Mit ‘FWF’ getaggte Artikel

Die “marktschreierische Wichtigtuerei selbsternannter Plagiatsjäger”?

Montag, 08. Oktober 2012

Im Zuge meiner Recherchen zur Ignoranz der Themen gute wissenschaftliche Praxis und Plagiarismus bei führenden österreichischen Wissenschaftsorganisationen stieß ich erst gestern auf einen schon etwas älteren Kommentar des FWF-Präsidenten Christoph Kratky. Das ist schon ein starkes Stück! Schuld sind offenbar die in der Sache nicht kompetenten Politiker, vor allem aber die “selbsternannten Plagiatsjäger”. Da es zum Zeitpunkt des Kommentars erst einen dieser Spezies gab, werde damit wohl ich gemeint sein.

Wen bedient dieser Kommentar von Kratky, wen spricht er an? Man lese die Untertöne. Auf einen Schlag wurde mir klar, dass es Kratky und dem FWF gerade nicht darum geht, Plagiate zu verhindern oder zu ahnden, sondern jenen nach dem Maul zu reden, die selbst plagiiert haben und weiter ihre Ruhe haben wollen: von Ex-Wissenschaftsminister Hahn über eine plagiierende UMIT-Rektorin bis zum plagiierenden Vizerektor der Montanuniversität Leoben. Sie alle saßen und sitzen in jenen Gremien, deren einziges Interesse Stillstand und Zudecken ist. Und diversen Politikern Unkenntnis in der Sache vorzuwerfen, lenkt wohl auch nur davon ab, dass einige Universitäten in Sachen Qualitätssicherung auch nicht bis drei zählen können, siehe meine gestrigen Entdeckungen an der Universität Klagenfurt.

Ein Trauerspiel, wie man es in Österreich gewöhnt ist. Obwohl es in Deutschland nicht viel besser ist, findet sich dort zumindest das Thema “gute wissenschaftliche Praxis” auf der Startseite der DFG. Beim österreichischen Pendant FWF ist nur Gender Chefsache. Grauslich. Die Frage ist und bleibt offen, wie man das System am besten verändern kann. Als Mitläufer von innen sicher nicht.

Plagiatsprävention als Qualitätssicherung – nur: Wo findet sie statt?

Sonntag, 07. Oktober 2012

Für ein Gutachten begab ich mich heute auf die Suche nach einer von der Wissenschaftlergemeinschaft in Österreich anerkannten Definition von “guter wissenschaftlicher Praxis” und “Plagiat”. Meine erste Anlaufstelle: Die Webseite des Forschungsförderungsfonds FWF. Da staunt man nicht schlecht: Von “guter wissenschaftlicher Praxis” oder auch nur einer Erwähnung des Worts “Plagiat” keine Spur (sofern die interne Suche funktioniert hat). Schon auf der Startseite findet sich zwar der Menüpunkt “Gender”, aber nichts zu Ethik, guter wissenschaftlicher Praxis oder Qualitätssicherung – was doch eigentlich in der Wissenschaft das Wichtigste sein sollte, oder nicht?

(Quelle: http://www.fwf.ac.at)

Unter “Zur Diskussion” versuchte ich dann, irgend ein Dokument oder Positionspapier des FWF zu finden. Denkste! Das erste File widmet sich schon wieder der Gender-Thematik und heißt “Does Gender Matter in Grant Peer Review?“. Schließlich fand ich im gut versteckten Leitbild des FWF doch noch einen Satz zur guten wissenschaftlichen Praxis, allerdings als letzten Punkt, und wieder nach “Gender Mainstreaming”.

Sind das die Prioritäten des FWF? Irgendwie passt das zu den regelmäßig bei mir eintrudelnden FWF-Hochglanzmagazinen, in denen permanent weibliche Wissenschaftler, die auch Mütter sind, mitunter peinlich hervorgehoben werden. Möchte der FWF nicht mal einen Bericht über einen wickelnden und forschenden Mann machen? Da würde sich etwa Ihr werter Plagiatsgutachter anbieten. Er war selbst für seine beiden kleinen Kinder zweimal in Elternkarenz. “Wenn Babies und Plagiatoren volle Hosen haben”, was für eine FWF-Homestory!

