Archiv für Juli 2012

Haferkamp-Update: Weiteres Kapitel von weiterem Theoriebuch abgeschrieben

Samstag, 14. Juli 2012

Hier der Link zum PDF mit den bis heute gefundenen Übereinstimmungen im Fall Haferkamp. In den nächsten Wochen wird wohl oder übel noch vieles dazukommen: Das Kapitel 3.2.1 (“Selbstdarstellungstheorien”), Buchfassung S. 79 ff., etwa ist aus dem Buch “Theorien der Sozialpsychologie” abgeschrieben (Hg. Frey/Irle 2002, schon wieder Bern: Verlag Huber – der wird sich aber langsam freuen!). Diese neuen Übereinstimmungen finden sich allerdings noch nicht komplett in der Liste von heute, da der Nachweis bislang erst indirekt über Zitate in Anführungszeichen aus dem Buch erfolgte, die mittlerweile in anderen Texten im Netz zu finden sind – das Buch ist aber schon unterwegs.

Auch von Herkner wurde noch mehr abgeschrieben: Das Kapitel 3.1.1 bei Haferkamp (“Das Selbst des Menschen”, Buchfassung S. 70 ff.) stammt zum weit überwiegenden Teil ebenfalls aus der Feder von Herkner. Schwer zu fassen – auch diese drei Seiten umfassende Übernahme wird noch dokumentiert werden.

Es vervollständigt sich das Bild, dass eines der beiden Theoriekapitel der Dissertation (“Theoretischer Hintergrund II”) zu weit überwiegenden Teilen aus plagiatorischen Übernahmen besteht – und das andere zumindest partiell aus Plagiaten, wobei hier die Frage nach der Autorschaft des “Rests” noch offen ist. Denn dort finden sich unter anderem die Übernahmen aus der Wikipedia sowie aus einem kommunikationswissenschaftlichen Beitrag zu einem Sammelband.

Nun macht Ihr werter Plagiatsgutachter erst mal Urlaub. Den braucht er nach so viel Textunkultur…

“Vielmehr wird man den Verdacht nicht los, daß der Kopie Kritik per definitionem fremd ist, der Kopierer also erst einmal seinen Verstand vollständig ausschalten muß, bevor er sich an die Arbeit macht.”

Quelle: “Goldene Zeiten” von Benjamin Lahusen, S. 416, mein in diesem Zusammenhang immer wieder passendes Lieblingszitat.

Fragliche Exzellenz: Noch ein Dissertationsplagiat, diesmal an der TU Dresden selbst “geschrieben”

Samstag, 14. Juli 2012

Man staunt immer wieder insbesondere über Dissertationsplagiate nach Bekanntwerden des Guttenbergschen Plagiats. Diese Arbeit an der TU Dresden, abgeschlossen am 20. 12. 2011, scheint auch “problematisch” zu sein. VroniPlag kümmert sich gerade um die Dokumentation des erneut bemerkenswertens Falls. Wie gibt es das eigentlich, dass man auch nach der intensiven Diskussion zu Plagiaten im Jahr 2011 hier immer noch nicht sensibler geworden ist und genauer kontrolliert? Wann wird endlich die Prüfung aller Arbeiten mit Softwaresystemen und einschlägig geschulten Mitarbeitern Standard? Ist diese Form der Qualitätskontrolle nicht geradezu unabdingbar mit dem “Exzellenz”status verknüpft?

Und vor einiger Zeit tauchten auch Nachweise auf, dass ein aktuell an der TU Dresden lehrender Professor seine Habilitationsschrift zu Teilen aus einer älteren Arbeit übernommen hat, bei der er aber nur als Ko-Autor angegeben ist. Da die Bearbeitung dieses Falls stockt, habe ich ihn nicht verlinkt.

