Archiv für Juni 2010

Des Hahns fremde Federn (wieder mal…)

Dienstag, 22. Juni 2010

Nach der heutigen Medienberichterstattung zur “Eröffnung” des Blogs haben mich mehrere Anfragen zur Dissertation des österreichischen Ex-Wissenschaftsministers Johannes Hahn erreicht. Hier nur kurz die Info, dass die von mir entdeckten Übereinstimmungen immer noch online hier abzurufen sind: http://phaidon.philo.at/qu/?p=348 (Es handelt sich um die Dokumente “Hahn gegen Zitate” und “Hahn mag keine Anführungszeichen” 1 und 2.) Im Update darunter (“Unter dieser Adresse”) befindet sich ein HTML-Dokument des Wiener Philosophen Herbert Hrachovec, in dem die ersten hundert Seiten von Hahns Diss analysiert werden (ca. ein Jahr nach meiner Arbeit) und das ähnliche bzw. weitere Übereinstimmungen zutage förderte. Eine systematische Online- und Offline-Überprüfung der gesamten Arbeit steht noch aus, diese Dokumente betreffen nur Teile der Arbeit. Damit können auch die potenziell hochschulrechtlich relevanten Fragen der “Wesentlichkeit” und der “Erschleichung” noch nicht abschließend beantwortet werden. Die Entlastungsgutachten für Hahn, die die Universität Wien in Auftrag gegeben hatte, verfolgten auf alle Fälle nicht das Ziel, der Sache insgesamt auf den Grund zu gehen. “profil” hat unlängst berichtet, dass Gerhard Fröhlich von der Universität Linz an einer Gesamtanalyse der Diss arbeitet.

Hier die Links zur Berichterstattung von heute:
http://derstandard.at/1276413702156/Weber-kritisiert-neue-Agentur-fuer-Ueberpruefung-von-Plagiaten
http://diepresse.com/home/bildung/universitaet/575707/index.do?_vl_backlink=/home/bildung/universitaet/index.do
http://studi.kurier.at/?story=769
http://science.orf.at/stories/1651480/

Wer einmal plagiiert, dem …?

Montag, 14. Juni 2010


Aus einer Bachelorarbeit, Universität Salzburg, 2004


Aus dem (mutmaßlichen) Original

Ein Fall, der (wieder einmal) zeigt, dass die Universitäten einfach noch viel genauer hinschauen müssen, wenn sie es ernst meinen mit der Verhinderung und Ahndung von Plagiaten:
Im Jahr 2007 entdeckte ich im Zuge einer empirischen Analyse von 125 Salzburger Diplomarbeiten, dass eine Arbeit seiten- und sogar kapitelweise aus unzitierten Texten aus dem Netz bestand, die einfach mittels Copy & Paste in den Fließtext hineinkopiert wurden. Der “Verfasser” plünderte sogar eine schulische (!) Hausarbeit von einer Diplomarbeitenbörse im Netz. In der Folge wurde ihm, mittlerweile im öffentlichen Dienst tätig, der Magistergrad aberkannt. Eine damals durchaus löbliche Entscheidung der Universität Salzburg und ihrer gerade neu geschaffenen Ombudsstelle. Vor einiger Zeit fand sich ein Professor (mittlerweile emeritiert), der dem Herrn einen neuen Anlauf ermöglichte und ihn wieder zum Magister machte – ähnlich, wie auch die Klagenfurter Plagiatorin der Diplomarbeit “Wickie und die starken Männer” mittlerweile von der Universität Klagenfurt für ein episch-professoral anmutendes Opus magnum ihren Doktortitel erhalten hat.
Nun kann man über den Sinn und Unsinn einer zweiten Chance debattieren. Im Salzburger Fall hat die Sache aber einen Haken: Auch die Bachelorarbeit des Absolventen war bereits plagiiert – als Beweis siehe den Textvergleich in den beiden Screenshots oben, zahlreiche Beispiele dieser Art wären möglich. (Besonders aufschlussreich ist auch die zweimalige Übernahme des Pluralis majestatis.) Hat man hier nicht genauer hingesehen oder hinsehen wollen? “Darf” jemand ein zweites Mal Magister werden, wenn er schon seine Bachelorarbeit abgeschrieben hat?
Der Fall verweist auf hochschulrechtliche, vor allem aber auch auf moralische Aspekte. Wieder einmal gelangt der an wissenschaftlicher Redlichkeit interessierte Wissenschaftler zur Erkenntnis: Contentqualitätssicherung muss, wenn sie ernstlich betrieben werden will, eine andere Tiefendimension erhalten. Ansonsten leisten Universitäten nicht unbedingt einen Beitrag zu mehr, sondern womöglich auch zu weniger Grips in der Gesellschaft.

Quellen:
http://www.diplomarbeiten24.de/vorschau/42120.html
http://www.gutenberg-museum.de/120.0.html