Wegweisendes Schavan-Urteil nun online nachzulesen

15. April 2014 | 2 Kommentare »

Das Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf in der Causa Schavan ist nun im Volltext online nachzulesen. Es ist in vielerlei Hinsicht wegweisend. Klar ist: Viele Universitäten hielten und halten sich in keiner Weise an das, was hier geschrieben steht. Da das Verwaltungsgericht der Universität Recht gegeben hat, verstoßen zahlreiche andere Universitäten, die ganz anders agieren, mitunter wiederholt gegen herrschendes Recht. Schade, dass es bei Vertuschungsverdacht an Hochschulen keine wirkliche rechtliche Handhabe gibt.

Nur zwei wichtige Zitate aus dem Urteil (beide referieren im Konjunktiv Ausführungen der beklagten Universität, denen das Verwaltungsgericht durch das Urteil zugestimmt hat):

“Auf die Frage, ob sich die damaligen Gutachter (bzw. Referenten) der Arbeit getäuscht gefühlt hätten, komme es nicht an, da Adressat einer Promotionsleistung die Fakultät sei, die den Doktorgrad verleihe.”

“Ob die eingereichte Dissertation annahmefähig gewesen wäre, wenn sie die fehlenden Nachweise enthalten hätte, sei irrelevant. Eine ‘geltungserhaltende Reduktion’ finde nicht statt. Auf die Quantität der Plagiate im Verhältnis zur Länge der Arbeit komme es jenseits einer hier nicht ernstlich zu erwägenden Bagatellgrenze rechtlich nicht an.”

Die persönliche Erklärung Schavans (offenbar von ihrer Webseite schon wieder verschwunden) macht hingegen sprachlos.

“Was bin ich?” “Plagiatsjäger!” – Skizze einer neuen Zunft

10. April 2014 | 1 Kommentar »

Die typische (Hand-)Bewegung bei Robert Lembke wäre gewesen: Das unentwegte Hin- und Herblicken von einem Monitor auf den anderen, das Bedienen eines Scanners oder das Drücken von “Strg” + “C” und “Strg” + “V” (das unsereins, ganz ähnlich wie die Copy & Paste-Plagiatoren, bei der Gutachtenerstellung auch häufig machen muss).

Heute also ein paar launige Worte zu einem an sich ernsten Anlass.

In Deutschland gibt es rund 17.000 Fleischerbetriebe, aber erst vier namentlich bekannte Plagiatsjäger (mit einer Dame in Österreich sind es dann insgesamt fünf). Deshalb ein kurzer Überblick über ein neues Berufsfeld, solange es noch übersichtlich ist.

Da wäre einmal erstens Ihr werter Plagiatsgutachter höchstselbst. Er verdiente sein Geld “mit fehlenden Anführungszeichen” schon, als ihm das noch gar nicht bewusst war. Schon seit seiner Diplomarbeit fasziniert ihn nämlich der sprachphilosophische Vorschlag seines österreichischen Freundes, des Philosophen Josef Mitterer, ausgeführte Beschreibungen nicht in der Metasprache mit doppelten Anführungszeichen, sondern mit Ausführungszeichen (/…/) zu markieren und diese Beschreibungen mit Objekten gleichzusetzen (?!), was im besten Fall zu einer neuen Ontologie (Beschreibungs- statt Objektorientierung) führen kann, im schlechtesten Fall philosophischer Humbug ist. Mit dieser Idee war Ihr werter Plagiatsgutachter über viele Jahre bei wissenschaftlichen Fördergeldgebern in Österreich erfolgreich, sodass man in der Tat sagen kann, dass er selbst mit fehlenden Anführungszeichen schon sein Geld verdient hatte, bevor dies jemals jemand bemerkt hat (oder stimmt an diesem Satz erkenntnistheoretisch etwas nicht?).