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Und dann suchte ich noch auf den Webseiten österreichischer Universitäten nach “meinem” Thema (überprüfen Sie mal, wie gut versteckt auch weiterhin die Themen gute wissenschaftliche Praxis oder Plagiat dort sind!). Die Universität Klagenfurt hat mit folgendem Satz aus der vorgeschriebenen ehrenwörtlichen Erklärung – kurioserweise verschärft in Folge meiner Plagiatsaufdeckungen – den Vogel abgeschossen:

“Alle aus gedruckten, ungedruckten oder dem Internet im Wortlaut oder im wesentlichen Inhalt übernommenen Formulierungen und Konzepte sind gemäß den Regeln für wissenschaftliche Arbeiten zitiert und durch Fußnoten bzw. durch andere genaue Quellenangaben gekennzeichnet.” (Quelle: http://www.uni-klu.ac.at/main/inhalt/3054.htm)

Nun gut. Ich lasse mal beiseite, was “ungedruckte” Quellen sein sollen. Handschriftliche? In Stein gemeisselte? Ich lasse weiter beiseite, dass die Formulierung “Alle aus gedruckten, ungedruckten oder dem Internet” nicht nur ganz schlechtes Deutsch ist, sondern schlichtweg gar kein Deutsch (da fehlt ein “Quellen” nach “gedruckten” und “ungedruckten”). Dies zeigt leider nur, wie irrelevant solche ehrenwörtlichen Erklärungen offenbar sind: Sie werden nicht mal von denen genau gelesen, die sie getextet haben.

Zum Kern: Es gibt die Kennzeichnung mit Anführungszeichen. Es gibt die Quellenangabe (auch Literaturbeleg genannt, auch in Form eines Kurzbelegs nach der Harvard-Methode). Das sind zwei paar Schuhe, und die Unterscheidung ist essentiell für das korrekte Verständnis des wissenschaftlichen Zitats. Es gibt aber keine Kennzeichnung durch Quellenangaben oder Fußnoten. (Die Formulierung “Kenntlichmachung der Quelle” kommt aus dem urheberrechtlichen Kontext, in dem nur die vollständige und klar platzierte Quellenangabe entscheidend ist, das sagt auch der Oberste Gerichtshof in Österreich. Von einer Kennzeichnung durch Fußnoten hat der VwGH zuletzt 1982 gesprochen.) Die Wissenschaft ergänzte diese Verpflichtung längst durch die Kennzeichnungspflicht – nicht nur bei direkten Zitaten in Form von Anführungszeichen oder eindeutigen optischen Hervorhebungen, sondern auch bei indirekten Zitaten durch einen klaren Bezug des “Vgl.” auf ein begrenztes Textfragment.

An der Universität Klagenfurt kapiert man diese Unterscheidung nicht und lässt mal schnell ein paar tausend Studenten eine widersinnige und noch dazu sprachlich peinliche ehrenwörtliche Erklärung unterschreiben. – “Ehrenwörtliche” Erklärung, nicht “eidestattliche”: Richtig, die Klagenfurter Erklärungen sind allesamt auch noch juristisch irrelevant, wenn es wirklich zu Aberkennungsverfahren kommen sollte. Insofern ist der letzte Satz der Erklärung “Ich bin mir bewusst, dass eine falsche Erklärung rechtliche Folgen haben wird” bezogen auf den Studenten falsch, aber bezogen auf die Universität Klagenfurt korrekt: So eine falsche Erklärung sollte für sie tatsächlich rechtliche Folgen haben.

Ein neuer universitärer Skandal in Klagenfurt. Ist man dort so blöd, oder will man den Plagiatoren auch weiterhin nicht weh tun? Gaukeln sich hier beide Seiten etwas vor?

Nur sehr wenige Plagiatsfälle beim DFG-Ombudsman

Sonntag, 11. Juli 2010

Der Ombudsman der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat seinen Jahresbericht 2009 hier online veröffentlicht. Darin verwundert die doch sehr geringe Anzahl an gemeldeten und aufgegriffenen Plagiatsfällen. Im Bericht ist auf Seite 5 zu lesen:
“Im Jahr 2009 lagen uns 4 Hinweise auf Plagiate vor, von denen wir bisher 3 als Fälle aufgegriffen haben.”
Da fragt man sich schon: Haben die Universitäten, hat die akademische Szene das Plagiatsproblem schon so gut im Griff, ist es weitgehend eingedämmt? Oder wenden sich nur wenige (und von Jahr zu Jahr immer weniger) Personen an die Vertrauensgremien der Forschungsgemeinschaften und Förderungsfonds? Meine eigenen Zahlen legen jedenfalls letztere Interpretation nahe: Vier Hinweise auf Plagiate erhalte ich im Schnitt alle zwei Monate, und daraus entwickeln sich durchschnittlich alle drei Monate drei neue Fälle.
Nicht nur der Ombudsman der DFG, auch das österreichische Pendant beim FWF, die Agentur für wissenschaftliche Integrität, hat einen neuen Webauftritt. Unter dem Menüpunkt “Downloads” warte ich gespannt auf deren ersten Jahresbericht, denke aber, dass auch hier nicht dem Rat Volker Riebles (Buch “Das Wissenschaftsplagiat”) gefolgt werden wird, Ross und Reiter beim Namen zu nennen.