Blicken wir mal zurück: Noch 2010, im Jahre vor Guttenberg, waren Kollegin Debora Weber-Wulff – schon länger präsent mit eigenem Webportal und Blog – und Ihr werter Plagiatsgutachter alleine auf weiter Flur. Dann kam Guttenberg, und neue Spieler wie “PlagDoc” oder “Dr. Martin Klicken” traten auf den Plan und förderten ziemlich Unschönes zutage.
Mittlerweile ist eine Entwicklung zu beobachten, dass der “Plagiatsjäger” (schöner wäre freilich immer: “Plagiatsdetektor” oder “Plagiatsgutachter”) tatsächlich ein neues Berufsfeld werden könnte, und ich freue mich, als einer der ersten dabei gewesen zu sein
. (Übrigens predige ich schon länger, dass die Welt etwa genug “Event Manager” hat und wir mal mehr “Content Quality Checker” bräuchten…)
Ein kleiner Überblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
- Der mittlerweile als Martin Heidingsfelder geoutete, illustre “Goalgetter” bietet in seinem Xing-Profil bereits die “Begutachtung wissenschaftlicher Texte” und die “Plagiatsprüfung” an.
- Uwe Kamenz, Autor des vielbeachteten Buchs “Professor Untat”, will sich nun auch an der Plagiatsjagd beteiligen. Den Medien gegenüber kündigt er Großes an, was zu begrüßen ist. Auf der entsprechenden Webseite “PolDiss” ist es hingegen noch äußerst ruhig, aber vielleicht wissen wir im Herbst dann mehr – etwa, ob nicht doch auch Helmut Kohl zumindest paraphrasiert hat?
- Initiativen wie “Doktorarbeiten-Domino” oder das ebenfalls von Kollegin Weber-Wulff ins Leben gerufene GottiPlag Wiki sind weiter erwähnenswert.
- Und auch in der Bloggerszene tut sich Einiges: “De Plagio” oder “Guttengate” sind 2011 neu entstandene und immer lesenswerte Blogs zum Thema.
Wenn Ihr werter Plagiatsgutachter im Moment die Zeit hätte, würde er sofort ein großes DFG-Projekt zu “Einsatz und Effizienz kollaborativer Web-2.0-Plattformen zur Plagiatsdetektion in den textorientierten Wissenschaften” beantragen (Bewilligung dann bitte ASAP!). Oder ein nächstes Wiki zum Plagiatsfall Putin gründen (man lese und staune über deutliche Parallelen zum Fall Guttenberg). Oder endlich Dissertation und Habilitationsschrift von Papst Kardinal Ratzinger durchackern. Außerdem braucht VroniPlag dringend eine Basisfinanzierung, am besten über eine Stiftung, denn die nächtliche Selbstausbeutung ist mittlerweile eine Absurdität. Und einige fordern bereits einen bundesweiten “Anti-Plagiats-TÜV”. Und und und… Es ist so vieles in Bewegung im Moment. Der Mann, dem wir das alles zu verdanken haben, sollte nicht leer ausgehen: Ich optiere für ein Ehrendoktorat für Guttenberg wegen seiner besonderen Verdienste um die Qualitätssicherung der deutschen Wissenschaft! Und ich hoffe, ich habe nun nicht das Thema seines angekündigten Buches vorweggenommen…
PS: Ihr werter Gutachter und Blogger ist mit Gutachteraufträgen bis Jahresende eingedeckt. Ideenplagiate aus diesem Blogeintrag sind nicht nur deshalb herzlich willkommen!