http://plagiatsgutachten.de/img/stefan-weber.jpg

Quelle: http://plagiatsgutachten.de/img/stefan-weber.jpg

Dann ist da zweitens sein Geschlechter-Pendant in Wien, Mag.a Dr.in rer. nat. Natascha Miljković. Mit Formeln wie “Schützen Sie Ihre Zukunft!” oder “Seien Sie nicht nur gut, seien Sie exzellent! Auch formell” spricht sie nicht jene an, die anderen Angst vor dem Plagiatsjäger einflößen möchten, sondern jene, die Angst haben, dass der böse Plagiatsjäger eines Tages zu ihnen selbst kommen könnte. Frau Miljković, die mir auf einem Berggipfel im persönlichen Gespräch “Herumstierln in oidn Orbeiten is ned meins” versichert hat, zeigt sich hingegen im Präsentischen, in den sozialen Medien ganz und gar versiert. Die Kollegin dürfte den Großteil ihres Tages mit Twittern und Facebook-Posten von dem, was sie gerade so tut und im Netz wahrnimmt, verbringen. Ich erblasse vor Neid vor so viel Web 2.0-Präsenz und werde das bald nachholen, versprochen!

Wissensvermittlung by Zitier-Weise

Quelle: http://www.plagiatpruefung.at/wp-content/uploads/2012/09/NM_Portrait_klein3.jpg

Der dritte in der Runde ist Martin Heidingsfelder, Polit-Aktivist und Diplom-Kaufmann, auf dessen Webseite wir immer noch das Jahr 2013 schreiben und der mir seit gestern suspekt ist, weil er wissentlich einen falschen Plagiatsvorwurf lanciert hat. (Lange Zeit pflogen wir einen engen Kontakt und tauschten uns über die einschlägigen Fälle aus.)

Beratung

Quelle: http://vroniplag.de/

Der vierte ist Uwe Kamenz. Während die ersten drei selbstständig tätige Einzelkämpfer sind, kommen wir nun also zu den fix angestellten Professoren. Kamenz verpasste als erster 2013 der Plagiatsjagd ein Negativ-Image, als ein unredigierter und fehlerhafter Prüfbericht seiner Software zur Dissertation Frank-Walter Steinmeiers an die Presse durchsickerte. Mittlerweile kämpft er scheinbar vor allem auf anderen Baustellen.

Quelle: http://www.profnet.de/

Die “Mutter” aller Plagiatsjäger (ex aequo mit Ihrem werten Plagiatsgutachter seit 2002 tätig!) ist natürlich fünftens und unverdienterweise letztens Debora Weber-Wulff.

Debora Weber-Wulff

Quelle: http://people.f4.htw-berlin.de/~weberwu/

Sie “jagt” aber nicht wie die anderen oben genannten unter ihrem Realnamen, sondern als “WiseWoman” auf VroniPlag Wiki und macht keine Plagiatsprüfungen gegen Bezahlung (erfreulicherweise landet dann die eine oder andere Anfrage an sie in meinem Posteingang).

Und dazu kommen freilich noch die großen Unbekannten: “PlagDoc”, der ursprüngliche Wiki-”Jäger” Guttenbergs, “Robert Schmidt” und viele andere auf VroniPlag Wiki Aktive. Übrigens allesamt, wie Kollegin Weber-Wulff, sehr seriöse Leute, denen es originär um Plagiatsdetektion und/oder -prävention geht und um nichts anderes.

***

Was will Ihr werter Plagiatsgutachter mit diesem Blogbeitrag eigentlich sagen? Nun ja, wenn Sie gute Ware wollen, gehen Sie bitte zum Qualitätsfleischer. Dieser Hinweis erscheint mir schon seit Steinmeier, aber erst recht seit dem “Fall” Gerd Müller in aller indirekten Deutlichkeit angebracht.

Update: “Erbloggtes” nimmt eine Analogie von mir auf und denkt sie weiter. Herzlichen Dank!

Des Ministers fehlende Anführungszeichen oder: Die Konstruktion eines Plagiatsvorwurfs

09. April 2014 | 5 Kommentare »

So schnell kann es in der bundesdeutschen Medienlandschaft gehen: Schon heißt es, “[m]ehrere Internetportale” würden “berichten”, dass CSU-Minister Gerd Müller bei seiner “Doktorarbeit ‘weite Strecken abgeschrieben’” hat.