Plagiatsskandal an der TU Dresden weitet sich aus: Auch von Lehrbuch seitenweise unzitiert abgeschrieben

Mittwoch, 11. Juli 2012

Der Fall des Dissertationsplagiats der Juniorprofessorin Nina Haferkamp weitet sich aus: Seit gestern habe ich mehr als ein dutzend neuer Stellen entdeckt. Besonders dreist ist die jeweils seitenweise unzitierte Übernahme von mindestens zwei Kapiteln aus dem “Lehrbuch Sozialpsychologie” von Werner Herkner. Ich arbeite gegenwärtig an der neuen Übersicht von Originalstellen und Plagiatsfragmenten, möchte aber den Bloglesern und Journalisten die Vergleichsstelle unten nicht vorenthalten (sie steht nur pars pro toto). Es offenbart sich in der Arbeit Haferkamps eine Methode, bei der an vielen Stellen belegte Literaturquellen offenbar nie zu Rate gezogen wurden, sondern bloß Sätze, Absätze und teils ganze Kapitel aus Sekundärliteratur abgeschrieben wurden, in der diese Literaturquellen zitiert wurden.

Und es zeigt sich damit wieder einmal ein strukturelles Problem der Qualifikationsschriften an Hochschulen: Müssen Doktorarbeiten mehrere hundert Seiten lang sein, wenn es den Autoren gar nicht gelingen will oder kann, alles selbst zu schreiben? Was haben wir von solchen Textkompilaten mit dem Anschein der Eigenautorschaft? Und warum wird so eine kompilierende Plagiatorin Professorin? Kriterium für die Berufung auf eine Juniorprofessur ist die herausragende Qualität der Promotion – da bleibt einem das Lachen im Hals stecken.

All diese Fragen richten sich mittlerweile auch an das (schweigende) Institut für Kommunikationswissenschaft der TU Dresden, das die Dame berufen hat und an den (schweigenden) Financier der Professur, das Sächsische Druck- und Verlagshaus (SDV). Was erwartet sich gerade ein Unternehmen, das aus der Druckbranche (!) kommt, von jemandem, der so deutlich aus gedruckter Lehrbuchliteratur plündert? Ach, ist das schon wieder eine unglaubliche Schieflage… Auf alle Fälle wissen wir jetzt, warum die Dame selbst auch seit einigen Tagen schweigt: Sie wird sich ja noch daran erinnern können, was sie getan hat. Oder?

ORIGINAL: Werner Herkner, Lehrbuch Sozialpsychologie, Bern: Huber, 2008, S. 373.

PLAGIAT: Nina Haferkamp, Sozialpsychologische Aspekte im Web 2.0, Stuttgart: Kohlhammer, 2010, S. 97.

Exzellenz an der TU Dresden: Juniorprofessorin schrieb in ihrer Dissertation auch üppig aus der Wikipedia ab

Samstag, 07. Juli 2012

Der von VroniPlag aufgedeckte jüngste Skandal an der Universität Münster und vor allem die unglaubliche professorale Verlogenheit haben mich ermutigt, mal wieder im eigenen Umfeld nachzugucken. Und siehe da: PlagScan-Analyse und -Auswertung dauerten diesmal nur wenige Stunden. Dass die Dame auf jener Stelle sitzt, zu deren Erstausschreibung ich das Konzept entworfen habe und deren Zustandekommen ich erst eingefädelt habe, tut hier nichts zur Sache. Der Plagiatsvorwurf ist objektivierbar. Wie ich in einem Kommentar auf VroniPlag vorgestern schrieb: “Die Blender können von jenen, die an der Sache wirklich interessiert wird, vom System selbst nicht (mehr) unterschieden werden.” Man mag mir bei der neuen Aufdeckung wieder mal Aktivismus in eigener Sache vorwerfen. Doch – neben meinen bezahlten Gutachten – tue ich nichts anderes, als das unmittelbare Umfeld ‘meiner’ scientific community auf wissenschaftliche Redlichkeit zu untersuchen – und das zuletzt nur noch sehr sporadisch, da die Bezahlaufträge alle Zeit und Kraft kosten. Und ich entdecke seit Jahren immer wieder Abgründe der Textkultur, gegen die nichts unternommen wird. Im Gegenteil: Abschreiber machen “Karriere”, werden berufen und erhalten durch die öffentliche und/oder private Hand mitunter hohe Gehälter. Wann kommt endlich der große Aufschrei der ehrlichen Wissenschaftler?

Hier ein PDF der bisher gefundenen Übereinstimmungen im neuen Fall an der TU Dresden. Die digitale Analyse basiert zunächst auf den ersten hundert Seiten der Arbeit. Die Ergebnisse sprechen schon für sich.