Mit ‘Copy & Paste’ getaggte Artikel

“Was bin ich?” “Plagiatsjäger!” – Skizze einer neuen Zunft

Donnerstag, 10. April 2014

Die typische (Hand-)Bewegung bei Robert Lembke wäre gewesen: Das unentwegte Hin- und Herblicken von einem Monitor auf den anderen, das Bedienen eines Scanners oder das Drücken von “Strg” + “C” und “Strg” + “V” (das unsereins, ganz ähnlich wie die Copy & Paste-Plagiatoren, bei der Gutachtenerstellung auch häufig machen muss).

Heute also ein paar launige Worte zu einem an sich ernsten Anlass.

In Deutschland gibt es rund 17.000 Fleischerbetriebe, aber erst vier namentlich bekannte Plagiatsjäger (mit einer Dame in Österreich sind es dann insgesamt fünf). Deshalb ein kurzer Überblick über ein neues Berufsfeld, solange es noch übersichtlich ist.

Da wäre einmal erstens Ihr werter Plagiatsgutachter höchstselbst. Er verdiente sein Geld “mit fehlenden Anführungszeichen” schon, als ihm das noch gar nicht bewusst war. Schon seit seiner Diplomarbeit fasziniert ihn nämlich der sprachphilosophische Vorschlag seines österreichischen Freundes, des Philosophen Josef Mitterer, ausgeführte Beschreibungen nicht in der Metasprache mit doppelten Anführungszeichen, sondern mit Ausführungszeichen (/…/) zu markieren und diese Beschreibungen mit Objekten gleichzusetzen (?!), was im besten Fall zu einer neuen Ontologie (Beschreibungs- statt Objektorientierung) führen kann, im schlechtesten Fall philosophischer Humbug ist. Mit dieser Idee war Ihr werter Plagiatsgutachter über viele Jahre bei wissenschaftlichen Fördergeldgebern in Österreich erfolgreich, sodass man in der Tat sagen kann, dass er selbst mit fehlenden Anführungszeichen schon sein Geld verdient hatte, bevor dies jemals jemand bemerkt hat (oder stimmt an diesem Satz erkenntnistheoretisch etwas nicht?).

http://plagiatsgutachten.de/img/stefan-weber.jpg

Quelle: http://plagiatsgutachten.de/img/stefan-weber.jpg

Dann ist da zweitens sein Geschlechter-Pendant in Wien, Mag.a Dr.in rer. nat. Natascha Miljković. Mit Formeln wie “Schützen Sie Ihre Zukunft!” oder “Seien Sie nicht nur gut, seien Sie exzellent! Auch formell” spricht sie nicht jene an, die anderen Angst vor dem Plagiatsjäger einflößen möchten, sondern jene, die Angst haben, dass der böse Plagiatsjäger eines Tages zu ihnen selbst kommen könnte. Frau Miljković, die mir auf einem Berggipfel im persönlichen Gespräch “Herumstierln in oidn Orbeiten is ned meins” versichert hat, zeigt sich hingegen im Präsentischen, in den sozialen Medien ganz und gar versiert. Die Kollegin dürfte den Großteil ihres Tages mit Twittern und Facebook-Posten von dem, was sie gerade so tut und im Netz wahrnimmt, verbringen. Ich erblasse vor Neid vor so viel Web 2.0-Präsenz und werde das bald nachholen, versprochen!

Wissensvermittlung by Zitier-Weise

Quelle: http://www.plagiatpruefung.at/wp-content/uploads/2012/09/NM_Portrait_klein3.jpg

Der dritte in der Runde ist Martin Heidingsfelder, Polit-Aktivist und Diplom-Kaufmann, auf dessen Webseite wir immer noch das Jahr 2013 schreiben und der mir seit gestern suspekt ist, weil er wissentlich einen falschen Plagiatsvorwurf lanciert hat. (Lange Zeit pflogen wir einen engen Kontakt und tauschten uns über die einschlägigen Fälle aus.)