Quelle: http://www.all-in.de/nachrichten/rundschau/Minister-Dr-Gerd-Mueller-weist-Plagiatsvorwurf-zurueck;art2757,1590338

Wahr ist leider, dass dies bislang nur politplag.de, die spendenfinanzierte Plattform des Kollegen Martin Heidingsfelder, gestreut hat; und von “weite[n] Strecken” ist nicht einmal dort die Rede. Vielmehr hat Heidingsfelder in seiner Presseerklärung nur eine einzige Stelle moniert, bei der sich folgende Quellenangaben befinden:

DISSERTATION GERD MÜLLER                                     QUELLE WOLFGANG HACKEL

Quelle: http://politplag.de/images/9/9b/Presseerkl%C3%A4rung_PolitPlag.pdf, S. 3.

Die Passage verlangt eine Tiefenanalyse. Ich mailte Martin Heidingsfelder dazu vorgestern folgendes: “Hackel gibt in FN 95 an, hier einige Punkte von Kaack übernommen zu haben. Falls bei Kaack einige Punkte auch so wörtlich stehen, hätte auch Hackel Kaack plagiiert (wenn man denn diese Messlatte anlegen würde), denn auch Hackel verwendete offenbar keine Anführungszeichen. Richtig wäre also bei Müller etwas in die Richtung gewesen: ‘Der Verfasser der Dissertation übernimmt hier in weiten Teilen die Aufstellung von Hackel, der sich seinerseits zum Teil auf Kaack beruft.’ – Man will hier doch nicht nur zeigen, dass Müller Hackel abschreibt, sondern dass Müller die Quelle Kaack nie konsultiert hat, obwohl er sie gleichrangig mit Hackel in seiner FN angibt. Dazu müssten wir wissen, was bei Kaack steht! Und wir sollten beachten, dass Kaacks Werk in den Fußnoten bei Müller insgesamt noch vier Mal vorkommt. Das spricht auf den ersten Blick gegen die These! Also diese Suppe ist viel zu dünn für eine PM!”

Dennoch hat mein Kollege den Vorwurf gestreut. Es liegt bislang kein Plagiatsverdacht vor. Solche Aktionen schaden dem eigentlichen Anliegen enorm. Offenbar geht es hier tatsächlich erstmals nur darum, einen Politiker einer gewissen Richtung in Zusammenhang mit Plagiatsvorwürfen zu bringen. Kann sein, dass Müller tatsächlich (irgendwo anders) plagiiert hat und dass diese erste minimale Unregelmäßigkeit ein erster Indikator dafür ist. Aber es geht nicht an, mit einem explizit unhaltbaren Vorwurf an die Presse zu treten. Ich ging davon aus, dass die Journalisten so schlau sind, das komplett zu ignorieren. Falsch gedacht.

Bald 100 wissenschaftliche Werke mit Plagiatsfragmenten im VroniPlag Wiki?

04. April 2014 | Kommentar hinterlassen »

Die neuesten Fälle auf VroniPlag zeigen einmal mehr: Das Plagiat im “Theorie”teil medizinischer Dissertationen erfreut sich bester Gesundheit. So wie die Juristen häufig Gesetzestexte ab- und leicht umschreiben (was die Zunft bekanntermaßen nicht als Plagiat wertet), werden die Mediziner bald darauf pochen, dass der Stand der Forschung in ihrer Disziplin gar nicht anders darzustellen sei als durch Plagiat. Besonders befremdlich sind hier plagiatsinfizierte Dissertationen, die nach der Guttenberg-Affäre angenommen wurden, wie etwa diese. Und immer wieder fragt man sich: Haben die doppelten Anführungszeichen, diese glorreiche Erfindung der Menschheit aus spätestens dem 15. Jahrhundert, diese Ignoranz wirklich verdient?

Was gibt es sonst noch Neues?

* Die Weimarer Plagiatserkennungs- und Stilometrie-Forschungsgruppe bietet ein kostenloses Tool (“Picapedia”) an, mit dem Texte mit der Wikipedia abgeglichen werden können. (In eigener Sache: Als zusätzlichen Service bietet Ihr werter Plagiatsgutachter an, diesen Abgleich auch mit älteren Wikipedia-Versionen durchzuführen.)

