Archiv für Januar 2013

Beweis erbracht: TU-Dresden-Professorin hat tatsächlich eine Erstsemestrigen-Hausarbeit plagiiert

Mittwoch, 16. Januar 2013

Nachdem ich mich selbst in die Materie sehr gut eingelesen habe und bereits in meinen PDF-Dokumenten zehn “rätselhafte” Übereinstimmungen zwischen einer Hausarbeit auf hausarbeiten.de und der Dissertation von Katrin Döveling dokumentiert habe, ist nunmehr der empirische Beweis mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit erbracht worden: Döveling hat tatsächlich unter anderem auch von einer Erstsemestrigen-Hausarbeit plagiiert und im Zuge dieses Plagiats eine nicht stattgefundene Literaturarbeit vorgetäuscht. Es ist eine Schande erster Ordnung für das Fach.

Hier das Original von hausarbeiten.de:

Und hier das Plagiat auf S. 59 bei Döveling:

Ich werde die gesamten Funde somit heute dem Ombudsmann der Universität Erfurt melden. An mehreren Stellen das Wording einer Hausarbeit zu übernehmen, das geht einfach zu weit. Mit im Boot sitzt nun auch das Institut für Kommunikationswissenschaft der TU Dresden, das nach meinen ersten Funden von Anfang November viel Zeit für eigene Recherchen gehabt hätte. Stattdessen hatte Wolfgang Donsbach bzw. genauer: sein empirischer Mitarbeiter nichts Besseres zu tun, als meine eigene Dissertation auf Plagiat zu überprüfen; und Katrin Döveling “wehrte” sich mit seitenlangen Drohschreiben ihrer Anwälte. Aber die mittels Textvergleich dokumentierbare Wahrheit wird sich durchsetzen.

Eine Dissertation als Textbrocken-Collage: Ist das Wissenschaft?

Mittwoch, 16. Januar 2013

Ein Bild vervollständigt sich: Nach dem Abgleich mit drei weiteren Büchern von Hermann Korte, Heinz-Günter Vester und Max Weber höchstselbst ergeben sich immer mehr Indizien für ein werkprägendes Muster. TU-Dresden-Professorin und Kommunikationswissenschaftlerin Katrin Döveling hat ihre Dissertation nicht “vollständig selbstständig” geschrieben, wie es die deutschen Verwaltungsgerichte fordern*, sondern hat methodisch die Werke anderer ab- und umgeschrieben, ohne das Ausmaß der jeweiligen Übernahmen kenntlich zu machen. Für den Leser oder Begutachter der Dissertation ist es damit nicht möglich, zwischen eigenem Text Dövelings und Texten anderer, zwischen eigenen und fremden Ideen deutlich zu unterscheiden. Man muss genau hinsehen, siehe die Liste der bislang gefundenen Übereinstimmungen.

Hier nur ein Beispiel von vielen: Bei Heinz-Günter Vester (“Emotion, Gesellschaft und Kultur”, Opladen: Westdeutscher Verlag, 1991) steht im Original auf S. 188:

Daraus wird bei Katrin Döveling auf S. 161:

Vester wird im markierten Segment in Fußnote 945 mit “Vgl.” einmal erwähnt, es werden aber auch Tarde und Durkheim analog referenziert. Wird dem Leser dadurch klar, dass das “Wording” in Wahrheit von Vester stammt, wie auch die Hinweise auf Tarde und Durkheim? Und das Wort “tautologisch” im Original dürfte Döveling nicht gefallen haben, sie machte aus „tautologisch und psychologistisch“ bei Vester ein „zu psychologisch”. Für mich ist diese Umschreiberitis keine Wissenschaft.

* Siehe die hochinteressante Zusammenfassung von Urteilen der vergangenen Jahrzehnte in: Daniela Schroeder, “Die Entziehung des Doktorgrades wegen Täuschung in der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung”, in: NWVBl., Heft 5/2010, hier S. 179.

