Mit ‘Freie Lizenzen’ getaggte Artikel

Update 1: Wie ein E-Book-Publisher auf Amazon mit plumpem Copy & Paste verdienen will

Freitag, 17. September 2010

Der gestern in diesem Blog aufgedeckte Skandal reicht offenbar weit über die Reihe “Hochschullehrer” hinaus. Offensichtlich ist es dem Verlag gelungen, Texte zu vielen, wenn nicht gar zu allen Wikipedia-Schlagwortgruppen als “Bücher” auf Amazon anzubieten – und Amazon listet das alles gleichwertig mit professionell lektorierter Literatur. Man kann nun der Meinung sein, auch auf Tonträgermärkten im Internet werden Bootlegs problemlos verkauft; und gedruckte Wikipedia-Artikel seien unter Beachtung der Lizenz-Bedingungen sogar rechtens.
Aber was wird der Textkultur hier angetan? Welchen Sinn haben zu Büchern eingefrorene Wikipedia-Artikel zum Tag und zur Stunde X? Freilich nicht den geringsten. – Und welches Signal geben diese “Bücher” Schülern und Studenten? Wieder einmal jenes, dass die Textmengen aus dem Internet beliebig frei benutzt (und missbraucht) werden dürfen. Dass old-fashioned Printprodukte ohnedies nur aus dem Internet reinkopierte Texte enthalten. Dass ein Sammelband zu Konstruktivismus beim Fachverlag gleichwertig mit einem unredigierten Wikipedia-Sampling ist. (Wie der Screenshot zeigt, nimmt dieser textuelle Missbrauch schnell Formen des Absurden an.)
Der “Verlag” bietet auch jede Menge älterer eingesannter Buchtitel an, bei denen das Urheberrecht bereits erloschen ist. Das Geschäftsmodell ist klar: Wenn bei tausenden Büchern nur jedes Dritte ein paar Mal bestellt wird, ist der Gewinn enorm. Das ist hoffentlich nicht das Web-2.0-Business, und Amazon ist zu raten, hier dringend Stellung zu beziehen. (Ich freue mich, dass einige Journalisten bereits an dem Thema arbeiten, dank meines Hinweises.) Die Forderung ist klar: Amazon muss solche “Verlage” sperren und diese Angebote dringend aus dem Katalog nehmen. In jeder Buchhandlung im Real Life wäre es genauso.