* Kollegin Debora Weber-Wulff hat ein wichtiges Buch geschrieben, in dem erstmals das Vorgehen von VroniPlag und gegenwärtige Methoden der Plagiatserkennung, aber auch etwa historische Plagiatsfälle aus der Wissenschaft kompakt dargestellt werden. Besonders beim Fall Elisabeth Ströker stockt einem der Atem, wie sich gewisse Reflexe in der Wissenschaft wiederholen. Anstelle einer Rezension zwei Sätze aus dem Buch (von vielen wichtigen) als Zitate:

“Rescinding a doctorate is, of course, an entirely different question that just deciding if a dissertation is a plagiarism or not.” (S. 53)

“There is no method for proving the absence of plagiarism.” (S. 113)

(Debora Weber-Wulff: False Feathers. A Perspective on Academic Plagiarism. Berlin/Heidelberg: Springer, 2014)

Plagiatsdetektion und Google-Intelligenz

22. März 2014 | Kommentar hinterlassen »

Inspiriert von der Titelgeschichte über Google im “Spiegel”, Heft 10/2014, denkt Ihr werter Plagiatsgutachter seit Tagen nach längerer Zeit mal wieder nur noch an das Tun und Lassen von “vielen der klügsten Menschen der Welt” in den sogenannten “geheimen Labors” in Mountain View. Was geschieht hier? Was kommt?

Klar, die kommende Suche wird fragenbasiert sein, auf Sprach- und/oder Stimmerkennung beruhen und wohl auch einen Blick in die Zukunft gestatten – oder zumindest wird die Google-Intelligenz Optionen, Varianten aufzeigen können. Heute in der Früh bemühte ich mich etwa vergeblich (mit den Mitteln des Eintippens von Schlüsselwörtern und des Durchforstens von Trefferlisten, die wohl schon in wenigen Jahren anachronistisch erscheinen werden), die folgenden Fragen im Suchschlitz zu beantworten: Welches Yogainstitut in Dresden bietet kompetentes Rücken- bzw. Wirbelsäulenyoga an? Und: Welche Restaurants in Dresden haben derzeit welche Bärlauchgerichte im Angebot? Beide Fragen kann ich mit den gegenwärtigen Suchtools nicht zufriedenstellend beantworten. Ich hätte nichts gegen eine Google-”Intelligenz”, die mir hier hilft, indem sie – so steht es im “Spiegel” geschrieben – die “unsichtbaren Verbindungslinien der Welt” aufzeigt. Ich hätte auch nichts gegen eine Google-Intelligenz (dann wohl zu Recht ohne Anführungszeichen) in Form eines Google-Orakels, dem ich Fragen zur Zukunft stellen kann: Wie wird diese oder jene juristische Auseinandersetzung ausgehen? Welche nächsten Schritte sind zu empfehlen? Und natürlich auch: Wie ist es um die Zukunft meiner Gesundheit, meiner Beziehung, meiner Kinder etc. bestellt? Das sind alles spannende Themen, wenn nicht sogar die spannendsten Themen, die die Menschheit im Moment beschäftigen. Demütig blicke ich vom Dresdner Weißen Hirsch nach Mountain View: An Googles künstlicher Intelligenz müsste man jetzt mitarbeiten! Da erscheint doch alles andere als Pipifax, oder?

Aber nun zum eigentlichen Thema: Die Google-Intelligenz wird, so meine Annahme, neun von zehn Schritten in der Plagiatsdetektion automatisiert erledigen können. Und das ist gut so! Ihr werter Plagiatsgutachter hat soeben mal wieder eine komplexere Überprüfung abgeschlossen. Auch in der Plagiatsdetektion geht es um nichts anderes als um die “unsichtbaren Verbindungslinien” im Diskursuniversum. Mit den derzeitigen Werkzeugen sehen wir etwas, das wir vor zehn oder zwanzig Jahren noch nicht gesehen haben. Der Weg zur Enthüllung ist aber ein mühsamer (und deshalb hat er auch seinen Preis ;-)).

