Archiv für November 2012

Wissenschaftliche Dokumentation zur Dissertation von Dr. Katrin Döveling, IfK der TU Dresden (Teil 3, to be continued)

Mittwoch, 21. November 2012

Anbei die Liste mit den neuen Funden (Stand: 21. 11., 17:00). – Wie kam es etwa zu folgender Textübereinstimmung? Frau Döveling schreibt auf S. 57 der Buchfassung ihrer Dissertation:

“Die Frage ist also, in welchem Ausmaß Medien tatsächlich Themen setzen, um welche Themen es sich hierbei handelt und welche Medien in diesem Prozess stärkeren Einfluss haben. Zudem muss geklärt werden, wie lange der Einfluss anhält, welchen Verlauf er nimmt (z.B. über Dritte) und welche gegensteuernden Gewichte es gibt. Durch diese Fragen kommen viele Variablen in Erwägung, die bei der Beurteilung eines Agenda-Setting-Effektes berücksichtigt werden müssen. Diese Faktoren werden nachfolgend dargelegt […].”

Da ist weit und breit keine Fußnote, keine Quellenangabe, keine Hervorhebung und kein Anführungszeichen, im Gegenteil: Der entsprechende Abschnitt widmet sich dem Thema “Kritik und Erweiterungen des Ansatzes”, und entwickelt wird Dövelings eigenes Konzept einer “Emotionalen Agenda“.

Man betrachte zum Vergleich folgenden Text, der sich auf hausarbeiten.de befindet und aus einer Hausarbeit für ein Einführungsproseminar in Publizistikwissenschaft stammt:

“Die Frage ist also, in welchem Maß Medien Themen setzen, welche Themen und welche Medien stärkeren Einfluß haben, wie lange der Einfluß vorhält, welchen Weg der Einfluß gegangen ist (über Dritte über das Thema informiert werden) und welche gegensteuernden Faktoren es gibt […]. Allein durch diese kleine Vorüberlegung kommen zahlreiche Variablen ins Spiel, die alle bei der Beurteilung eines Agenda-Setting-Effektes mitbedacht sein wollen. […] ein Vorgang, der im folgenden nachgezeichnet werden soll.”

Frau Döveling wird ja wohl nicht aus einer Proseminar-Arbeit abgeschrieben haben. Gab es eine gemeinsame dritte Quelle? Es handelt sich bei Weitem nicht mehr nur um ein paar Übereinstimmungen. Interessant auch, dass beide, Döveling und der Hausarbeitenautor, von der “berühmt gewordene[n] These zum Agenda-Setting” sprechen, “die sich auf Cohen bezieht”…

Quelle: http://www.google.de

Kindle-Copy-Paste

Freitag, 16. November 2012

Deborah L. Salivar-Keene (vielleicht ist das ein Anagramm? Dann bitte um Hilfe!) ist eine fleißige Autorin. 53 Bücher von ihr über Gott und die Welt und von Piaget bis zur Marketingtheorie gibt es auf amazon.de derzeit für den Kindle. Für rund acht Euro pro “Buch” gibt es abendfüllende zwei bis acht Seiten zu erscrollen. So kurz sollten Dissertationen mal werden! Auf amazon.com gibt es sogar knapp hundert Titel, offenbar mit einem gewissen Faible für konstruktivistische Ansätze. Mein Lieblingstitel: “Are We Really, Self-Directed?” Wie die Rankings zeigen, werden die Bücher tatsächlich gekauft. Nennt man das heutzutage “Microlearning”?

Für das herausragende Humorpotenzial der “Autorin” spricht auch dieser Hinweis:

“The copyright does not include any of my personal opinions. All information obtained is a composite of other authors knowledge and research. I have over 2.000 references and all authors are given complete credit for their work and you should also give these authors the credit for their work. Take my word for it YOUR INSTRUCTOR WILL KNOW!!! All documents are to be used strictly as, ‘reference material’. I have already caught students trying to pass this reference material as their own when buying then returning the paper to Kindle and not putting in a bib.”

Da Ihr werter Plagiatsgutachter derzeit mit Dissertationen, in denen zwischen eigenem und fremdem Text nicht korrekt unterschieden wird, voll ausgelastet ist, wird er bis auf Weiteres auf die Überprüfung dieses Fußnotenapparats verzichten…

Update: Eine kursorische Prüfung (ich kann es doch nicht lassen) hat ergeben, dass offenbar jeweils der gesamte Content absatzweise 1: 1 aus dem Internet zusammenkopiert wurde, mit Quellenangaben an den Absatzenden.

Wissenschaftliche Dokumentation zur Dissertation von Dr. Katrin Döveling, IfK der TU Dresden (Teil 2, to be continued)

Samstag, 10. November 2012

Von “Recherchetiefe”, “Quellen-Check” und “Faktengenauigkeit” schrieb Wolfgang Donsbach vom Institut für Kommunikationswissenschaft der TU Dresden 2012 in einem Blog-Kommentar. Er sprach damit journalistische Kernkompetenzen an. Aber wie sieht es mit den wissenschaftlichen Kernkompetenzen aus, etwa bei den eigenen berufenen Kolleginnen? Anbei meine neue Liste (Stand: 10. 11., 15:00). Ich werde mich hüten, diese hier wertend zu kommentieren, denn die Anwälte lauern bereits auf jedes Wort, das ich hier schreibe. Ich denke aber, die Konkordanzen sprechen für sich.

