Mit ‘Dissertation’ getaggte Artikel

Die Medizin und das Plagiat: VroniPlag wird auch an der Universität Wien fündig

Sonntag, 22. Juni 2014

Münster, Berlin, Wien: Erneut steht eine medizinische Dissertation unter dringendem Plagiatsverdacht. VroniPlag Wiki hat die Arbeit zwar noch nicht auf der Hauptseite veröffentlicht, aber Art und Umfang der Plagiate rechtfertigen meines Erachtens die Bekanntmachung.

Dazu passend mache ich im Moment sehr kafkaeske Erfahrungen mit dem medizinischen System, die ich an anderer Stelle veröffentlichen werde. Es offenbart sich mir ein nicht-lernendes bzw. nicht-lernwilliges System, das von “personalisierter Medizin“, “Big Data” oder zumindest nur dem empirischen Dokumentieren individueller Krankheitsverläufe – zum Wohle späterer Generationen – ganz weit weg ist.

Auch das korrekte Erstellen von Diagnosen oder die Dokumentation von Langzeitverläufen (der Blick auf das Ganze) scheinen nicht die Kernkompetenzen von vielen Ärzten zu sein.

Vorherrschend sind Tunnelblick, Regelreproduktion und Starrsinn. Das (fast immer gedankenlose, immer aber unkritische) Plagiieren als Arbeitstechnik passt vorbereitend gut zu einer späteren medizinischen Praxis, bei der es offenbar häufig weder um Heilung noch um Innovation geht.

Von Münster nach Berlin: Das Mediziner-Doubletten-Syndrom erfasst nun auch die Charité

Dienstag, 27. Mai 2014

Es war ja fast zu erwarten: Der “Flächenbrand” zu Münster kann auch anderswo entfacht werden. Nun widmet sich VroniPlag Wiki also der Charité. VroniPlag startete die Aufarbeitung mit einer komplett aus einer zwei Jahre älteren Doktorarbeit plagiierten Dissertation. Die absurde Übereinstimmung zeigt sich schon bei den Titeln in der DNB-Datenbank:

“Onkologische Langzeitergebnisse, Inkontinenz und Spätkomplikationen nach transperitonealer laparoskopischer radikaler Prostatektomie ohne Nerverhalt: Follow up von 700 Patienten, operiert in den Jahren 1999-2005 an der Klinik für Urologie der Charité Mitte” von Anita Lisowski (2010)

&

“Onkologische Langzeitergebnisse, Inkontinenz und Spätkomplikationen nach transperitonealer laparoskopischer radikaler Prostatektomie: Follow up von 1000 Patienten, operiert in den Jahren 1999 – 2004 an der Klinik für Urologie der Charité Mitte” von Ramin Mansour (2008)

Das ist natürlich erneut große Wissenschaftssatire – und gleichzeitig ist es ungemein verstörend, dass solche Dinge auch (gerade?) im sensiblen Bereich der medizinischen Forschung und des Umgangs mit Patientenakten erfolgen. Vergleiche zum Innsbrucker Urologie-Skandal drängen sich auf.

Und wieder sieht man anhand der aktuellen Aktivitäten im VroniPlag Wiki, dass dieses schamlose Plagiat auch an der Charité kein Einzelfall sein dürfte.

Wir bräuchten nun eine Software, die zunächst mal nach medizinischen Dissertationstitel-Doubletten, -Tripletten etc. in der Datenbank der DNB sucht. Ich finde etwa 56.503 medizinische Dissertationen zwischen 2000 und 2014, die als Online-Ressourcen verfügbar sind (das Ergebnis scheint mir zu hoch zu sein, aber die DNB-Suche spuckt das aus). Ich denke, wir würden alleine nach einer Analyse von Titel-Konkordanzen staunen – von einem intrinsischen Vergleich aller Volltexte ganz zu schweigen. Auf jeden Fall wäre dies im Moment ein höchst sinnvolles Forschungsprojekt. Wer traut sich, dafür öffentliche Fördermittel zu verlangen?

Update: Die Arbeitsweise in der Medizin gibt Rätsel auf. Dank eines Hinweises von “Matthias_H” links die Zusammenfassung einer Dissertation an der Charité aus dem Jahr 2008, rechts die Zusammenfassung einer Dissertation an der Charité aus dem Jahr 2007. Die jüngere Dissertation zitiert die ältere kein einziges Mal. Dennoch sind die Entlehnungen in der Zusammenfassung offensichtlich. Was soll das?