Neue Auswüchse einer “Textkultur ohne Hirn” in Wirtschaft und Politik

Dienstag, 15. Januar 2013

Wozu noch selbst texten? Die “McDonaldisierung” der Gesellschaft hat längst auch unsere Textkultur erfasst. Kritiker wie ich und einige andere Blogger sehen einen Trend zur zunehmenden Verlogenheit der Gesellschaft, zur zunehmenden Austauschbarkeit, wenn nicht gar Überflüssigkeit des Gesagten. Sprachphilosophisch gesprochen: Es werden eben nicht nur die Satzinhalte (“Kommunikationsbotschaften”), sondern die Aussagesätze selbst recycelt. Welcher Rede können wir noch trauen?

Zwei Enthüllungen aus der Blogosphäre aus den vergangenen Tagen:

1. Eine bundesdeutsche Grün-Politikerin hält eine Rede, die sich zumindest stark paraphrasierend (bei wohlwollender Auslegung), wenn nicht plagiierend an eine andere Rede anlehnt. Das hatten wir übrigens schon vor einiger Zeit bei einem österreichischen Bischof. Mich interessiert die Frage, warum so etwas geschieht. Folgende Gründe wären möglich:

* Die Plagiatoren sind intellektuell nicht imstande, einen eigenen Text zu verfassen.

* Die Plagiatoren haben nicht den Mumm, einen eigenen Text zu verfassen. Sie wollen auf Nummer sicher gehen und sich an Bestehendem orientieren, aus Angst, das Neue könne abgelehnt werden bzw. nicht funktionieren.

* Die Plagiatoren glauben, dass es heutzutage Usus ist, so zu verfahren.

* Die Plagiatoren scheren sich weniger um das Was (den Inhalt) und mehr um das Wie (die Präsentation).

* Die Plagiatoren wussten gar nichts vom Plagiat, weil sie Ghostwriter beschäftigen.

Angst macht mir immer die Möglichkeit, These 1 könne zutreffen.

2. Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang auch diese Entdeckung: Man google den Satz “Neue Wege zu beschreiten, hat bei uns Tradition”. Dieser wird, im Verein mit ganzen identischen Absätzen, wenn nicht sogar kompletten Darlegungen von Unternehmensphilosophien bzw. -leitbildern, auf deutschsprachigen Webseiten von hunderten Unternehmen, vorwiegend aus der Unternehmensberatungsbranche verwendet. Allerdings tun alle so, als wäre damit ihr Alleinstellungsmerkmal beschrieben worden. Warum haben sich all diese Unternehmensberater für eine derartige Textkultur ohne Hirn entschieden? Teilweise haben Start-Up-Unternehmen, die es erst seit einigen Monaten gibt, die also alles andere als eine Tradition aufweisen können, den Satz im Verein mit einem weiteren Standard-Wording übernommen. Wie beraten diese Unternehmen andere? Inwiefern sind all diese Unternehmensberater kompetent, wenn es etwa um Fragen des Textens für das Web geht? Ist irgend jemandem der Widerspruch zwischen Satzinhalt und kopierender Praxis aufgefallen?

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Man kann die Sache auch anders sehen: Nur einige verschrobene Blogger wie Ihr werter Plagiatsgutachter bemerken solche Dinge. Plagiate in akademischen Qualifikationsschriften würden dann perfekt auf eine Wirtschafts- und Arbeitswelt vorbereiten, in der Textbrocken zunehmend homogenisiert werden und Abkupfern Norm geworden ist. Nun ja: Dann sollten wir dringend alles überdenken, beginnend mit dem Deutschunterricht an Schulen. Und Lehrveranstaltungen wie “Einführung in die Heuchelei” oder “Seminar: Wie man perfekt Kompetenz vortäuscht” müssten Altbackenes wie “Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten” ersetzen. Ich erwarte die erste Stellenausschreibung in Betriebswirtschaft: “W3-Professur für professionelle Simulation von Expertise”. Wenn es zutrifft, dass Wirtschaft und Politik (und womöglich auch Religion, Kunst und andere Sozialsysteme) zunehmend so funktionieren, wozu dann noch das ganze Bemühen um Redlichkeit, Zitiergenauigkeit, Quellenkritik, kreatives Schreiben? Vielleicht hat Ihr werter Plagiatsgutachter die Grundregeln der Wirtschaft bislang nicht verstanden.