Beratung

Quelle: http://vroniplag.de/

Der vierte ist Uwe Kamenz. Während die ersten drei selbstständig tätige Einzelkämpfer sind, kommen wir nun also zu den fix angestellten Professoren. Kamenz verpasste als erster 2013 der Plagiatsjagd ein Negativ-Image, als ein unredigierter und fehlerhafter Prüfbericht seiner Software zur Dissertation Frank-Walter Steinmeiers an die Presse durchsickerte. Mittlerweile kämpft er scheinbar vor allem auf anderen Baustellen.

Quelle: http://www.profnet.de/

Die “Mutter” aller Plagiatsjäger (ex aequo mit Ihrem werten Plagiatsgutachter seit 2002 tätig!) ist natürlich fünftens und unverdienterweise letztens Debora Weber-Wulff.

Debora Weber-Wulff

Quelle: http://people.f4.htw-berlin.de/~weberwu/

Sie “jagt” aber nicht wie die anderen oben genannten unter ihrem Realnamen, sondern als “WiseWoman” auf VroniPlag Wiki und macht keine Plagiatsprüfungen gegen Bezahlung (erfreulicherweise landet dann die eine oder andere Anfrage an sie in meinem Posteingang).

Und dazu kommen freilich noch die großen Unbekannten: “PlagDoc”, der ursprüngliche Wiki-”Jäger” Guttenbergs, “Robert Schmidt” und viele andere auf VroniPlag Wiki Aktive. Übrigens allesamt, wie Kollegin Weber-Wulff, sehr seriöse Leute, denen es originär um Plagiatsdetektion und/oder -prävention geht und um nichts anderes.

***

Was will Ihr werter Plagiatsgutachter mit diesem Blogbeitrag eigentlich sagen? Nun ja, wenn Sie gute Ware wollen, gehen Sie bitte zum Qualitätsfleischer. Dieser Hinweis erscheint mir schon seit Steinmeier, aber erst recht seit dem “Fall” Gerd Müller in aller indirekten Deutlichkeit angebracht.

Update: “Erbloggtes” nimmt eine Analogie von mir auf und denkt sie weiter. Herzlichen Dank!

Plagiatsforschung und -begutachtung: Kleines Update vor der Sommerpause 2013

Montag, 22. Juli 2013

* Das nächste Buch Ihres werten Plagiatsgutachters wird den Titel “Plagiatsforschung. Eine Herausforderung für die Wissenschaft” tragen. Es wird 2014 bei einem renommierten deutschen Verlagshaus erscheinen, nähere Informationen folgen im Herbst. Zielgruppe sind primär Lehrende an Schulen und Hochschulen. Ein Buch zum Thema “Richtig Zitieren – Nicht Plagiieren” mit der Zielgruppe der Schüler und Studenten wird als nächstes in Angriff genommen werden.

* Nach einem Aufruf hier im Blog habe ich zwei neue Mitarbeiter gewonnen – einen versierten Kulturwissenschaftler und einen versierten Naturwissenschaftler. Ich freue mich weiter über Bewerbungen, denn es gibt auch weiterhin jede Menge zu tun – sowohl im Bereich der ‘Automatisierung’ von Arbeitsschritten wie Scannen und Durchgoogeln als auch im Bereich der intelligenten Textsuche und Fundstelleninterpretation, zwei Felder, die immer noch nur Menschen bearbeiten können.

* Für die Plagiatsdetektion Ihres werten Plagiatsgutachters hat ein Informatiker eine eigene Plagiatsfindungssoftware entwickelt, die ab sofort neben den üblichen Softwaresystemen wie PlagScan, SIM_TEXT oder WCopyfind standardmäßig zum Einsatz kommt. Eine wesentlich ‘höhere Ausbeute’ ist damit garantiert, wie ein Musterfall gerade eindrucksvoll bewiesen hat.