Textvergleich mit http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Quelle:Textvergleich. Bitte anklicken:

Zusammenfassungsdoublette_2_1

Zusammenfassungsdoublette_2_2

 

Mit drei Seiten Ko-Autorschaft zum Doktorat: Kürzeste Dissertation der Welt an der Uni Münster aufgetaucht

Dienstag, 13. Mai 2014

Wie Kollegin Debora Weber-Wulff in einem Leser-Kommentar im “Causa-Schavan”-Blog berichtet, wurden an der Universität Münster offenbar nicht nur medizinische Doktorarbeiten in Serie (teil-)plagiiert. Es ist nun auch die wahrscheinlich kürzeste Doktorarbeit der Welt aufgetaucht. Sie umfasst gerade mal drei Seiten und ist identisch mit einem kurzen Aufsatz, der zwei Jahre zuvor unter Autorschaft des Doktorvaters und der (späteren) Dissertantin publiziert wurde. Nun gibt es meines Wissens keine festgeschriebene Mindestlänge von Dissertationen. Auch ist es in den Naturwissenschaften und in der Medizin häufig Usus, dass bereits publizierte oder in Druck befindliche akzeptierte Arbeiten als Teile einer Dissertation eingereicht werden. Allerdings ist der hier “federführende” Professor auch eine Hauptfigur im aktuellen Münsteraner Dissertationsplagiatsskandal: Gleich fünf (teil-)plagiierte Doktorarbeiten gehen auf das Konto seiner Erst- oder Zweitbegutachtung.

Worum geht es eigentlich in dem kurzen Paper = in der ultrakurzen Doktorarbeit? Um Naturmedizin gegen Impotenz im mittelalterlichen Persien. Seit einiger Zeit forscht der Physiologie-Professor zu Depression und Epilepsie. Viele seiner Dissertanten wurden Zahnmediziner und promovierten mit den entlegensten Themen (wie etwa zu Spezialfragen der Synapsenaktivität im Rattenhirn). Und ich dachte immer, die postmoderne Beliebigkeit gibt es nur in den Geisteswissenschaften.

Update: Dank an Erbloggtes. Die Idee mit der Twitter-Doktorarbeit finde ich großartig. Ab sofort muss jeder Absolvent seine neuen Erkenntnisse in einen Tweet bringen können. Ich würde gerne an der philosophischen Fakultät der Universität Münster für folgenden Tweet promoviert werden: “Erst nach der Sprachentstehung war die Welt schon vor der Sprachentstehung da.” Der Satz hat weniger als 140 Zeichen, ist hochoriginell und hat mehr Gehalt als viele Doktorarbeiten zusammen.

“Team Wallraff” sollte sich die Münsteraner Plagiatsschmiede ansehen

Dienstag, 06. Mai 2014

Schon elf partiell bis nahezu komplett plagiierte Dissertationen an der Medizinischen Fakultät der Universität Münster – und es werden wohl noch mehr werden. Dass unterschiedliche Betreuer in den neuen Plagiatsskandal involviert sind, weist meiner Erfahrung nach nicht auf eine Verschwörung einer Gruppe von Münsteraner Professoren hin, sondern eher auf die Tatsache, dass das Plagiat in der Medizin offenbar noch weiter verbreitet ist als in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Ich gehe davon aus, dass das in ganz Deutschland so oder ähnlich der Fall ist. Wenn wir das hochrechnen, kommen wir auf tausende falsche Doktoren, insbesondere Zahnmediziner, in Deutschland. Wenn wir aus plagiatorischem Vorgehen auf Bildungslücken oder sonstige betrügerische Energie schließen können, wird einem angst und bange.

Wäre der Plagiatsskandal undercover zu ermitteln, hätte das “Team Wallraff” seine Freude. Man könnte ja mal einen promotionswilligen angehenden “Arzt”, idealer Weise mit Migrationshintergrund und auf alle Fälle mit gefälschten Studienzeugnissen, zu einem Professor in Münster schicken und schauen, was passiert…