Anhand der soeben abgeschlossenen Überprüfung möchte ich das Verfahren rekonstruieren (ohne zu viele Details zu verraten): Eine in Druckfassung ca. 400 Seiten umfassende Dissertation soll überprüft werden. Alleine ca. 60 Seiten umfasst das Literaturverzeichnis. Einen solchen Literaturkorpus kann niemand einscannen. Vorausgesetzt, Google hätte alle Druckwerke der Welt (wirklich alle) bereits eingescannt, wäre das alles kein Problem. So aber sehen die nächsten Schritte wie folgt aus: Eine Stichprobe aus den Literaturtiteln muss gezogen werden (dafür gibt es Erfahrungswerte; aber auch hier könnten Algorithmen schon mitmischen: Häufigkeit der Zitierungen, Länge der Zitate im Verhältnis zum umgebenden Fließtext etc.). Diese Literaturtitel müssen (meist per Fernleihe) bestellt werden, da es sich oft um spezielle Fachliteratur handelt – Wartezeit bis zu zwei Wochen. Dann muss eingescannt werden, in diesem Fall waren es knapp zwei Dutzend Druckwerke, darunter einige ca. 600 Seiten umfassende Wälzer. Der ‘Spaß’ am Scanner dauerte alleine mehr als drei Tage. Die eingescannten Druckwerke werden dann mit OCR-Software lesbar gemacht und die Titel mit der Dissertation abgeglichen, mittels Text-mit-Text-Vergleichssoftware. Alleine der Vergleich des Referenztextes von ca. 400 Seiten mit ca. 10.000 Seiten Vergleichsliteratur lässt die Augen müde und den Rücken krumm werden. Erst jetzt, nachdem die markierten Verdachtsstellen extrahiert wurden, beginnt die engere geistige Arbeit des Plagiatsdetektors: Handelt es sich um zulässiges, weil als indirektes Zitat ausgewiesenes ‘Umschreiben’ oder um unzulässiges Abschreiben?

Eine Google-Intelligenz könnte alle mühsamen Arbeitsschritte für mich erledigen: Die Vergleichstitel wären bereits eingescannt und auch schon editierbar; ich müsste einfach das Referenzwerk auswählen und auf “Vergleiche!” klicken. Das wär’s! Oder noch besser: Die Google Buchsuche hat schon in jedem Werk bereits Gesagtes und/oder Plagiatsverdächtiges markiert (freilich exklusive direkter Zitate). Damit hätten wir eine Messlatte für Redundanz in der Wissenschaft, und wirklich Neues wäre sichtbar. Ich fordere also eine “Google Text Intelligence“. Oder noch besser: Ich bewerbe mich hiermit bei Google ;-)! Und wenn Google nichts von sich hören lässt, dann möchte ich zumindest mit meinen bescheidenen Mitteln und hier vor Ort im Team einen Beitrag zu dem leisten, was die Zukunft bringen wird.

***

Mit den Gefahren dieser Entwicklung habe ich mich mit Kollegen schon 2007 auseinandergesetzt. Auch das Thema Blick in die Zukunft mit Google ist in diesem Bericht schon enthalten. Immer wieder lesenswert ist in diesem Zusammenhang auch das Buch “Die Google-Falle” (2008) des Journalisten Gerald Reischl. Die grundlegende Befürchtung war ja immer, dass wir unseren Verstand sukzessive abgeben, umso mehr Dinge die Google-Intelligenz für uns erledigen kann (der “Navi-Effekt”). Das “Internet der Dinge”, die “mitdenkenden” Kühlschränke und Fußbodenheizungen passten hier ins Bild.

Vor einigen Jahren war auch Ihr werter Plagiatsgutachter noch Techno-Pessimist, d. h. ein Vertreter der “Old-School-Printsuche” und er stand Softwarelösungen wie auch Open Access ablehnend gegenüber. Doch die Situation hat sich geändert, eigentlich seit Guttenbergs Plagiat. Mit der zunehmenden Komplexität der Textmengen und Fragestellungen (siehe obiges Beispiel) sind Softwarelösungen unumgänglich geworden. Ich frage wieder mal öffentlich nach: Warum bieten Google Books und Google Scholar keine Plagiatsdetektion an? Warum fordert das die Wissenschaft nicht? Warum geben die großen Bibliotheken der Welt, die die Scans von Google erhalten haben, nicht ihre digitalen Archive für die Plagiatssuche frei?