* Dr. (?) Rudolf Haberleitner hat mich bis dato nicht geklagt. Stattdessen erhielt ich Post von der letzten noch ausstehenden Instanz der Harvard University: “We regret to inform you that we do not have record of Rudolf Haberleitner receiving a Harvard Business School Doctor of Business Administration degree.”

* Auch Dr. Katrin Döveling hat mich bislang nicht geklagt und auch keine von ihr wiederholt angekündigte Gegendarstellung zu meinen Plagiatsvorwürfen publiziert. Stattdessen gewährt ihr die Exzellenz-TU Dresden offenbar ein Habilitationsstipendium (und dies, obwohl die Habilitationsschrift laut IfK schon vor mehr als einem Jahr fertig gewesen sein muss): “I equally sincerely and wholeheartedly thank the TU Dresden for my ‘Habilitiation research grant’ following my substitute professorship.” Ganz offensichtlich war hier eine Überarbeitung der Zitierweise notwendig geworden ;-).

Plagiatsfälle Stoiber, Fiala und Moeder: Wie die Uni Innsbruck und die ETH Zürich ehrliche Absolventen verhöhnen

Samstag, 11. Mai 2013

Langsam fragt man sich: Wie verlogen und korrupt ist das Wissenschaftssystem in Deutschland, Österreich und der Schweiz eigentlich, wenn eine Handvoll mehrheitlich anonymer Wissenschaftler in einem Wiki einen glasklaren Plagiatsfall nach dem anderen dokumentiert, die betroffenen Universitäten und Hochschulen mit zunehmender quantitativer Brisanz der Untaten aber auf noble Zurückhaltung, Ignoranz oder sogar bewusstes Lügen machen? Worum geht es in der Wissenschaft hauptsächlich? Um Wissen und Erkenntnis (dazu gehört eben immer auch die alles andere als unbedeutende Erkenntnis, dass eine Arbeit unredlich zustande gekommen ist, das heißt abgeschrieben wurde)? Oder primär oder gar ausschließlich um den Schutz der bereits Angestellten und der von diesen bereits “Durchgewunkenen”?

Fallbeispiel 1, die Dissertation von Dominic Stoiber. Der Vorsitzende des Senats der Universität Innsbruck beruft sich gegenüber “Spiegel Online” auf einen zum Rechtssatz erhobenen Passus aus einer einschlägigen Entscheidung des österreichischen Verwaltungsgerichtshofs. Dort heißt es:

“Vor dem Hintergrund des Beschwerdefalles ist der Begriff des ‘Erschleichens’ im Sinne der Ausführungen im hg. Erkenntnis vom 9. März 1982, 81/07/0230, 0231, VwSlg. 10670 A/1982, zu verstehen, also ein ‘Erschleichen’ dann anzunehmen, wenn in Täuschungsabsicht wesentliche Teile der Dissertation ohne entsprechende Hinweise abgeschrieben wurden, mit der Maßgabe, dass die Wesentlichkeit dann anzunehmen ist, wenn bei objektiver Betrachtung die Beschwerdeführerin davon ausgehen musste, dass bei entsprechenden Hinweisen die Dissertation nicht positiv oder zumindest weniger günstig beurteilt worden wäre (§ 45 Abs. 1 UniStG 1997 normiert ja vier positive Noten für wissenschaftliche Arbeiten) und die Unterlassung dieser Hinweise zu einem günstigeren Ergebnis geführt hat, entsprechende Hinweise daher zu einem ungünstigeren Ergebnis geführt hätten (vgl. dazu Bast-Langeder, UniStG, Anm. 15 zu § 46).”

Quelle: VwGH, Erkenntnis 99/12/0324, Rechtssatz.

Der Senatsvorsitzende folgert gegenüber “Spiegel Online” (sofern korrekt zitiert):

“Im Fall Stoiber hätte jedoch, so Hajnal, ‘eine klarere Kenntlichmachung der betreffenden Textstellen die ursprüngliche Benotung nicht verändert’.”