Interessant an der Pressemitteilung der Universität Münster ist vor allem das implizite Eingeständnis, dass erst durch die Causa Guttenberg – ab Mitte 2011 – die Spielregeln für Promotionen verschärft wurden. Es bedurfte also eines großen Falls, damit überhaupt erst gehandelt wurde. Das zeigt, wie sehr die Universitäten heuchlerisch sind und letztlich auch nur symbolische Politik betreiben: Kritiker wiesen schon in den Jahren vor Guttenberg, zum Teil auch in den Massenmedien, auf das grassierende Plagiatsproblem hin, aber da wurden kaum einmal Promotionsregeln verschärft. Und nicht wenige an den Universitäten, vor allem der jüngere kritische Mittelbau, wussten, was hier passiert: Die Blender sind von den redlich arbeitenden Wissenschaftlern nicht unterschieden worden. Mein Doktorvater Peter A. Bruck schrieb 2007 (!) über mich: “Er hat die Rolle des Spürhundes übernommen und Dinge gefunden, die viele in der Öffentlichkeit überraschten, in den Universitäten aber auch vielen bekannt waren.” Von bedauerlichen Einzelfällen wird bald niemand mehr sprechen. Die Frage wird sein, wie die Wissenschaft mit dem systemischen Charakter des Plagiierens umgehen wird.

Plagiatssoftware kann in Anbetracht der zunehmenden Textkomplexität zumindest zum Teil Abhilfe schaffen. Nicht nur, dass mit Systemen wie etwa PlagScan mehr oder weniger effizient ein Abgleich mit Web-Fundstellen ermöglicht wird. Man muss auch jedem Professor, der seine Sache ernst meint, heute dringend empfehlen, alle bei ihm eingereichten Arbeiten digital zu speichern und neu eingereichte Arbeiten mit den alten abzugleichen. Auch dafür gibt es Softwarelösungen, zum Teil sogar kostenlos, und einiges ist hier derzeit in Entwicklung. Die Voraussetzung ist, dass die Begutachter überhaupt ehrliche Wissenschaft wollen. Erst dann können wir über ein Weiterbildungsprogramm und ein technisches Update nachdenken.

Nächster Wikipedia-Textklau, nächste Dissertationsdoublette – alles wie vor Jahren. Oder?

Dienstag, 29. April 2014

Der “Plagiatsjäger” gehört ja zu den paradoxen Berufen: Sein Ziel ist es, dass es ihn nicht mehr geben muss. Aber irgendwie scheint es sich mit dem akademischen Plagiarismus wie mit kriminellen Delikten zu verhalten: Sie sind systemimmanent. Da plagiiert ein Ko-Autor seiten- und kapitelweise aus Wikipedia und zumindest einer weiteren Quelle, und der betroffene C. H. Beck-Verlag schreibt in seiner konstant zweischneidig verfassten Pressemitteilung folgendes:

“Diskutiert werden sollte aber auch der Stellenwert von Wikipedia in der Wissenschaft. Jeder benutzt sie, keiner zitiert sie – das scheint bisher die Devise zu sein.”

Quelle: http://www.spiegel.de/media/media-33664.pdf

Im Klartext: Nicht der Verlag ist schuld, der nach all den öffentlichen Plagiatsdebatten auch bei einem Buch, das Mitte 2013 erschienen ist, immer noch nicht auf die Idee gekommen war, einen routinemäßigen Plagiat-Check durchzuführen (was ist daran eigentlich so schwer?). Sondern wir, die Wissenschaftler sind schuld – die wir doch alle irgendwie aus der Wikipedia abschreiben. C. H. Beck rät, man solle in Wissenschaft und Verlagswesen den “Umgang mit der Online-Enzyklopädie klären”. Das ist eine Frechheit sondergleichen! Die Diskussion, die in der ‘Wikipedistik’ schon vor Jahren, ca. zwischen 2005 und 2008 intensiv geführt wurde, hat zu folgendem Common Sense geführt:

“Da die Wikipedia ein Nachschlagewerk ist, sollte übrigens in einer wissenschaftlichen Arbeit nicht aus ihr zitiert werden.”

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Hilfe:Allgemeine_FAQ#Wie_zitiere_ich_aus_der_Wikipedia.3F

Dass ein großer deutscher Verlag so etwas nicht weiß, zeigt, wie weit man hier schon weg von der (Netz-)Realität ist. – Haben wir eigentlich jemals eine Diskussion darüber geführt, ob man in wissenschaftlichen Qualifikationsschriften oder Sachbüchern aus “Meyers Taschenlexikon” unzitiert abschreiben darf? Oder aus ihm zitieren darf? Konversationslexika dienen nur der Informationsrezeption, aus ihnen ‘darf’ man selbstredend nicht abschreiben, und zitieren kann man aus ihnen sinnvoller Weise auch nur dann, wenn das Zitat selbst (dessen Wortlaut oder Inhalt) textanalytisch zum Gegenstand der Erörterung wird, also auf zweiter Ebene quasi. 1990 war das jedem zwanzigjährigen Studenten klar. Nun, im Jahr 2014, empfiehlt C. H. Beck ernstlich eine Diskussion darüber! Der Verlag sollte sich schämen.