Schade, wenn nicht furchtbar, dass die Auseinandersetzung um Qualitätssicherung in einem Fach so geführt werden muss. Alle, die sich an meiner Veröffentlichungsmethode stoßen, bitte ich zu bedenken, dass hier eine Begutachtung einer Dissertation vorgängig war – und eine Beurteilung mit “magna cum laude”. Ich betone weiter, dass die Fundstellen in beiden Kategorien erst der Anfang sind. Damit will ich niemanden unter Druck setzen, sondern nur dem Quantitätsargument etwas entgegenhalten. Die von der Software in Sachen Eigen-Copy-Paste ausgespuckte Liste ist etwa die längste, die ich überhaupt bislang zu bearbeiten hatte.

Ich habe Wolfgang Donsbach einen Tag nach der zweifelhaften Dresdner Podiumsdiskussion zu Plagiaten zur gemeinsamen Aufklärung eingeladen. Er hat Schweigen vorgezogen.

Wissenschaftliche Dokumentation zur Dissertation von Dr. Katrin Döveling, IfK der TU Dresden (Teil 1, to be continued)

Dienstag, 06. November 2012

Frau Vertretungsprofessor Dr. Katrin Döveling hat 2011 ihre Habilitationsschrift fertiggestellt und ist Promotionsbeauftragte des Instituts für Kommunikationswissenschaft. Rezensenten lobten ihre Dissertation Emotionen – Medien – Gemeinschaft durchweg, eine Fachzeitschrift urteilte im Jahr 2007 gar: “Die Arbeit von Döveling besticht in formaler Hinsicht durch akribisches Referieren und Diskutieren der relevanten Forschungsansätze.” Keine Frage – eine Erfolgsstory.

Oder? Ich habe vergangene Woche begonnen, mir die Dissertation nach Zitiertechnik und Quellenkritik genauer anzusehen. Leider musste ich feststellen, dass Frau Döveling an mehreren Stellen ihren Pflichten zur Kennzeichnung und zur Quellenangabe bei wörtlich oder fast wörtlich übernommenen Texten nicht nachgekommen ist. Die 340 Buchseiten starke Dissertation beherbergt 1.664 Fußnoten. Damit sieht auf den ersten Blick alles sehr wissenschaftlich aus. Auf den zweiten Blick verändert sich das Bild, siehe die Liste der bislang gefundenen Übereinstimmungen (mein Dank an Martin Klicken/VroniPlag für zwei weitere Funde; letzter Stand: 6. 11., 11:15). Und es ist erfahrungsgemäß nicht auszuschließen, dass sich das Bild weiter verändern wird.

Mein bisheriger Lieblingssatz aus der Arbeit findet sich auf S. 191: “Hermann J. Pottmeyer […] unterstützt mit seinen Recherchen das hier aufgestellte Argument der Funktion des Papstes als Oberhaupt der Kirche.” (Als ob wir das nicht schon vorher gewusst hätten, dass der Papst kein Messdiener ist.)

Und in einer Präsentation von Frau Döveling fand ich dieses schöne Ratespiel: Wie viele Zitierfehler befinden sich in diesem Zitat?

Quelle: http://www.hwwi.org/fileadmin/hwwi/Veranstaltungen/Workshops/2007/Doeveling_Praesentation.pdf

Ach (Kommunikations-)Wissenschaft, was ist nur aus Dir geworden…

PS: Von Frau Dövelings Anwälten und ihren sechsstelligen Drohsummen lasse ich mich von nun an nicht mehr einschüchtern. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Dissertation von Frau Döveling könnte wohl nur in einer Diktatur verhindert werden, aber nicht in einer offenen Wissenschaft, zu der seit einiger Zeit auch Kritik in Blogs gehört.

Gleich mehrere plagiierte medizinische Dissertationen

Freitag, 02. November 2012

Neuer Paukenschlag auf VroniPlag: Gleich drei zumindest teilplagiierte medizinische Dissertationen wurden heute geoutet. Dazu passt hervorragend das Gutachten, das Ihr werter Plagiatsdetektor vor kurzem für das Laborjournal erstellt hat. Wieviele “Theorieteile” bzw. Fakten referierende Abschnitte von medizinischen Dissertationen sind eigentlich plagiiert? Und was wissen diese Mediziner in der Praxis? Entsteht durch das Ab- und Umschreiben Fachkompetenz? Welchen moralischen Zugang haben diese Ärzte (immerhin wurden in fast allen bisherigen Fällen plagiierter medizinischer Dissertationen die Quellen der Plagiate nirgendwo genannt, es handelte sich also jeweils um ‘echte’ Täuschungen)? Kann von vornherein davon ausgegangen werden, dass die Empirieteile sauber sind (in dem von mir begutachteten Fall einer “Dissertationsdoublette” etwa nicht)? Und: Wenn die Fakten- und Theorieteile für die (spätere) medizinische Praxis irrelevant sind, dann stellt sich die Frage: Wozu die Dissertationen in dieser Form?