Was heißt das? Es ist nicht mehr und nicht weniger als eine – offenbar bewusste – Fehlinterpretation des betreffenden VwGH-Rechtssatzes. Nehmen wir – getreu der Innsbrucker Logik – den Fall Guttenberg: Hätte ein Gutachter nun argumentiert, dass ihn ein Mehr an direkten, korrekt kenntlich gemachten Zitaten von knapp 64 Prozent der Gesamtzeilenanzahl nicht gestört hätte, dass diese vielen Zitate also die Note nicht verschlechtert hätten, dass womöglich sogar ganz im Gegenteil so viele Zitate doch für akribische Literaturarbeit stehen würden, dann wäre Guttenbergs Plagiat getreu der Innsbrucker Logik schlicht keines gewesen. – Schon bemerkt? Nur eine Arbeit, in der fast alles plagiiert wäre, wäre dann ein solches “wesentliches” Plagiat.

Was war der Trick? Die Innsbrucker Lesart ignoriert drei Wörter des Rechtssatzes: “bei objektiver Betrachtung”. Das bedeutet nun nämlich sicher nicht, dass der subjektiven Plagiats- bzw. Zitatstoleranz des Gutachters kaum Grenzen nach oben gesetzt wären, sondern das heißt: Was ist der State of the Art im jeweiligen Fach, was erlauben die Lehrbücher, wie sehen die wissenschaftlich redlichen Arbeiten im Vergleich aus? Nur das ist objektive Betrachtung! Und damit verschiebt sich die Messlatte komplett. Die Universität Innsbruck betreibt damit – wie schon zuvor die Universität Salzburg – grobe Rechtsverdrehung. Ich wiederhole es gerne: Wie schon zuvor an der Universität Salzburg ist dies ein Fall für die Korruptionsstaatsanwaltschaft.

Der VwGH-Rechtssatz bezieht sich auf das Erkenntnis 81/07/0230 aus dem Jahr 1982, das mir vorliegt. In diesem geht es um eine Diplomarbeit, die zu fünf Sechstel von einer Dissertation plagiiert war. Im Erkenntnis ist dem VwGH ein grober Schnitzer unterlaufen: Er gestattete die Ausweisung von direkten Zitaten nur mit Fußnoten, aber nicht mit Anführungszeichen (oder sonstiger Hervorhebung). Eine solche Zitierweise hat es allerdings nie gegeben, zumindest nicht nach der Erfindung der Anführungszeichen vor einigen Jahrhunderten.

Quelle: VwGH, Erkenntnis 81/07/0230, S. 8.

In keiner späteren Entscheidung zu akademischen Plagiatsfällen wurde dieser Passus wiederholt. Man muss hier also klar sagen, dass sich die Universitäten offenbar bewusst unscharfer oder sogar falscher Formulierungen des Verwaltungsgerichtshofs bedienen, um Plagiatoren zu entlasten. Da alle späteren Entscheidungen strenger und begrifflich klarer ausfielen, hätten auch alle jüngeren möglichen Entziehungen von Titeln im Instanzenweg Bestand gehabt.

Fallbeispiel 2, die Thesis von Doris Fiala. Erfreulicherweise hat nun VroniPlag begonnen, das Gesamtausmaß dieser Plagiatsfundgrube offenzulegen. Erstaunliches war ja in den Schweizer Medien zu lesen: etwa, dass es sich nur um eine Thesis und nicht um eine Doktorarbeit handle (der glasklare Einwand: Plagiieren ist schon bei Hausarbeiten verboten, und dies hoffentlich auch an der ETH Zürich) oder dass nur kleinere Schlampereien gefunden wurden (“da und dort schludrig zitiert”), wie ein Kommentator der ansonsten so genau argumentierenden “Neuen Zürcher Zeitung” fälschlicherweise schrieb. Viel schlimmer als falsche Plagiatsanschuldigungen (wenn sie denn überhaupt jemals vorkamen) sind inzwischen vorschnelle falsche Entlastungen, vor allem von einer sich rasch solidarisch erklärenden Provinzpresse, nach dem Motto: “Einen Fall Guttenberg, so etwas gibt es bei uns nicht.” Dieselben Argumentationsmuster waren auch wiederholt in der österreichischen Lokalpresse tonangebend. Die Realität sieht leider anders aus, und damit komme ich zum ähnlich gelagerten Fall 3.