***

Zum zweiten Schauplatz des heutigen Tages: Der Münsteraner Mediziner-Plagiatsschmiede. Hier geht es um eine einmalige Dissertationsdoublette als Spitze des Eisbergs. Ich möchte nicht daran erinnern, dass ich ähnliche Fälle auch aus Klagenfurt, Innsbruck und Regensburg kenne und dokumentiert habe. Was verwundert, ist die ‘harte Gangart’, die dem offenbar blinden Betreuer (das Thema waren die Augen) nunmehr drohen könnte: Eine “mehrjährige Sperre des Gutachters für die Betreuung von Doktorarbeiten” sei eine mögliche Konsequenz, wird der Pressesprecher der medizinischen Fakultät der Universität Münster heute in einem Lokalmedium indirekt zitiert.

Auf gut Deutsch: Gleiche Bezahlung für weniger Arbeit. Obwohl: Viel ändern wird sich für den Betreuer wohl nicht, wenn er andere Doktorarbeiten auch so aufmerksam gelesen hat wie die inkriminierte.

***

Was ist da eigentlich los? Wir haben ein Qualitätsproblem, wir haben ein Rekrutierungsproblem, wir haben eine völlige Absenz von Kontrolle und Qualitätssicherung in der Wissenschaft. Wir haben einen Fall nach dem anderen, der dies aufzeigt. Die Fälle sind dieselben wie 2007 oder 2004. Immer wieder weisen Whistleblower wie Ihr werter Plagiatsgutachter, die VroniPlag-Rechercheure oder mutige Einzelaktivisten darauf hin. Nun droht mal wieder dem Aufdecker rechtliches Ungemach. Wer hier juristisch verfolgt werden müsste, sind jedoch die kontrollierenden Instanzen und die Plagiatoren. Wenn es denn einen Kläger gäbe.

mehrjährige Sperre des Gutachters für die Betreuung von DoktorarbeitenNeue Plagiatsvorwürfe in Münster: Mediziner soll große Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben – Münstersche Zeitung – Lesen Sie mehr auf:

http://www.muensterschezeitung.de/staedte/muenster/Neue-Plagiatsvorwuerfe-in-Muenster-Mediziner-soll-grosse-Teile-seiner-Doktorarbeit-abgeschrieben-hab;art993,2346878#plx1666941858

Der Entzug des Doktortitels sowie eine mehrjährige Sperre des Gutachters für die Betreuung von Doktorarbeiten seien aber mögliche Konsequenzen.Neue Plagiatsvorwürfe in Münster: Mediziner soll große Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben – Münstersche Zeitung – Lesen Sie mehr auf:

http://www.muensterschezeitung.de/staedte/muenster/Neue-Plagiatsvorwuerfe-in-Muenster-Mediziner-soll-grosse-Teile-seiner-Doktorarbeit-abgeschrieben-hab;art993,2346878#plx443260588

Der Entzug des Doktortitels sowie eine mehrjährige Sperre des Gutachters für die Betreuung von Doktorarbeiten seien aber mögliche Konsequenzen.Neue Plagiatsvorwürfe in Münster: Mediziner soll große Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben – Münstersche Zeitung – Lesen Sie mehr auf:

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Der Entzug des Doktortitels sowie eine mehrjährige Sperre des Gutachters für die Betreuung von Doktorarbeiten seien aber mögliche Konsequenzen.Neue Plagiatsvorwürfe in Münster: Mediziner soll große Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben – Münstersche Zeitung – Lesen Sie mehr auf:

http://www.muensterschezeitung.de/staedte/muenster/Neue-Plagiatsvorwuerfe-in-Muenster-Mediziner-soll-grosse-Teile-seiner-Doktorarbeit-abgeschrieben-hab;art993,2346878#plx443260588

Der Entzug des Doktortitels sowie eine mehrjährige Sperre des Gutachters für die Betreuung von Doktorarbeiten seien aber mögliche Konsequenzen.Neue Plagiatsvorwürfe in Münster: Mediziner soll große Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben – Münstersche Zeitung – Lesen Sie mehr auf:

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