigens gerade Fall Nr. 64!) und Co. nun mit aller Deutlichkeit aufgezeigt. Jetzt geht es darum, dass die öffentlichen Institutionen auch Farbe bekennen, wenn man den konstruktiven Dialog (wieder) sucht: für eine ehrliche Wissenschaft, lückenlose Plagiatsprävention und -detektion und eine Einhaltung der grundlegenden Arbeitstechniken.

Wissenschaftsminister findet akademisches Ghostwriting ok

Dienstag, 24. Mai 2011

Die “Salzburger Nachrichten” berichteten heute über eine auch in Salzburg ansässige Firma für akademisches Ghostwriting. Darauf hin eine klare Frage eines ORF-Journalisten im Ö1-Mittagsjournal an den (von der ÖVP nominierten) derzeitigen Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle:
“Es gibt bereits eine Firma in Salzburg, die wissenschaftliche Arbeiten für andere schreibt. Soll man das rechtlich verbieten?”
Töchterle:
“Wenn die wissenschaftlichen Arbeiten nicht in Betrugsabsicht geschrieben werden – und das nehme ich nicht an…” (Nachzuhören im Audio-File)
Wie viel Ahnung haben eigentlich unsere Regierungsspitzen?

Die Cultural Studies und das Copy-Paste-Syndrom

Donnerstag, 19. Mai 2011

Ein totgeglaubtes Thema kehrt zurück. Prof. Lothar Mikos mag keine Plagiats-Wikis. – Wer ist Lothar Mikos? Nähere Informationen finden sich auf seiner optisch wie inhaltlich sensationellen Webseite. Ich glaube, er gehört im weiteren Sinne den so genannten “Cultural Studies” an. Der Name tauchte für mich das erste Mal auf, als Lothar Mikos externer Erstbegutachter einer Diplomarbeit wurde, die von der Klagenfurter gekündigten Assistentin und Plagiatorin von “Wickie und die starken Männer” verfasst wurde. Wie von Geisterhand lernte die Dame in der neuen Arbeit nicht nur wissenschaftliches Zitieren, sondern auch eine sehr anständige Wissenschaftsprosa mit elaborierten Diskursbegriffen wie “Kondemnation” und anderen im Fließtext. Also: Lothar Mikos ist ein Spitzenmann! Er hat einer Plagiatorin flugs redliche Wissenschaft beigebracht! Und deshalb ist es auch sein gutes Recht, dieses gegenwärtige Denunziantentum abzulehnen. Richtig?

Seminar zu Fälschung, Betrug und Plagiat

Freitag, 21. Januar 2011

Es sind schon merkwürdige Zeiten. Weiterhin große Funkstille oder sogar aktives Leugnen von glasklaren Plagiatsfällen an einigen, insbesondere österreichischen Universitäten, und weiterhin keine Bereitschaft zur Weiterrecherche bei begründeten Verdachtsfällen wissenschaftlichen Fehlverhaltens bei der österreichischen Agentur für wissenschaftliche Integrität.
Dagegen gibt es fast wöchentlich neue Meldungen über mutmaßliche naturwissenschaftliche Fälschungen im größeren Stil, oder man liest etwas dubiose Interviews mit sich outenden Ghostwritern, die angeblich schon mehreren zu einem akademischen Grad verholfen haben. Würde Ihr Gutachter nicht “seine” Fälle rein anhand von Textvergleichen eindeutig beweisen können, könnte man glatt glauben, wissenschaftliches Fehlverhalten und Plagiarismus seien nichts weiter als massenmediale Konstruktionen, wenn nicht Erfindungen.
Währenddessen hat Ihr Gutachter erneut eine Expertise zu einer Dissertation fertig gestellt, die einigen Sprengstoff enthält. Und im Sommersemester, am 10. und 11. März 2011, gibt es an der Universität für angewandte Kunst Wien auch ein Seminar Ihres Plagiatsdetektors zu Fälschung, Betrug und Plagiat in Wissenschaft und Kunst.

Das Weibelsche Dissertations-Doktorats-Paradoxon (WDD-Paradoxon)

Freitag, 24. September 2010

Die perfekte Lebenslüge ist jene, die ausnahmslos in den Köpfen der anderen entsteht, bei der der Täuscher vordergründig nicht die Unwahrheit sagt und darauf vertrauen kann, dass diese erst durch eine Konnotation oder durch die Verbindung von Informationen beim Leser/Hörer konstruiert wird. Man betrachte dazu den Screenshot aus einem aktuellen Konzeptpapier für den Antrag eines DFG-Sonderforschungsbereichs (S. 174). Peter Weibel hat, wie hier angegeben ist, eine “Dissertation über mathematische Logik (Modallogik)” verfasst und trägt (folglich?) den Doktorgrad: “Prof. Dr.”.
Nur Peter Weibel, ohne Zweifel einem der genialsten Männer der Welt, kann es gelingen, dass die folgenden Fakten nicht im Widerspruch zu den Angaben in der Biographie stehen:
1. Es gibt keine Dissertation von Peter Weibel an der Universität Wien und auch an keiner anderen Universität der Welt.
2. Peter Weibel hat nie einen Doktorgrad erworben, hat diesen auch nie beansprucht bzw. selbst angegeben.
Zur Auflösung dieser vermeintlichen doppelten Paradoxie:
Peter Weibel hat seine Dissertation zwar (Eigenangaben zufolge) geschrieben, aber nie zur Approbation eingereicht. Folglich gab es auch nie ein Rigorosum und nie die Verleihung eines Doktortitels. Formal betrachtet ist er Studienabbrecher. Der Schachzug ist, dass Weibel in seinem Lebenslauf immer nur auf die ‘Existenz’ einer Dissertation verwiesen hat und auf nichts darüber hinaus. Damit führt er ein neues Wording in die akademische Welt ein: Wer behauptet, es gebe von ihm eine Habilitationsschrift zum Thema X, der behauptet damit gerade nicht, dass er auch habilitiert sei. – Die Promotion oder den Doktortitel (oder im Falle einer Habilschrift die Dozentur), das haben die anderen dazukonstruiert.
Den Rest klärt eine einfache Google-Recherche. Weibel wendet den Trick, nur seine (real bei ihm zu Hause offenbar existierende, aber akademisch bislang unbekannte/unverwertete) Dissertation, aber keine Promotion anzugeben, zumindest seit fast 20 Jahren an, siehe einen “ars electronica”-Katalog aus dem Jahr 1992, der von Weibel selbst mit herausgegeben wurde. Er kann sich zurücklehnen und sagen: Ein kleiner Gag von mir, die Promotion und meinen Doktortitel habt ihr mir alle angedichtet auf Grund einer wahren Angabe von mir.
Doch wie wahr ist selbst die Angabe der Dissertation? Ist eigentlich eine nicht-eingereichte Dissertation schon eine Dissertation? Jeder könnte ja auf ein Konvolut seiner Texte “Dissertation” draufschreiben. Weibel betrachtet seine Dissertation (bis heute) als unfertig, wie er selbst sagt. Dann hätte er aber in allen Bionoten schreiben müssen: “Peter Weibel schreibt derzeit seine Dissertation über Modallogik” anstelle von “schrieb”. Peter Weibel, der ewige Dissertant.

PS: Im Diskussionsbereich zu Weibels Wikipedia-Eintrag behauptet gar jemand, dass er Weibels Dissertation geschrieben hat. Dieser Jemand ist, wie eine Google-Recherche unschwer ergibt, der Wiener Mathematiker Werner DePauli-Schimanovich. Nun gehört das aber sicher in die Gerüchteküche und kann weder bewiesen noch widerlegt werden.