Fallbeispiel 3, die Dissertation von “Prof. Dr.” Ronald Moeder. Es handelt sich um eine haarsträubend plagiierte Doktorarbeit mit noch dazu sehr fragwürdiger Vorgeschichte. Den Vogel schoss hier jüngst die Pressestelle der Hochschule Heilbronn ab, an der Herr Moeder lehrt. Sie steht – in der Kommunikation nach außen – auf dem Standpunkt, dass ein Plagiat nicht dann eines ist, wenn es intersubjektiv mit Belegstellen nachgeprüft werden kann, sondern wenn eine andere Universität entsprechend reagiert hat, noch dazu eine “renommierte[n] Universität in Österreich”. Zumindest haben die Heilbronner schwarzen Humor, denn diese Universität, namentlich schon wieder die Universität Innsbruck, hat bislang bereits mehr als sechs Plagiatoren geschützt und tritt wissenschaftliche Redlichkeit im Moment wie keine andere mit Füßen. Was ist das für eine Wissenschaftsauffassung? Wenn in Heilbronn so geforscht und gelehrt wird wie hier argumentiert wird, dann kann man die Studierenden nur warnen: Hier geht es wohl auch nicht um Erkenntnis und Wissen, sondern um die niedere Kunst des Wegschauens und der falschen Solidarität.

Die fatalen Folgen für die Qualität und weitere Glaubwürdigkeit der Wissenschaft – interessieren die eigentlich auch jemanden? Und was sagen zu all diesen Vorgängen eigentlich jene Absolventen, die an den betroffenen Universitäten ehrlich gearbeitet und korrekt zitiert  haben?

Plagiatsfall in der Schweiz weitet sich aus: Noch viel mehr abgeschrieben

Dienstag, 30. April 2013

Nun hat also auch die Schweiz ihren ersten “richtigen” Politiker-Plagiatsfall. Interessant ist, dass die Vorwürfe diesmal zunächst nicht in einem Blog, einem Wiki oder von den Massenmedien schwarz auf weiß publiziert wurden. Da muss man erst einmal vorsichtig sein. Umso größer war mein Erstaunen, als ich nach nur zwei Minuten Beschäftigung mit der inkriminierten Arbeit die nächste schwere Plagiatsstelle fand. Frau Fiala hat ganz offensichtlich von einem Buchrücken eines Sammelbandes abgeschrieben, der ein Jahr vor Abgabe ihres Textes veröffentlicht wurde. Das ist schon mehr als dreist. Die Arbeit wurde für einige Tage vom Netz genommen und ist nun wieder hier erreichbar.

Die Masterarbeit läuft bei mir gegenwärtig durch die Software. Das riecht nach (viel?) mehr. Von harmlosen Stellen oder gar einer Vorverurteilung kann hier jedenfalls schon jetzt keine Rede mehr sein. Und wieder mal stellen sich die Fragen: Wenn schon Gutachter nicht genau gelesen haben und Arbeiten auch an der ETH Zürich (!) im Jahr 2010 (!!) immer noch nicht flächendeckend auf Plagiat überprüft wurden, warum nimmt man dann auch noch erstmal die Plagiatorin in Schutz und sucht nicht systemimmanent nach den Gründen für das Debakel? Wann wird die Wissenschaft endlich aufwachen?

Mutmaßliches Original: http://www.nomos-shop.de/Breitenmoser-Gle%C3%9F-Lagodny-Schengen-Praxis/productview.aspx?product=11869

Offensichtliches Plagiat, Fließtext Fiala, S. 143. Nur das Wort “allerdings” wurde eingefügt, damit deutlicher Hinweis auf intentionales Plagiieren.

Autorschafts-, Zitats- und Plagiatsforschung: Skizze eines neuen Forschungsfelds

Donnerstag, 25. April 2013

Es ist schon rätselhaft: Alle sagen, das muss nun erforscht werden, aber niemand geht es an. Ich habe deshalb nun selbst mit zwei am Thema interessierten Kollegen einen Forschungskatalog bzw. eine Aufgabenliste erstellt. Wir möchten in naher Zukunft zumindest einige dieser Punkte abarbeiten. Zunächst stehen ein Forschungsprojektantrag (Kooperation in Österreich) und ein Buchprojekt in Deutschland (“Handbuch des Zitierens”) auf der Tagesordnung.

Gibt es vielleicht doch eine aufgeschlossene Universität, die die erste sein möchte, die ein solches Institut gründet? Gibt es Partner aus der Wirtschaft – etwa von Produktplagiarismus betroffene internationale Unternehmen oder Buchverlage, denen Copy & Paste im Internet zu schaffen macht -, die ein solches Institut bzw. dessen Grundsteinlegung fördern würden? Diese Blogmeldung soll durchaus den Charakter eines “öffentlichen Aufrufs” haben: Die Idee ist da, nun bedarf es der Umsetzung!

Die Fälle Guttenberg, Schavan und Co. zeigten ja nicht nur, dass das Plagiatsproblem in der Wissenschaft übersehen und damit in der akademischen Welt viel Schein statt Sein hervorgebracht wurde. Sie zeigten darüber hinaus, dass die Wissenschaft sich viel zu wenig oder gar nicht mit ihren eigenen Grundlagen, mit ihrer eigenen “Referenzkultur” beschäftigt hat. Es gibt Forschungen zu allen möglichen ‘Objekten’ in der ‘realen Welt’, aber nicht zu den grundlegenden Techniken der sprachlichen Weitergabe des Wissens über diese Objekte. Wie kam es historisch zu dieser Lücke, zu dieser speziellen Form der “Methodenvergessenheit”? Fast wäre auch dies reflexiv ein weiteres Thema für die Forschungsagenda.

Es gibt mehr als eine Großbaustelle:

Warum ist die Situation auf dem Lehrbuchmarkt so unbefriedigend? Warum gibt es Lehrbücher und Online-Lehrbehelfe, die unter dem indirekten Zitat das Umschreiben existierender Literatur verstehen und solche, die dies explizit verbieten? Warum ringt man sich nicht zu einheitlichen Standards und Definitionen durch? Viele Studenten würden in der derzeitigen Situation dafür dankbar sein.

Und was hat Google mit den zehn bis 20 Millionen (?) eingescannten Büchern aus den Bibliotheken vor? Warum gibt es nicht schon längst einen “Google Plagiarism Check“, mit dessen Hilfe man ganze Dokumente und nicht nur Wortketten auf Plagiat überprüfen könnte? (Stünde dies der Kreation einer “künstlichen Intelligenz” im Wege? Wohl eher im Gegenteil, außer Google hat nur seine eigene Intelligenz im Auge und nicht die der Menschen.)

Also:

Was ist der wahre Grund, warum (bislang) keine deutschsprachige Universität hier etwas Neues institutionalisieren will (die erste Uni, die das Plagiatsthema wirklich offensiv und mit Forscherneugier angehen würde, würde medial ohne Zweifel viel Lob ernten)?

Und was ist der wahre Grund, warum Google (bislang) keinen Plagiatsdienst anbietet, der sich sogar – ähnlich wie die Google Buchsuche – als Geschäftsmodell etablieren ließe (die Suche wäre wie immer unbezahlt; bei Funden könnten Links zu Bestellmöglichkeiten der plagiierten Quellen in Print angeboten werden)?

Das sind die Fragen: an die Wissenschaft, an die (Internet-)Wirtschaft.